Griechische Staatsanleihen
Ökonomen fordern klare Haltung der EZB

Europäische Geldpolitik-Experten drängen die Europäische Zentralbank, klarzumachen, dass sie griechische Staatsanleihen unabhängig vom Urteil privater Ratingagenturen immer als Sicherheiten zur Bankrefinanzierung akzeptieren wird.
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FRANKFURT. Die EZB hat erst vor kurzem die ab nächstem Jahr geltenden Ratinganforderungen gelockert, um sicherzustellen, dass sie griechische Staatsanleihen weiter beleihen kann. Inzwischen hat jedoch die Ratingagentur Standard & Poor?s griechische Anleihen so drastisch heruntergestuft, dass auch die gelockerten Regeln bald wieder zu streng sein könnten.

"Es ist unvorstellbar, ein Land zu haben, dessen Zentralbank sich weigert, die Anleihen der eigenen Regierung zu beleihen", sagte Jacques Cailloux, Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland, auf der letzten Sitzung des EZB-Schattenrats. Dem 2002 auf Initiative des Handelsblatts gegründeten Gremium gehören 15 renommierte europäische Volkswirte an, davon derzeit neun aus Finanzinstituten und sechs aus Hochschulen und anderen Institutionen.

Fast alle Mitglieder des Gremiums teilen die Meinung von Cailloux. Darüber hinaus finden die Experten, die EZB solle bereitstehen, im Notfall europäische Staatsanleihen am Markt aufzukaufen. Während darüber im Prinzip weitgehend Einigkeit herrschte, gingen die Meinungen doch sehr weit auseinander, was einen entsprechenden Notfall darstellen würde. Für einige wäre dies schon bei schweren Marktturbulenzen gegeben, bei anderen erst, wenn die Währungsunion akut auseinanderzubrechen droht.

Nach Ansicht von Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Barclays Capital, könnte der Ernstfall, bei dem die EZB eingreifen müsste, schon sehr bald eintreten, etwa wenn der Bundestag gegen die Hilfen für Griechenland stimmen sollte. Der Maastricht-Vertrag verbietet der EZB den Kauf von Staatsanleihen direkt bei den Emittenten, nicht jedoch Käufe am Kapitalmarkt. Mit seinem Aufkaufprogramm für Pfandbriefe habe sich die EZB ohnehin schon in diese Richtung bewegt, argumentierten einige der Experten.

Elga Bartsch, die Europa-Chefvolkswirtin von Morgan Stanley, schlug darüber hinaus vor: "Die Politik sollte Druck auf die Banken ausüben, nicht gegen diejenigen zu spekulieren, die sie indirekt schon wieder retten."

Eine Streckung der Schuldenrückzahlung durch Griechenland oder einen erzwungenen Forderungsverzicht der Gläubiger halten fast alle Experten im Schattenrat für zu gefährlich. Sie befürchten, dass sich die Krise dann schnell auf andere Länder mit labilen Staatsfinanzen ausweiten würde. Nur der Ökonomieprofessor Charles Wyplosz aus Genf ist der Ansicht, dass eine Insolvenz mit Umschuldung nach etabliertem Verfahren unter Beteiligung des IWF die bessere Lösung wäre.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Griechische Staatsanleihen: Ökonomen fordern klare Haltung der EZB"

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  • Leider kommt von den EXPERTEN keine klare Haltung, sondern es sind verschiedene Einschätzungen, Meinungen und Ratschläge. Wie soll da EiN EXPERTE
    klare Haltung zeigen können?

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