GfK-Index
Steuerschock bremst Kauflust

Die Mehrwertsteuererhöhung wird nach Einschätzung des Marktforschungsinstituts GfK zu Beginn des neuen Jahres für eine spürbare Abkühlung des Konsumklimas sorgen. Die Verbraucher bewerten die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zwar positiv, bezweifeln aber, dass sich dies in ihrem Geldbeutel bemerkbar macht. Allerdings gibt es Hoffnung auf einen Stimmungswechsel.

HB NÜRNBERG. Der monatlich von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte Konsumklimaindikator fiel für Januar auf 8,7 von revidiert 9,2 Punkten im Vormonat, wie die Nürnberger Marktforscher am Freitag mitteilten. „Die Mehrwertsteuererhöhung betrachten die Konsumenten offensichtlich als eine drastische Belastung für ihre Kaufkraft“, hieß es zu der Befragung von 2000 Verbrauchern. Verschärft werde dies durch höhere Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge sowie wegfallende Steuervorteile. Dadurch hätten sich die Einkommenserwartungen stark eingetrübt.

Bei den Ergebnissen der neuen Erhebung handelte es sich um den ersten Indexrückgang seit Dezember 2005, als das Stimmungsbarometer auf 3,1 von 3,3 Punkten gesunken war "Das Konsumklima hat zum Jahresende 2006 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht", hieß es von der GfK Marktforschung.

Allerdings stehen der GfK zufolge die Chancen gut, dass sich die Verbraucher im Laufe des Jahres von dem „Steuerschock“ wieder erholen. Grund sei der steigende Konjunkturoptimismus zusammen mit der besseren Arbeitsmarktlage sowie der Aussicht auf stärkere Lohn- und Gehaltserhöhungen. Wegen vorgezogener Käufe verharrte die Kaufbereitschaft im Dezember auf einem hohen Niveau. Aus Furcht vor Preiserhöhungen angesichts der steigenden Mehrwertsteuer hielten es viele Verbraucher für ratsam, größere Ausgaben noch im alten Jahr zu tätigen. Allerdings sei zu befürchten, dass mit dem Wegfall der Vorzieheffekte zu Beginn des neuen Jahres auch die Kaufbereitschaft nachlasse, betonte die GfK.

Die Schere zwischen den Verbrauchern in Ost- und Westdeutschland öffnete sich weiter. Die Ostdeutschen seien tendenziell weniger optimistisch, hieß es. Die Rückgänge bei Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung seien im Osten weitaus deutlicher als im Westen.

Wie Analysten den Rückgang bewerten

Von Reuters befragte Analysten hatten vor der Revision mit einem unveränderten Konsumklimaindikator von 9,4 Punkten gerechnet. In einer ersten Reaktion sagte Jürgen Michels von der Citigroup: „Die Zahlen zeigen, dass die Mehrwertsteuererhöhung negative Folgen für den privaten Konsum haben wird. Dadurch werden die erwarteten Realeinkommen geringer von den Verbrauchern eingeschätzt. Wir werden deshalb zu Beginn des neuen Jahres eine Korrektur der zuletzt starken Entwicklung beim privaten Konsum sehen. Es deutet aber nichts auf eine lang anhaltende Schwächeperiode hin. Denn der Konjunkturaufschwung steht auf einem breiten Fundament: Der Export läuft gut, die Investitionen ebenso. Deshalb sollte sich der Arbeitsmarkt weiter positiv entwickeln und den privaten Verbrauch stützen. Im Jahresdurchschnitt wird der private Konsum stagnieren, da die Haushalte wegen der höheren Mehrwertsteuer und steigenden Abgaben starke Realeinkommensverluste hinnehmen müssen.“

Rainer Sartoris von HSBC Trinkhaus & Burkhardt prognostiziert einen kurzen Einbruch beim privaten Konsum: „Die Verbraucher bleiben skeptisch, ob sie vom konjunkturellen Aufschwung profitieren können. Wir gehen davon aus, dass es im ersten Quartal zu einer Delle beim privaten Konsum kommen wird. Es wird aber keine lang anhaltende Delle geben. Darauf deuten die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und die gute Konjunktur hin. Der private Verbrauch dürfte sich vor diesem Hintergrund 2007 ganz gut halten.“

Sebastian Wanke von der Dekabank sieht Deutschland um den krönenden Abschluss eines tollen Jahres gebracht: „Die Vorzeichen waren ja nicht schlecht, denn wir hatten zuletzt sehr gute Zahlen gesehen vom Arbeitsmarkt und auch beim Ifo-Index. Doch die positiven Signale haben sich nur in den Konjunkturerwartungen niedergeschlagen, leider aber nicht in den Einkommenserwartungen. Da sind wir eher in die Steinzeit zurückgefallen. Erklärbar ist das mit der Mehrwertsteuererhöhung und weiteren Belastungen, die im neuen Jahr auf die Verbraucher zukommen. Es ist erstaunlich, wie stark negativ die Haushalte ihre künftige finanzielle Lage trotz der eigentlich exzellenten wirtschaftlichen Lage bewerten. Das ist ein ziemlich untrügliches Zeichen für die erwartete Konsumdelle im ersten Quartal, wenn nicht im ersten Halbjahr. Ich gehe davon aus, dass das Konsumklima weiter sinken wird in den nächsten Monaten. Insbesondere die Kaufbereitschaft wird sich mit der Mehrwertsteuererhöhung zurückentwickeln.“

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