Geschäftsklima
Ifo-Index widerlegt Experten

Die gewerbliche Wirtschaft beurteilt das Geschäftsklima in Deutschland besser als die Experten: Allen Erwartungen zum Trotz hat sich der Ifo-Index, das wichtigste Konjunkturbarometer hierzulande, nach einer kleinen Delle im Mai wieder nach oben bewegt. Und das Ifo-Institut sieht das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

HB MÜNCHEN. Der Geschäftsklimaindex sei im Juni von revidierten 105,7 Punkten im Mai auf 106,8 Punkte gestiegen, teilte das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag mit. Er erreichte damit den höchsten Stand seit Februar 1991. Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage erhöhte sich auf 109,4 von 107,3 im Vormonat. Die Erwartungskomponente wurde auf 104,2 (104,0) beziffert. Der konjunkturelle Aufschwung erweise sich damit erneut als robust, erklärte Ifo-Vorstand Gebhard Flaig.

Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb äußerte sich noch zuversichtlicher: „Wir haben bisher kein einziges Signal für ein Ende des Anstiegs gesehen. Der Peak ist auf absehbare Zeit noch nicht unbedingt erreicht“. Die Risikofaktoren Ölpreise und Dollar-Kurs würden von den Unternehmen derzeit eher gelassen betrachtet. Allerdings werde „die Luft dünner“. Wichtig sei, dass sich der Index längere Zeit auf höherem Niveau halte. Nerb hob zudem hervor, er erwarte weitere „moderate Zinsschritte“ der Europäischen Zentralbank (EZB), sehe aber keine Notwendigkeit, das Zinserhöhungstempo anzuziehen. „Der nächste Schritt ist durchaus schon im August möglich“, sagte er.

Die rund 7 000 befragten Unternehmen beurteilten vor allem ihre gegenwärtige Lage deutlich besser, aber auch die Erwartungen für die kommenden Monate legten leicht zu. Neben der Industrie verbesserte sich auch im Einzelhandel die Stimmung deutlich. In der Bauwirtschaft stieg das Geschäftsklima ebenfalls leicht an. Dagegen zeigten sich die Großhändler sowohl bei der Beurteilung der momentanen Lage als auch bei der Einschätzung ihrer Perspektiven für das kommende halbe Jahr etwas skeptischer als noch im Mai.

Die meisten Experten hatten mit einem weiteren Dämpfer gerechnet, nachdem das Konjunkturbarometer bereits im Mai leicht nachgegeben hatte. Von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Rückgang auf 105,1 erwartet. Ökonomen verwiesen darauf, dass die Unternehmen die aktuelle Konjunkturlage zwar weiterhin als sehr positiv beurteilen werden, die Erwartungen dürften sich den Experten zufolge aber eingetrübt haben. Die Experten begründeten ihre Prognose damit, dass sich die Exportperspektiven verschlechtert hätten und die Erhöhung der Mehrwertsteuer näher rücke. Zudem würden Aktienkursverluste der vergangenen Wochen und die US-Zinserhöhungserwartungen die Stimmung der deutschen Unternehmen belasten.

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