Glücksökonom Bruno Frey: „Die Erwartungen sind wichtig“

Glücksökonom Bruno Frey
„Die Erwartungen sind wichtig“

Die Deutschen sind guter Stimmung. Das beobachtet auch der Züricher Ökonom Bruno Frey, ein renommierter Experte auf dem Gebiet der Glücksökonomie. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er darüber, warum die Laune in der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums momentan fühlbar gut ist.
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Herr Frey, Sie sagen, die Deutschen seien „sehr glücklich“. Hat das Glücksgefühl denn auch mit der Finanzmarktkrise zu tun? Sie hat die deutsche Wirtschaft schließlich weniger hart getroffen als von Ökonomen lange Zeit befürchtet.

Ja, Erwartungen spielen eine wesentliche Rolle für das Glücksgefühl. Die Menschen hatten sich darauf eingestellt, dass die Krise sie härter treffen würde, vor allem in Form einer stark steigenden Arbeitslosigkeit.

Wir erleben nur ein kurzfristiges Glück, in Form von übertroffenen Erwartungen?

Nein, der Wohlstand der Deutschen ist hoch, das ist ein zusätzliches, langfristiges Glück.

Das heißt: Wären die Prognosen treffsicherer gewesen, dann wäre die Wirtschaftsentwicklung keine positive Überraschung, und die Bürger wären weniger zufrieden?

Das lässt sich so nicht sagen. Denn gerade weil die Prognosen der Ökonomen so pessimistisch waren, haben die Politiker intensiv eingegriffen und die Wirtschaft gestützt. Hätten sie das nicht getan, hätte sich die Wirtschaft schlechter entwickelt.

Welchen Einfluss haben Konjunkturdaten auf ökonomische Entscheidungen wie das Spar- oder Konsumverhalten?

Die einzelnen Indikatoren verfolgen die meisten Menschen wohl kaum. Was sie aber wahrnehmen, sind Stimmungen, die vor allem Medien machen. Ist die Stimmung beispielsweise schlecht, sparen sie vermehrt.

Die Stimmung war schlecht, als die Bundesregierung die Abwrackprämie anbot – die viele Menschen sehr wohl genutzt haben, also Geld ausgaben.

Geschickte wirtschaftspolitische Maßnahmen greifen, das stimmt. Aber in normalen schwachen Konjunkturphasen, in denen der Staat nicht eingreift, verzichten die Bürger eher mal auf Ausgaben.

Die Bundesrepublik feiert 20 Jahre Deutsche Einheit. Hat die Wiedervereinigung das Glück der Deutschen erhöht?

Anfangs ist das Glück der Ostdeutschen sehr gewachsen. Aber es ist noch immer geringer als das der Westdeutschen, der Abstand verringert sich nicht mehr. Das liegt vermutlich daran, dass diejenigen, die Initiative zeigen, auswandern auf der Suche nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen, die glücklicheren Menschen sind. Im Umkehrschluss: Die Verdrossenen bleiben zurück.

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