Goldman-Chefvolkswirt
„US-Immobilienmarkt noch nicht aus der Krise“

Der Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Jan Hatzius, sieht im weiter schwachen Wachstum der US-Wirtschaft ein Risiko für die Finanzmärkte. Im Handelsblatt-Interview verrät er außerdem, warum er Aktien derzeit für langfristig günstig bewertet hält und der hohe Goldpreis für ihn kein Krisenindikator ist.
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Handelsblatt: Herr Hatzius, die US-Wirtschaft wächst wieder, die Börse feiert das Ende der Rezession. Übernehmen die USA wieder ihre Rolle als Weltkonjunkturlokomotive?

Jan Hatzius: Ganz sicher nicht, zumindest in den nächsten Jahren nicht. Spätestens im zweiten Halbjahr 2010 wird die Wirkung der Washingtoner Konjunkturprogramme auslaufen. Dann werden wir sehen, ob der Patient auch ungestützt gehen kann.

Wie ist Ihre Prognose?

Hatzius: Gut drei Prozentpunkte haben die staatlichen Maßnahmen zum Wachstum beigesteuert. Ohne die würde die Wirtschaft noch stagnieren. Weil sich der private Konsum und die Unternehmensinvestitionen aber zumindest etwas erholen werden, rechnen wir für längere Zeit mit einem mäßigen Wachstum von höchsten zwei Prozent.

Wie lange wird es dauern, bis der US-Konsument, der für 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aufkommt, den Aufschwung wieder trägt?

Sehr lange. Haben die US-Bürger vor der Krise in Hoffnung auf steigende Aktienkurse und Immobilienpreise ihr Einkommen in die Geschäfte getragen, müssen sie nun sparen. Der Beitrag des Konsums zum Wachstum wird in den nächsten drei bis fünf Jahren bei nur rund einem Prozentpunkt liegen. In den Boomjahren waren es bis zu drei Punkte.

Aus welcher Ecke drohen der US-Konjunktur besondere Gefahren?

Ich glaube, der US-Immobilienmarkt ist noch nicht aus der Krise. Der Verfall der Preise ist noch nicht zu Ende, denn sie wurden vom Staat nur künstlich stabilisiert. Unter dem Strich sind sie durch die Stützungen seit dem Frühjahr sogar um rund fünf Prozent gestiegen.

Sie rechnen also damit, dass die Preise wieder fallen könnten?

Zwei Faktoren, die 2010 auslaufen, waren für den Anstieg verantwortlich. Zum einen Steuergutschriften für Erstkäufer. Außerdem wurden Zwangsversteigerungen durch verschiedene Regierungsprogramme hinausgezögert. Die Häuser werden aber wohl irgendwann auf den Markt kommen. Derzeit sind wir der Ansicht, dass dies die Preise noch einmal um fünf bis zehn Prozent drücken kann.

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  • Japan und Deutschland werden sicher nicht mehr Nachfrage bereitstellen als jetzt, damit kann man nicht rechnen. Wahrscheinlich weniger. wenn man die Konjunkturprogramme auf Pump herausrechnet, hätten wir im westen jetzt gar kein Wachstum. Und das ist meine Prognose, Nullwachstum im Westen die nächsten Jahre, auch weil die jetzige konjunktur sowieso nur geliehen ist und zurückgezahlt werden muß.Es kann aber durchaus noch zu Einbrüchen und erneuter rezession kommen, insbesondere mißtraue ich der Entwicklung in China. Mit ausweitung der Geldmenge erreicht man keine nachhaltige Entwicklung. Den Kommunisten in Peking muß das wasser schon ziemlich hoch stehen, sonst würden sie diesen schlechten trick nicht machen. Die rechnung dafür kommt garantiert.

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