GfK-Konsumklima
Deutsche kaufen trotz Euro-Krise weiter ein

Während alle Konjunkturindikatoren nach unten zeigen und die Industrie von weniger Aufträgen berichtet, geht das GfK-Konsumklima für August in die andere Richtung. Trotz der Krise steigt die Kauflaune der Deutschen.
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BerlinTrotz wachsender Konjunkturskepsis steigt die Kauflaune der Deutschen. Sie fürchten zwar, dass die Wirtschaft wegen der Schuldenkrise immer stärker unter die Räder kommt. Dank steigender Einkommen wollen die Verbraucher aber mehr Geld für Großeinkäufe ausgeben. Das für August berechnete GfK-Konsumklima-Barometer kletterte deshalb überraschend um 0,1 auf 5,9 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit März, wie die Nürnberger Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Donnerstag mitteilten. Experten hatten im Schnitt ein unverändertes Niveau von 5,8 Zählern erwartet.

„Die Verbraucher befürchten zusehend, dass nun auch die deutsche Wirtschaft in den Krisenstrudel gezogen wird“, kommentierte die GfK das wachsende Misstrauen in die Wirtschaft. Denn die anhaltende Banken- und Schuldenkrise lasse den Konjunkturoptimismus schwinden. Zuletzt hatte sich das Ifo-Geschäftsklima zum dritten Mal in Folge eingetrübt und gezeigt, dass die Unternehmen zunehmend mit Gegenwind zu kämpfen haben.

Die Konjunkturerwartungen der Verbraucher sanken im Juli um 8,6 Punkte auf minus 5,6 Zähler. Erstmals seit Dezember letzten Jahres sank die Konjunkturerwartung nach Angaben der Marktforscher unter den langjährigen Durchschnittswert von null Punkten. Allerdings fiel der Vertrauensverlust nicht mehr so stark aus wie noch im Juni.

Mehr Einkommen und mehr Kaufkraft sorgen für Kauflaune

Ihre eigene Finanzlage schätzen die Konsumenten aber deutlich besser ein. Dieses Barometer verlor zwar um fast vier auf 36,3 Punkte, hielt laut GfK aber sein "überaus hohes Niveau". "Die Einkommensaussichten trotzen damit weiterhin den zunehmenden Risiken aus dem Ausland." Grund sei die steigende Beschäftigung sowie die Aussicht auf mehr Lohn und Gehalt wegen höherer Tarifabschlüsse. Hinzu komme, dass die Inflation zuletzt unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent gefallen sei. "Dies stärkt die Kaufkraft der Einkommen", schrieben die GfK-Experten.

Für Analysten kommt das Ergebnis nicht überraschend. "Die Unternehmen spüren, dass es nicht nur in der Euro-Zone, sondern auch in den USA, Großbritannien und Asien schlechter läuft. Bei den Konsumenten ist das noch nicht angekommen", sagt Rainer Sartoris von der HSBC Trinkaus. "Dafür sorgen relativ hohe Lohnabschlüsse und ein stabiler Arbeitsmarkt. Die Verbraucher fühlen sich deshalb noch recht wohl. Der private Konsum dürfte solide bleiben." Carsten Brzeski von der ING fügt hinzu: "Selbst das früher als erwartete Ausscheiden der Fußball-Nationalmannschaft aus der Europameisterschaft hat das Verbrauchervertrauen nicht fallen lassen."

Die stärkere Kaufkraft dürfte dazu beitragen haben, dass die Verbraucher wieder mehr größere Einkäufe wagen wollen. Das Barometer für ihre sogenannte Anschaffungsneigung kletterte um 3,1 auf 35,8 Punkte. "Eine stabile Beschäftigungssituation mit sinkender Arbeitslosigkeit sowie die damit einhergehenden Einkommenszuwächse erhöhen die Planungssicherheit." Wie seit längerem treibt just die Schuldenkrise die Verbraucher zu mehr Konsum. Denn wegen der niedrigen Zinsen für Geldanlagen geben viele Bürger ihr Erspartes lieber für Möbel aus oder investieren in Immobilien. Da überrascht es kaum, dass die Einzelhändler für den einzigen Lichtblick bei der jüngsten Ifo-Umfrage unter 7000 Firmenchefs sorgten. Die Branche schätzte im Juli sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten günstiger ein.

Das Konsumklima in Deutschland setzt nach GfK-Einschätzung seine stabile Entwicklung fort. Die wachsenden Konjunkturrisiken hätten sich noch nicht auf das Barometer ausgewirkt.

Der private Konsum schiebe die Wirtschaft entscheidend an und dürfte im laufenden Jahr um ein Prozent steigen.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " GfK-Konsumklima: Deutsche kaufen trotz Euro-Krise weiter ein"

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  • Wer es irgendwie kann, kauft jetzt hochwertige Dinge.
    Da wird dann eben mal die neue Gartengarnitur für die Terasse gekauft, die man normalerweise dieses Jahr nicht mehr gekäuft hätte.
    Es geht momentan nach dem Motto, kaufen wir mal, wir wissen nicht, ob wir das morgen noch können
    leisten wir uns noch was, fahen wir noch mal in den Urlaub usw.
    Der Euro wird verjubelt

  • Medienmanipulation
    Zustimmung
    Es sid nur wenige, die noch über Geld verfügen und dementsprechend kaufen können.
    Der größte Teil der Bevölkerung hat doch Gld für das nötige

  • Warum sollten sie nicht konsumieren-etwas anderes interessiert doch die breite Masse (bis jetzt) nicht und bevor das Geld nur noch für ein Lagerfeuer taugt ,wird es verjubelt somit Schäuble schaut in die Röhre ;-)

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