GfK-Konsumklimaindex
Kauflaune der Deutschen sinkt auf Fünfjahrestief

Die Konsumstimmung in Deutschland hat sich stärker eingetrübt als erwartet. Der GfK-Konsumklimaindex sinkt deutlich auf 1,5 Punkte. Zwar beurteilen die Verbraucher ihre finanzielle Situation in den kommenden zwölf Monate ein wenig positiver, die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands schätzen sie dagegen so schlecht ein wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr.

HB BERLIN. Die Sorge vor einer längeren Konjunkturflaute hat die Kauflaune der Deutschen getrübt. Für September prognostizierten die GfK-Marktforscher das kühlste Konsumklima seit fünf Jahren. Der GfK-Index sank nach Angaben von Dienstag von 1,9 auf 1,5 Punkte und damit stärker als erwartet. „Die schwachen Konjunkturaussichten drosseln den Konsum“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ließ nach. Ihre finanzielle Situation in den kommenden zwölf Monate beurteilten die Verbraucher dagegen ein wenig positiver.

„Die Leute halten ihren Geldbeutel zu, sicherlich mit Blick auf das, was noch ins Haus stehen könnte in Bezug auf die Haushaltsenergie oder den teureren Weg zur Arbeit. Das zeigt uns, dass der private Konsum weiter schwach bleiben dürfte", kommentierte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch die Daten. „Wir hatten mit der Zunahme der Beschäftigung eigentlich sehr gute Bedingungen für ein Anspringen des Konsums. Jetzt hatten wir den Energiepreisschock. Ich fürchte, dass sich - wenn das vorbei ist - die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert hat.“

Die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands schätzten die Konsumenten so schlecht ein wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Den Grund für den Pessimismus sieht die GfK in dem Wachstumseinbruch im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um 0,5 Prozent und damit zum ersten Mal seit fast vier Jahren.

Die Eintrübung des Ifo-Geschäftsklimas und anderer wichtiger Indikatoren, die anhaltende Finanzkrise und die schlechtere Auftragslage der Industrie ließen keine schnelle Erholung erwarten. Der Teilindikator für die Konjunkturerwartungen brach deshalb von minus 8,0 auf minus 21,8 Punkte ein.

Für Autos, Möbel und andere große Anschaffungen sind die Verbraucher immer weniger bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Als wichtiger Grund dafür gilt die hohe Inflation, die die Kaufkraft drückt. „Die Inflation steht derzeit auf breiter Basis“, sagte Bürkl. „Somit verspüren die Konsumenten wenig Lust auf größere Anschaffungen.“ Der Teilindikator für die Anschaffungsneigung ging von minus 26,2 auf minus 27,9 Zähler zurück.

Nicht mehr ganz so schlecht schätzen die Konsumenten ihre finanzielle Situation in den kommenden zwölf Monaten ein. Trotz des leichten Anstiegs des Teilindikators um 3,2 auf minus 16,8 Punkte verharrte er aber klar unter seinem langjährigen Durchschnitt. „Trotz der deutlichen Rückgänge bei den Rohölpreisen sehen die Konsumenten kaum Entwarnung bei der Kaufkraft“, hieß es. Den Verbrauchern stehe im Herbst eine drastische Preisrunde bei Gas bevor. Davon werde auch die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt überschattet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%