Globaler Abschwung
Rezessionsangst lässt Anleger verzweifeln

Die Wirtschaft steuert im Sog der Finanzkrise unaufhaltsam in eine weltweite Rezession. Die jüngsten Hinweise auf dieses Szenario, das die internationalen Aktienmärkte seit Wochen im Würgegriff hält: Das vom Münchner Ifo-Institut berechnete Weltwirtschaftsklima ist derzeit so düster wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Auch neue Arbeitsmarktdaten aus den USA lassen Schlimmes befürchten.

HB MÜNCHEN/FRANKFURT/NEW YORK. Experten sehen die Wirtschaft im Sog der Finanzkrise weltweit in eine Rezession steuern. Das ifo-Weltwirtschaftsklima als wichtiges Stimmungsbarometer fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren. „Insgesamt deuten die erhobenen Daten auf eine globale Rezession hin“, erklärte der Chef des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, am Donnerstag. Auch der deutsche Bankenverband und die Bundesbank gaben einen düsteren Ausblick und erwarten herbe Dämpfer für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

Damit trübt sich auch die Aussicht auf ein baldiges Ende des Abwärtstrends an den internationalen Aktienbörsen weiter ein. Auch am Donnerstag ist der deutsche Aktienmarkt den Vorgaben aus New York und Asien gefolgt und weiter eingebrochen. Der Dax verlor bis zum frühen Nachmittag 2,37 Prozent auf 4 251 Punkte. Der MDax fiel um 3,51 Prozent auf 4754 Zähler. Der Tecdax büßte 3,98 Prozent auf 438 Zähler ein.

Der Dow Jones, der zu Handelsschluss in Europa 1,9 Prozent im Minus gelegen hatte, ging gestern mit einem Abschlag von 5,1 Prozent aus dem Tag. Der S&P 500 brach 6,1 Prozent ein und der Nasdaq-Composite fiel um 6,5 Prozent.

Zum fünften Mal in Folge fiel der Ifo-Index für das Weltwirtschaftsklima und liegt im vierten Quartal bei 60 Punkten. Vor allem die derzeitige wirtschaftliche Lage, aber auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate wurden von den befragten 1.000 Experten aus 91 Ländern ungünstiger bewertet.

Der Index zu den Aussichten fiel um fast 9 Punkte auf 52,6 Zähler und ist damit auf dem schlechtesten Stand seit 20 Jahren, wie ifo-Experte Gernot Nerb sagte. „Auf jeden Fall signalisieren die Erwartungen, dass wir den Tiefpunkt bei der Lage noch nicht erreicht haben“, erklärte er.

Nicht nur in Nordeuropa, Westeuropa und Asien habe sich die Stimmung verschlechtert, sondern auch in Mittel- und Osteuropa, Russland, Lateinamerika und Australien, hieß es. In den USA seien aber zumindest die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate nicht mehr ganz so pessimistisch. Zudem ist in Nordamerika das Wirtschaftsklima mit 53,9 Punkten sogar besser als in Westeuropa mit 51,2 Punkten.

Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank sieht weiterhin wenig Potenzial um „den Hebel schnell umzulegen und die Kurse wieder nach Norden zu schicken“. Bis zum Jahresende sei es unwahrscheinlich, dass es der Dax wieder über die Marke von 5 000 Punkten schaffen. „Es herrscht eine ziemliche Ausverkaufsstimmung“, sagte auch Susanne Lahmann, Marktstrategin der Bremer Landesbank.

Börsianern zufolge wird nach wie vor viel Kapital aus dem Aktienmarkt abgezogen. „Das sind Gelder von Hedgefonds, die ihre Positionen glattstellen müssen“, sagte ein Händler. Bis Jahresende müssten die Fonds hohe Summen an Investoren auszahlen und verkauften daher Aktien wie auch andere Anlagen.

„Sorge bereitet, dass der Markt noch gar nicht stark überverkauft ist. Es besteht also durchaus noch Platz nach unten“, sagte ein Händler. „Während sich die Marktteilnehmer schon makroökonomisch auf die schlimmste Krise nach 1929 eingestellt haben, überrascht jetzt dennoch die Dynamik der schlechten Nachrichten aus (...) den Unternehmen“, schreibt die Metzler Bank in einem Kommentar.

Die „Angststarre“ habe sich trotz etlicher Bemühungen der Notenbanken und Regierungen nicht gelöst, der Markt preise nun eine weitere Verschlechterung der Lage ein. Hinzu komme ein großer Basiseffekt: Das erste Quartal 2008 sei aus Unternehmenssicht überraschend stark ausgefallen, entsprechend fatale Zahlen seien nun im ersten Quartal 2009 zu erwarten.

„Der Rückgang der Auslandsnachfrage trifft die deutsche Wirtschaft stärker als andere“, sagte der Geschäftsführende Vorstand des Bankenverbandes, Manfred Weber. Er geht nicht von einer raschen Verbesserung der Konjunktur in Deutschland aus. „Derzeit müssen die Risiken einer weiteren Verschlechterung höher eingeschätzt werden als die Chancen einer zügigen Erholung.“

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