Griechenland
EZB warnt Athen vor harten letzten Meilen

Der Chef der griechischen Zentralbank Provopoulos glaubt, sein Land sei endlich über den Berg. Doch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sieht das ganz anders.
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BerlinDie kriselnde griechische Wirtschaft ist dem Chef der griechischen Zentralbank zufolge über den Berg. "Ich glaube, das Schlimmste ist vorüber. Wir können optimistischer sein", sagte Giorgos Provopoulos am Dienstag in einem Video-Interview der "Financial Times". Obwohl für dieses Jahr ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von bis zu 4,5 Prozent erwartet werde, habe das Land psychologisch die Wende geschafft.

Alle Vorgaben des Hilfsprogramms seien vom Gesetzgeber erfüllt worden und die Regierung setze alle Punkte immer schneller um, sagte Provopoulos. Das Land steht seit geraumer Zeit am Rande einer Staatspleite. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds haben eine Sparpolitik zur Bedingung für dringend benötigte weitere Finanzhilfen gemacht.

Doch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sieht das ganz anders und hat sich skeptisch zur Finanzlage in Griechenlands geäußert. Die Lage sei weiterhin ernst: "In Griechenland ist die Situation so, dass sie schon zwei Drittel des Marathons gelaufen sind", sagte Asmussen. "Aber jeder weiß, dass dann bei einem Marathon das schwerste Stück noch vor einem liegt." Das Land habe seit Ausbruch der Krise mehr als 20 Prozent seines BIP verloren. "So etwas haben wir in Europa zuletzt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in einigen Transformationsländern gesehen."

Auch Spanien gegenüber ist EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen skeptisch: "In Spanien haben sich die Finanzen der Regionen, die für das Gesundheitssystem zuständig sind, zwar schon ein Stück weit verbessert, sie sind aber immer noch ein großes Problem", sagte Asmussen der "Süddeutschen Zeitung" am Mittwoch laut Vorabbericht. "Da ist eine große Reform im Gesundheitsbereich nötig, doch so was ist sogar noch schwieriger umzusetzen als eine Rentenreform".

Lob findet Asmussen für Portugal: "Portugal hat vieles richtig gemacht", sagte der EZB-Direktor, "aber die Wirtschaft schrumpft weiter und das erschwert auch die Gesundung der Staatsfinanzen." Portugals Entwicklung sei außerdem eng mit der Gesundung des Nachbarn Spanien verknüpft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ist die Staatskasse halb voll oder halb leer? Vielleicht kann die Kanzlerin darüber nähere Auskunft geben. Oder vielleicht doch erst nach der nächsten Bundetagswahl. Übrigens ist der Ausdruck "Das Glas ist halb voll" (so Samaras in Berlin) in Griechenland so gut wie nicht bekannt und nicht gebräuchlich. Ein Schelm wer Schlechtes dabei denkt. Kaum zu glauben, dass man Samaras geraten hat diesen Ausdruck zu verwenden, um Zuversicht über die wirtschaftlich Lage Griechenlands zu streuen.

  • Bevor es in den Untergang geht.

  • @lilly: Wissen Sie, ich bin mir seit einiger Zeit nicht wirklich sicher, wer hier der wirkliche Sünder ist. Klar ist GR für seine Misere überwiegend selbst verantwortlich aber allein an den von Ihnen aufgezählten Dingen lese ich ab, dass sich alles nur um diese Einzelfälle handelt. Aber auch das ist irrelevant wenn man die Frage stellen würde - Frau Lilly, für Ihren Job bekommen Sie ab sofort 7.000 Euro im Monat, sagen Sie bitte nein, wenn Sie ein sozialverständliches Problem damit haben. Vielmehr sollten wir uns die Frage stellen, ob wir nicht die "Schafe" sind. Klar, wir haben Erfolg und bei uns läuft vieles besser als in GR oder S usw....aber für jeden einzelnen für uns? Fassen wir mal zusammen. Wir müssen arbeiten bis 67 wobei ein Großteil von uns niemals bis zu diesem Alter Arbeit haben wird. Wir arbeiten 7 Monate im Jahr für den Staat zahlen uns dumm und dämlich damit wir dann dennoch privat Vorsorgen müssen. Jeder Furz kostet Geld und wenn wir 10 Euro vom Staat bekommen werden uns anderswo 20 Euro weggenommen. Geht es der Wirtschaft schlecht gibt es nicht mehr Geld, weil keines da ist, geht es ihr gut bekommen wir dennoch nicht wirklich was, weil ja dann wieder für schlechte Zeiten gespart wird. Wir lassen uns von Jubelnachrichten in die Irre führen, wie gut es uns geht - weniger als 3 Mio. Arbeitslose - aber die Wirklichkeit auch bei uns sieht anders aus. Und statt uns darüber einen Kopf zu machen, dass wir sehenden Auges und wissentlich (wir wählen ja schließlich den Schmodder) geraten wir immer tiefer in die Sch....e. Darüber sollte man sich mehr Sorgen machen, als über das, was das kleine GR oder P tun oder getan haben. Diese übrigens, haben ein System ausgenutzt, dass ihnen praktisch Geld ohne Kontrolle überlassen hat. Ich lege meine Hand ins Feuer, dass es hier nicht anders gelaufen wäre und überall in der Welt.

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