Griechenland

Deutsche Bank schlägt „Geuro“ vor

Der Vorschlag des Deutsche Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer hat es in sich: Griechenland soll eine Parallelwährung zum Euro aufbauen. Damit könnten die Griechen im Euro bleiben und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Update: 22.05.2012 - 06:24 Uhr 37 Kommentare

"Geuro" für Griechenland

BerlinGriechenland kann nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer notfalls mit einem finanzpolitischen Kniff einen Austritt aus dem Euro umgehen. Dies könne mit der Ausgabe von Schuldscheinen gelingen, sagte der Ökonom am Montag auf einer Konferenz des Springer-Konzerns in Berlin. "Ich glaube, ein solcher Parallelkreislauf zum Euro ist die wahrscheinlichste Entwicklung." Er würde es beispielsweise Exportunternehmen erlauben, die Löhne zu senken: "Damit kommen sie wieder ins Geschäft." Mit dieser Parallelwährung, kurzerhand "Geuro" genannt, könne der klamme Staat dann auch zumindest seinen Verpflichtungen nachkommen.

Voraussetzung sei aber, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) und die anderen Euro-Länder Hellas weiter unterstützten - wenn auch in geringerem Umfang. Denkbar sei etwa, dass nur noch Gelder überwiesen würden, die für den Schuldendienst Griechenlands benötigt würden.

Mayer, der sein Szenario den "Weg des geringsten Widerstandes" nennt, hält es in diesem Fall für möglich, dass weitere Finanzhilfen für die Regierung in Athen gestoppt würden. Allerdings wäre es nötig, dass die angeschlagenen griechischen Geldinstitute in einer europäischen "Bad Bank" aufgefangen würden. Sie könnten sich in diesem Planspiel über Forderungen an den europäischen Rettungsschirm EFSF rekapitalisieren. Ein wichtiger Nebeneffekt: Die Einlagen der dann de facto unter EU-Kuratel stehenden Banken könnten garantiert werden. Mit diesem Manöver dürfte es nach Ansicht des Volkswirts gelingen, dass viele verschreckte Kontobesitzer neues Vertrauen fassen und ihr zuvor aus Furcht vor dem Euro-Austritt abgehobenes Erspartes wieder zur Bank tragen.

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2011

in Mrd. Euro


Die Schaffung einer solchen Bad Bank "kostet natürlich", sagte Mayer. "Das ist dann aber die korrekte Bilanzierung." Durch die europäischen Rettungsmechanismen und das Eingreifen der Zentralbanken werde die wahre Bilanzierung derzeit verschleiert. Mayer verwies darauf, dass derzeit vier griechische Banken komplett am Tropf der Notenbank in Athen hängen: "Über diese Nothilfen können sie Geld abholen, obwohl ihnen der Markt nicht mehr traut."

Mit der Ausgabe von Schuldscheinen könnte die Regierung in Athen laut Mayer gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits würde der Euro-Austritt vermieden, andererseits wäre de facto eine Anpassung des Wechselkurses möglich. "Anfangs dürfte es zu einer massiven Abwertung kommen", so Mayer. Die Regierung habe es dann aber in der Hand, das Land mit Strukturreformen zu stabilisieren und damit die Tür für eine vollständige Rückkehr zum Euro offenzuhalten.

Einsamer Kampf gegen Eurobonds

  • rtr
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37 Kommentare zu "Griechenland: Deutsche Bank schlägt „Geuro“ als Zweitwährung vor"

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  • Ob "Geuro" oder erneut die Drachme als Zweitwährung, parallel zum Euro als europäische Gemeinschaftswährung, worauf es ankommt ist die Souveränität bei der Geldschöpfung! Heute liegt dieses Hoheitsrecht bei den privaten Banken ("Fiat-Geld"-System). Die Geldschöpfung gehört in die Verantwortung und zum Nutzen der Staaten, bzw. der Bevölkerung!
    Siehe unter monetative.de und Ob "Geuro" oder erneut die Drachme als Zweitwährung, parallel zum Euro als europäische Gemeinschaftswährung, worauf es ankommt ist die Souveränität bei der Geldschöpfung! Heute liegt dieses Hoheitsrecht bei den privaten Banken ("Fiat-Geld"-System). Die Geldschöpfung gehört in die Verantwortung und zum Nutzen der Staaten, bzw. der Bevölkerung!
    Siehe unter monetative.de und positivemoney.org.uk

  • Bofinger war bei seinem letzten Interview ich glaube im DLF auch für Eurobond und damit für die Vergemeinschaftung von Schulden, wohlwissend dass diese Eurobonds durch das Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt wurden.

  • Hallo Handelsblatt,

    "Griechenland kann nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer notfalls mit einem finanzpolitischen Kniff einen Austritt aus dem Euro umgehen. Dies könne mit der Ausgabe von Schuldscheinen gelingen"

    Fragen über Fragen: 1) reicht nicht der Schuldenberg des Landes, müssen noch langfristige Schuldscheine dazu kommen?
    2) Ist nicht die deutsche bank diejenige u.A. die Geld von EZB für 1,5% bekommen hat und für 12 % an Griechenland verlieheh hat ?
    3)Werden inzwischen, was schon bereits per Blaupause geschehen, die Interessen einer Bank nicht nur mit den Interessen der BRD sondern auch der EU gleichgesetzt ?

    Es ist wohltuend zu wissen dass auch seriöse Ökonomen gibt wie z.B. Prof. Peter Boffinger die einiges auch anderes analysieren und betrachten als jemand der schlichtweg auf denn Payroll einer Bank sitzt und eben die Interessen der Bank vertritt !

  • @mondahu,
    prima importe werden teurer die eigenen Wirtschaftsgüter werden dann vorrangig gekauft macht natürlich Sinn, ich suche schon lange nach griechischen Fernsehern, Autos, Kühlschränke, Waschmaschinen...ect., und ich freue mich natürlich auch wenn ich mir letzten Monat von meinem ersparten Geld ein Auto gekauft habe, dass jetzt der Staat mein abgehobenes Geld zu 50% versteuern möchte weil ich es ja nich mehr zur Bank zurückbringen kann.
    Alles Super Ideen von Ihnen. Wenn Griechenland die Importgüter aufgrund der hohen Preise nicht mehr bezahlen kann warum sollen sie dann überhaupt in der EU verbleiben?

  • Ja, in der Tat.

    Griechenland ist pleite und nicht erst seit gestern.
    Und Alle wissen sie es, und keiner möchte den Konkursantrag stellen.

  • "Griechenland steckt in einem Teufelskreis von Insolvenz, verlorener Konkurrenzfähigkeit, Leistungsbilanzdefiziten und einer sich stetig verschlimmernden Depression.

    Der einzige Ausweg besteht in einer Insolvenz Griechenlands und dem Ausstieg aus dem Euro. Sie beschränken die Kollateralschäden für das Land und die Euro-Zone auf ein Minimum." schreibt Nouriel Roubini in einem Kommentar in der FTD.

    Der Mann trifft den Nagel zu 100% auf den Kopf.

    http://www.ftd.de/politik/europa/:nouriel-roubini-griechenland-raus-aus-der-euro-zone/70039718.html

  • Kann man hier auch kühl und sachlich diskutieren?
    Ebenso wie @willi.broell vertritt auch mondahu seit langem die These der Doppelwährung. Ganz einfach aus persönlichen Erfahrungen (geschäftlich) vom Balkan, der Türkei und Mittelamerika.
    Sobald GR eine eigene nationale Währung mit zu Beginn dem Verhältnis 1:1 zum € einführt, ist eine glatte Umstellung möglich. Alle Inlandsguthaben und -schulden, gleich ob staatlich, geschäftlich oder privat werden in die neue Währung umgerubelt, die künftig im Inlandsverkehr gilt. Diese Umstellung ist völlig bilanzneutral, rettet daher die Banken bezüglich ihrer inländischen Bilanz ebenso wie Gewerbe und Verbraucher. Nicht einmal die Preisauszeichnung im Kaufhaus muß geändert werden.
    Natürlich wird diese Inlandswährung (nennen wir sie EULE nach dem Wappenvogel Athens) abwerten. Das ist ja sogar der Zweck der Übung und beabsichtigt. Die Folge ist ein Wettbewerbsvorteil im Export und im Tourismus, selbst die Verteuerung des Imports ist ein positiver Effekt, da damit der importierte Konsumrausch gekappt wird (Gestern hätte mich ein griechisch zugelassener Hummer um ein Haar plattgewalzt wenn ich nicht einen Riesensatz gemacht hätte, übrigens kein Einzelfall). Selbst wenn der Wert der EULE um 50% sinkt, wäre das keine Katastrophe. Benzin würde eventuell um 30 €cts teurer (wie in D ist die Steuerbelastung enorm und fix), das ist verkraftbar. Die Griechen sind ja keineswegs arm, nur der griechische Staat ist am Ende. Er würde Luft bekommen, wenn er in EULE bezahlen könnte.
    Und was die Kapitalflucht anbelangt, die in vollem Gange ist, so ist es ein leichtes, die Kontostände vom 31.12.2011 als relevant zu erklären und alles Geld, das nicht binnen zwei Monaten zurückkommt, mit 50 % zu besteuern. Basta.
    Man muß nur wollen. Das müssen jedoch die Griechen selber tun. Man kann sie dazu animieren, indem man den Geldhahn zudreht.

  • und bei der Gelegenheit sollte man den Euro acu gleich umbenennen: in TEURO. Denn er wird uns noch viele Milliarden kosten.

  • Gabs in der DDR auch und nannte sich "Forumscheck". War ein totales Erfolgsmodell. Die Geschichte der DDR ist eine Erfolgsgeschichte seitdem.

  • @DoktorDip
    Falsch gesprungen. Der Plan impliziert ja, daß für die Parallelwährung ein frei beweglicher Marktwert entsteht, der natürlich unter dem Euro liegt. Schauen Sie in die Tèrkei, wie das bestens funktioniert. Auch Kroatien ist ein Beispiel (bis zum EU-Beitritt).

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