Griechenland
Deutsche Bank schlägt „Geuro“ als Zweitwährung vor

Der Vorschlag des Deutsche Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer hat es in sich: Griechenland soll eine Parallelwährung zum Euro aufbauen. Damit könnten die Griechen im Euro bleiben und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
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BerlinGriechenland kann nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer notfalls mit einem finanzpolitischen Kniff einen Austritt aus dem Euro umgehen. Dies könne mit der Ausgabe von Schuldscheinen gelingen, sagte der Ökonom am Montag auf einer Konferenz des Springer-Konzerns in Berlin. "Ich glaube, ein solcher Parallelkreislauf zum Euro ist die wahrscheinlichste Entwicklung." Er würde es beispielsweise Exportunternehmen erlauben, die Löhne zu senken: "Damit kommen sie wieder ins Geschäft." Mit dieser Parallelwährung, kurzerhand "Geuro" genannt, könne der klamme Staat dann auch zumindest seinen Verpflichtungen nachkommen.

Voraussetzung sei aber, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) und die anderen Euro-Länder Hellas weiter unterstützten - wenn auch in geringerem Umfang. Denkbar sei etwa, dass nur noch Gelder überwiesen würden, die für den Schuldendienst Griechenlands benötigt würden.

Mayer, der sein Szenario den "Weg des geringsten Widerstandes" nennt, hält es in diesem Fall für möglich, dass weitere Finanzhilfen für die Regierung in Athen gestoppt würden. Allerdings wäre es nötig, dass die angeschlagenen griechischen Geldinstitute in einer europäischen "Bad Bank" aufgefangen würden. Sie könnten sich in diesem Planspiel über Forderungen an den europäischen Rettungsschirm EFSF rekapitalisieren. Ein wichtiger Nebeneffekt: Die Einlagen der dann de facto unter EU-Kuratel stehenden Banken könnten garantiert werden. Mit diesem Manöver dürfte es nach Ansicht des Volkswirts gelingen, dass viele verschreckte Kontobesitzer neues Vertrauen fassen und ihr zuvor aus Furcht vor dem Euro-Austritt abgehobenes Erspartes wieder zur Bank tragen.

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2011

in Mrd. Euro


Die Schaffung einer solchen Bad Bank "kostet natürlich", sagte Mayer. "Das ist dann aber die korrekte Bilanzierung." Durch die europäischen Rettungsmechanismen und das Eingreifen der Zentralbanken werde die wahre Bilanzierung derzeit verschleiert. Mayer verwies darauf, dass derzeit vier griechische Banken komplett am Tropf der Notenbank in Athen hängen: "Über diese Nothilfen können sie Geld abholen, obwohl ihnen der Markt nicht mehr traut."

Mit der Ausgabe von Schuldscheinen könnte die Regierung in Athen laut Mayer gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits würde der Euro-Austritt vermieden, andererseits wäre de facto eine Anpassung des Wechselkurses möglich. "Anfangs dürfte es zu einer massiven Abwertung kommen", so Mayer. Die Regierung habe es dann aber in der Hand, das Land mit Strukturreformen zu stabilisieren und damit die Tür für eine vollständige Rückkehr zum Euro offenzuhalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: Deutsche Bank schlägt „Geuro“ als Zweitwährung vor"

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  • Ob "Geuro" oder erneut die Drachme als Zweitwährung, parallel zum Euro als europäische Gemeinschaftswährung, worauf es ankommt ist die Souveränität bei der Geldschöpfung! Heute liegt dieses Hoheitsrecht bei den privaten Banken ("Fiat-Geld"-System). Die Geldschöpfung gehört in die Verantwortung und zum Nutzen der Staaten, bzw. der Bevölkerung!
    Siehe unter monetative.de und Ob "Geuro" oder erneut die Drachme als Zweitwährung, parallel zum Euro als europäische Gemeinschaftswährung, worauf es ankommt ist die Souveränität bei der Geldschöpfung! Heute liegt dieses Hoheitsrecht bei den privaten Banken ("Fiat-Geld"-System). Die Geldschöpfung gehört in die Verantwortung und zum Nutzen der Staaten, bzw. der Bevölkerung!
    Siehe unter monetative.de und positivemoney.org.uk

  • Bofinger war bei seinem letzten Interview ich glaube im DLF auch für Eurobond und damit für die Vergemeinschaftung von Schulden, wohlwissend dass diese Eurobonds durch das Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt wurden.

  • Hallo Handelsblatt,

    "Griechenland kann nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer notfalls mit einem finanzpolitischen Kniff einen Austritt aus dem Euro umgehen. Dies könne mit der Ausgabe von Schuldscheinen gelingen"

    Fragen über Fragen: 1) reicht nicht der Schuldenberg des Landes, müssen noch langfristige Schuldscheine dazu kommen?
    2) Ist nicht die deutsche bank diejenige u.A. die Geld von EZB für 1,5% bekommen hat und für 12 % an Griechenland verlieheh hat ?
    3)Werden inzwischen, was schon bereits per Blaupause geschehen, die Interessen einer Bank nicht nur mit den Interessen der BRD sondern auch der EU gleichgesetzt ?

    Es ist wohltuend zu wissen dass auch seriöse Ökonomen gibt wie z.B. Prof. Peter Boffinger die einiges auch anderes analysieren und betrachten als jemand der schlichtweg auf denn Payroll einer Bank sitzt und eben die Interessen der Bank vertritt !

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