Golf-Staaten
Öffentliche Gelder statt Öl

Hohe Staatsausgaben bewahren die ölreichen Länder des Mittleren Ostens vor drastischen Konjunktureinbrüchen. Nach neuesten Schätzungen schrumpft das Wachstum in der Golf-Region auf 3,5 Prozent, vor allem der Rückgang der Öleinnahmen hinterlässt deutliche Spuren. Deutsche Unternehmen sehen am Golf indes nach wie vor gute Chancen.

DUBAI. Zu dieser Einschätzung kommt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem Ausblick für die Region. Demnach schrumpft zwar das Wirtschaftswachstum der Staaten am Persischen Golf von 6,8 Prozent in 2008 auf 3,5 Prozent in diesem Jahr. „Die meisten Regierungen haben jedoch signalisiert, an ihren angekündigten Ausgaben sowie an ihren hohen Importvolumen festzuhalten“, sagt Masood Ahmed, IWF-Direktor für den Mittleren Osten und Zentralasien. Laut dem Wirtschaftsdatendienst Proleads wurden auf der Arabischen Halbinsel Immobilien-, Straßen- und Kraftwerksprojekte in Höhe von 2,5 Billionen Dollar bekannt gegeben. Zwei Drittel davon sollen durchgezogen werden, beim Rest könne es zu Verzögerungen kommen.

Die Talfahrt beim Ölpreis hinterlässt in den nationalen Budgets deutliche Spuren. So schätzt der IWF, dass die Golf-Region in diesem Jahr nur noch Öl-Einnahmen in Höhe von 257 Milliarden Dollar einfährt – nach 460 Milliarden Dollar 2008. Die Hochrechnung basiert auf einem durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel. Die Haushalte, die 2008 im Schnitt noch mit einem Plus von 22,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts abschlossen, rutschten 2009 mit 3,1 Prozent in den Minusbereich, betonte Ahmed. Auch die Leistungsbilanzen seien in diesem Jahr leicht negativ: „Die Golf-Länder finanzieren ihre Ausgabenprogramme aus den Budgetüberschüssen der vergangenen Jahre, aus Währungsreserven sowie zum Teil aus den Kassen ihrer Staatsfonds“.

Vor allem Saudi-Arabien, der weltweit größte Öl-Exporteur und die stärkste Volkswirtschaft in der Region, macht Dampf. So hat König Abdullah bekräftigt, dass sein Land in den nächsten fünf Jahren 400 Milliarden Dollar in Infrastrukturprojekte stecken wird. Kern dieses Plans ist die Schaffung von sechs Wirtschaftszentren, die in der Wüste entstehen sollen. Die spektakulärste Stadt ist die „King Abdullah Economic City“, ein 30-Milliarden-Dollar-Vorhaben für mehr als zwei Millionen Einwohner. Die Metropole am Roten Meer soll über einen Hafen, einen Finanzbezirk, Petrochemie- und Pharma-Komplexe sowie über Einkaufsmeilen verfügen.

Wirtschaftsexperten geben Saudi-Arabien mit die besten Chancen, die Schocks der Finanzkrise auszuhalten. „Das Königreich betreibt in Zeiten des globalen Abschwungs eine kluge antizyklische Wirtschaftspolitik: Öffentliche Gelder fließen in die Anlage von Brücken und Fabriken, niedrige Zinsen reizen zum Konsum“, sagt Marios Maratheftis, Chef-Ökonom der britischen Bank Standard Chartered in Dubai.

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