Globale Finanz- und Wirtschaftskrise
Auch Lateinamerika fällt als Wachstumsmotor aus

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise drückt im nächsten Jahr das Wachstum in Lateinamerika drastisch nach unten. Die Uno-Kommission erwartet für 2009 nur schwache Zuwachsraten. Schlusslicht Mexiko trifft die Krise doppelt hart – das Land ist auf Gedeih und Verderb auf die USA angewiesen.

MEXIKO-STADT. Nach sechs Jahren kräftigen Aufschwungs und einem durchschnittlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,8 Prozent pro Jahr beträgt das Plus in der Region 2009 nur noch 1,9 Prozent, schätzt die Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal). „Die Volkswirtschaften der Region fliegen wie ein Segelflugzeug, noch getrieben von dem Impuls der Vorjahre“, erklärte Cepal-Generalsekretärin Alicia Bárcena. „Doch die Wachstumsmotoren sind ausgeschaltet, und niemand weiß, wann sie wieder anspringen”. Dieses Jahr legt das BIP der Region immerhin noch um 4,6 Prozent zu.

Die Krise trifft die Länder zwischen Argentinien und Mexiko doppelt; zum einen in der Realwirtschaft, zum anderen auf der Kreditebene. In der Realwirtschaft sinken vor allem die Exporte in die Industriestaaten. Hier sind besonders Mexiko und Zentralamerika betroffen, die mit der Wirtschaft der USA eng verwoben sind. Zudem trifft der deutliche Verfall der Preise für Rohstoffe wie Öl und Edelmetalle viele Staaten in Südamerika. Darüber hinaus sinken die Auslandsüberweisungen der Migranten und Gastarbeiter; auch darunter leiden die Staaten Zentralamerikas und Mexikos überproportional. In Mexiko sind die geschätzten 23 Mrd. Dollar an Auslandsüberweisungen nach dem Ölverkauf wichtigste Devisenquelle. Cepal rechnet zudem für 2009 mit einem deutlichen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen.

All diese negativen Parameter würden dazu führen, dass rund eine Million Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, wodurch die Arbeitslosenquote in der Region von 7,5 auf 8,1 Prozent steigen werde, warnte die Uno-Kommission. Parallel dazu werden laut Cepal die Kosten der Fremdfinanzierung in die Höhe schnellen. Dieses Szenario hat bereits zu einer deutlichen Abwertung der lokalen Währungen geführt. Der mexikanische Peso, lange Zeit eine der stabilsten Währungen, hat seit Oktober gegenüber dem Dollar rund 15 Prozent verloren.

Die Wachstumsprognosen für die einzelnen Länder unterscheiden sich jedoch sehr. Zum wiederholten Mal hält Mexiko, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region, die Rote Laterne. Mit einem prognostizierten BIP-Anstieg um 0,5 Prozent stagniert die Wirtschaft faktisch. Das Land ist auf Gedeih und Verderb auf die USA angewiesen – Mexiko liefert über 80 Prozent seiner Exporte dorthin. „Es zeichnet sich ein kompliziertes 2009 ab. Wir müssen vorsichtig sein, sparsam und unsere Investitionsentscheidungen sehr genau überlegen“, sagt der Präsident der mexikanischen Börse, Guillermo Prieto Treviño.

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