GfK-Index
Härtetest für Konsumklima kommt erst noch

Noch sind die Einkaufstüten – zumindest in Deutschland – gut gefüllt. Ob das zarte Hoffnungspflänzchen Konsum aus Angst vor der zunehmenden Arbeitslosigkeit nun verwelkt, dafür liefert das aktuelle Konsumklima des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK einen ersten Hinweis.

HB NÜRNBERG/FRANKFURT. Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Massenarbeitslosigkeit. Voll erwischt hat es vor allem Spanien. Dort lag die Arbeitslosenquote im Mai bei 18,7 Prozent, und damit mehr als acht Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Im gesamten Euro-Raum betrug sie mit knapp zehn Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren. In Deutschland dagegen stieg die Quote binnen Jahresfrist gerade einmal um 0,3 Punkte. Lässt die Wirtschaftskrise also ausgerechnet den Arbeitsmarkt jener Volkswirtschaft glimpflich davon kommen, die aufgrund ihrer Exportabhängigkeit zweifelsohne zu den größten Verlierern zählt?

Wohl kaum. Im Juni sank die Zahl der Arbeitssuchenden zwar nochmals minimal. Das dürfte aber trotz der zuletzt zahlreichen positiven Konjunktursignale – so war im Juli der Ifo-Index das vierte Mal in Folge kräftig gestiegen – der vorerst letzte Monat mit rückläufiger Arbeitslosigkeit gewesen sein. Wenn die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag die Julizahlen vorlegt, wäre alles andere als ein Anstieg der Arbeitslosigkeit eine faustdicke Überraschung. Und das wird erst der Anfang sein. Dass 2010 die Fünf-Millionen-Grenze nicht gerissen wird, ist ein reiner Hoffnungswert, meint der Chef der Wirtschaftsweisen, Arbeitsmarktexperte Wolfgang Franz.

Wichtig für das Wohl und Wehe der deutschen Wirtschaft wird sein, wie sehr das Pendel der ansteigenden Arbeitslosigkeit auf den privaten Konsum zurückschlägt. Denn in der Krise, in der das exportabhängige Land die einstürzende Auslandsnachfrage arg gebeutelt hat, war bislang ausgerechnet die jahrelange Achillesferse der deutschen Wirtschaft, der private Konsum, eine verlässliche Stütze. Im ersten Quartal legte er um 0,5 Prozent verglichen mit dem Vorquartal zu. Das ist zwar nicht viel – aber immerhin wuchs er. Zum Vergleich: Die Exporte sanken in beispiellosem Tempo, sie fielen um knapp zehn Prozent.

Einen ersten Hinweis, ob das zarte Hoffnungspflänzchen Konsum nun verwelkt aus Angst vor der zunehmenden Arbeitslosigkeit, liefert die monatliche Umfrage des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK. Für August prognostizieren die Marktforscher einen Anstieg ihres Konsumklimabarometers von 3,0 auf 3,5 Punkte. „Damit bleibt der private Konsum eine wesentliche Stütze der Konjunktur“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl zu der am Montag veröffentlichten Umfrage unter 2000 Verbrauchern. Mit dem vierten Anstieg in Folge erreichte der Index den höchsten Stand seit Juni 2008. Der Härtetest für die Konsumstimmung stehe aber erst im Spätherbst an, für den ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet wird, heißt es bei der GfK.

Gehoben wurde die Kauflaune von der niedrigen Inflation. „Den Bürgern bleibt dadurch mehr Geld im Portemonnaie“, sagte Bürkl. Die Teuerungsrate fiel im Mai auf null Prozent, im Juni lage sie bei 0,1 Prozent. Für die Sommermonate prognostizierten Experten sogar fallende Preise – das hat es zuletzt 1987 gegeben. Dadurch erwarten die Befragten, mehr Geld in der Tasche zu haben. Dazu trugen auch die Rentenerhöhung zum 1. Juli um 2,4 Prozent sowie sinkende Krankenkassenbeiträge und Einkommenssteuern bei.



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