Geschäftsklima
Ifo-Index mindert Angst vor Abwärtsspirale

Die Krise schreibt ihre eigenen Gesetze. Schneller als sonst werden die Prognosen der Wirtschaftsforscher von der Wirklichkeit überholt. Je rasanter der Abschwung, desto mehr steigen Angst und Ratlosigkeit. Wie lange dauert die Talfahrt noch, wie tief führt sie hinab?

FRANKFURT. Börsen, Unternehmer und Manager hängen an den Lippen der Konjunkturforscher. Haargenau werden Monat für Monat deren Prognosen und Stimmungsindikatoren studiert. Als einer der wichtigsten gilt der Ifo-Index, der am Dienstag wieder veröffentlicht wurde. Was aber sagen diese Zahlenwerke wirklich aus?

Der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit, Andreas Rees, hat in einer exklusiven Studie eine Reihe von Frühindikatoren unter die Lupe genommen und eine klare Botschaft herausgelesen: „Selbst wenn die Indikatoren einige Male hintereinander steigen, signalisieren sie noch lange kein Ende der Rezession.“ Entscheidend sei das Niveau.

Was bedeutet das mit Blick auf die Ifo-Daten vom Dienstag? Die Erwartungskomponente kletterte im Februar auf 80,9 Punkte. In der Vergangenheit galt: Erst wenn dieser Teilindex durchschnittlich einen Wert von 93 Zählern aufwies, setzte die konjunkturelle Stabilisierung ein – allerdings mit zeitlicher Verzögerung von vier Monaten. Bis dieser Wert aber erreicht ist, können laut Rees noch Monate vergehen. Denn durchschnittlich kletterte der entsprechende Index seinen Berechnungen zufolge lediglich um einen Punkt pro Monat. Fazit: Wir müssten uns noch gut ein Jahr lang gedulden, bis die Wende einsetzt. „Einen so rapiden Absturz wie zuletzt haben wir allerdings noch nie erlebt“, schränkt Rees ein. Insofern könne es sein, dass auch die Rückkehr des Vertrauens und damit der Anstieg weniger lang auf sich warten ließen.

Bei neun Frühindikatoren – darunter der ZEW- und der Baltic-Dry-Index, der OECD-Leading-Indikator und der Dax – hat der Ökonom untersucht, ob sie tatsächlich als guter Vorläufer der realwirtschaftlichen Entwicklung gewertet werden können. Als Vergleichsgröße rechnet Konjunkturforscher Rees mit der Industrieproduktion. Diese reagiert zum einen sensibel auf weltweite Konjunkturentwicklungen, weil die Industrie in Deutschland stark vom Ausland abhängt. Zum anderen gilt das verarbeitende Gewerbe als Motor der deutschen Wirtschaft. Läuft es, geht es der hiesigen Konjunktur gut. Bremst oder schaltet es gar den Rückwärtsgang ein, geht es der Gesamtwirtschaft schlecht. Bei der Erwartungskomponente des Ifo-Indexes sei dieser Zusammenhang am stärksten.

In einem zweiten Schritt hat der Bankvolkswirt untersucht, welches Niveau die Frühindikatoren in der Vergangenheit erreicht haben mussten, damit die Industrieproduktion zumindest nicht weiter schrumpfte. „Die Mehrzahl der Indikatoren deutet an, dass die Industrieproduktion ihren Tiefpunkt im Mai erreicht haben wird“, fasst Rees zusammen. Damit die Talfahrt aber nicht nur verlangsamt, sondern tatsächlich gestoppt wird, müssten die Indikatoren auch in den kommenden Monaten weiter kräftig steigen.

Eine Schwäche jedoch hat die Studie: Nicht alle Indizes deuten zur selben Zeit auf ein Ende der Rezession hin. Welchem Index also trauen? „Je mehr Indikatoren ein Ende der Talfahrt anzeigen, desto ernster lassen sich die Signale nehmen“, sagt Rees.

Momentan beurteilen die Unternehmen ihre Lage allerdings noch miserabel – zumindest in der Industrie und dem Großhandel. „Die Industrie produziert weniger, der Großhandel kann weniger Vormaterialien verkaufen sowie weniger Güter ein- und ausführen“, erklärt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Dass Baubranche und Einzelhandel hingegen ihre Situation besser als im Januar einschätzen, kann er nachvollziehen: „Sie profitieren vom Konjunkturpaket der Bundesregierung besonders.“ Auch IW-Direktor Michael Hüther nimmt den Ifo-Index ernst. Er geht davon aus, „dass die deutsche Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal die Talsohle durchschreiten wird und wir danach wieder positive Wachstumszahlen sehen werden“.

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