Griechenland: IWF und EU lassen Krisenstaat mehr Zeit

Griechenland
IWF und EU lassen Krisenstaat mehr Zeit

Griechenlands Schuldenkrise hat den Euro-Rettungsschirm erst nötig gemacht - deshalb wird das Land von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter äußerst aufmerksam beäugt. Offenbar fürchtet man dort aber keine dramatische Verschlechterung der Lage, denn Athen darf den obligatorischen Stresstest seiner Banken verschieben.
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ATHEN. Wie die griechische Zentralbank gestern mitteilte, soll die ursprünglich für Ende September geplante Überprüfung nun "im späteren Jahresverlauf" stattfinden. Erst im Juli hatten sechs griechische Banken am europäischen Stresstest teilgenommen. Deshalb sei man dem Vorschlag von IWF, EU und Europäischer Zentralbank gefolgt, den neuerlichen Test zu verschieben, teilte die griechische Notenbank mit. Denn eine weitere Prüfung so kurz nach dem EU-Stresstest würde voraussichtlich keine neuen Gesichtspunkte ergeben.

IWF und EU, die das hochverschuldete Land mit Hilfskrediten von 110 Mrd. Euro stützen, haben zur Auflage gemacht, dass Griechenlands Banken alle drei Monate Stresstests unterzogen werden. Dank der Verschiebung können nun sowohl die Ergebnisse des dritten Quartals als auch die Auswirkungen der anstehenden Kapitalerhöhung der National Bank of Greece (NBG) berücksichtigt werden. Griechenlands größtes Kreditinstitut will im Oktober neue Aktien für 1,7 Mrd. Euro ausgeben.

Beim EU-Stresstest im Juli war die staatliche Landwirtschaftsbank ATE durchgefallen. Sie kam nur auf eine Kernkapitalquote von 4,36 Prozent. Die Piraeusbank bestand mit einer Quote von sechs Prozent die Prüfung nur knapp. Bei der kommenden Untersuchung sollen die besonderen Gegebenheiten der einzelnen Institute, wie die Chancen und Risiken ihres Auslandsengagements sowie ihre Anleihebestände, nun detaillierter geprüft werden.

Finanzbranche in Bewegung

Die Ergebnisse werden aber nur eine Momentaufnahme darstellen, denn die griechische Bankenlandschaft ist in Bewegung. Seit Juli liegt ein Übernahmeangebot der Piraeusbank für die ATE und die ebenfalls staatlich kontrollierte Hellenic Postbank auf dem Tisch. Mit der Kapitalerhöhung füllt Branchenführer NBG seine Kasse für mögliche Übernahmen. Hinter den Kulissen herrscht große Aktivität: "Jeder redet mit jedem", sagt ein Athener Banker. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass von den vier großen Instituten nur zwei übrig bleiben werden.

Für Konsolidierungsdruck sorgen vor allem wachsende Risiken im Kreditgeschäft sowie die prekäre Liquiditätslage der griechischen Banken: Sie bekommen wegen der staatlichen Schuldenkrise und schlechter Bonität so gut wie kein Geld mehr am Interbankenmarkt, sondern sind bei der Liquiditätsbeschaffung ganz auf die EZB angewiesen, bei der sie mit fast 100 Mrd. Euro in der Kreide stehen.

In diesem Umfeld wagt sich die staatliche Schuldenagentur PDMA heute erneut an den Kapitalmarkt. Sie bietet den Investoren Zinspapiere im Wert von 300 Mio. Euro an, die in 13 Wochen fällig werden. Vor einer Woche platzierte Geldmarktpapiere im Volumen von 1,17 Mrd. Euro und mit einem Zinssatz von 4,82 Prozent waren mehr als vier Mal überzeichnet.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

Kommentare zu " Griechenland: IWF und EU lassen Krisenstaat mehr Zeit"

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  • Griechenland wird mit 110Mrd von der EU und dem iWF gestützt.
    Allein für die Zombibank HRE hat Deutschland Garantien von 142Mrd Euro gegeben.
    Wo ist da die Verhältnismäßigkeit?

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