Größtes Wachstum seit zehn Jahren
US-Konjunktur startet nach langer „Reha“ durch

Die Daten sehen gut aus: Die US-Verbraucher kaufen, denn die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Nach einer langen Zeit des Strauchelns nach der Finanzkrise 2008 hebt die US-Konjunktur zu einem rekordverdächtigen Höhenflug an.
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Die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten ist im dritten Quartal so schnell gestiegen wie seit über zehn Jahren nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt nahm in den drei Monaten von Juli bis September, aufs Jahr hochgerechnet, um 5 Prozent zu, wie das Handelsministerium in Washington am Dienstag mitteilte. Damit wurde die Erstschätzung von 3,9 Prozent deutlich übertroffen. Eine solche Wachstumsdynamik hatte die amerikanische Volkswirtschaft zuletzt im dritten Quartal 2003 gezeigt. 75 von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Mittel ein Plus von 4,3 Prozent erwartet.

Die Kauflaune der Amerikaner ist wegen der sinkenden Benzinpreise und der steigenden Beschäftigung so gut wie seit fast acht Jahren nicht mehr. Das Barometer für die Verbraucherstimmung kletterte im Dezember um 4,8 auf 93,6 Punkte, wie Thomson Reuters und die Universität von Michigan am Dienstag nach endgültigen Berechnungen zu einer von ihnen durchgeführten Umfrage mitteilten. „Die Verbraucher beurteilen die langfristigen Aussichten für die heimische Wirtschaft so gut wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr“, sagte Umfragechef Richard Curtin.

Die Verbraucherausgaben werden angesichts höherer Beschäftigungsstände und niedrigerer Treibstoffpreise wohl auch im neuen Jahr weiter ansteigen. Die wachsende Zuversicht der Privathaushalte sowie ihre zunehmende Kaufkraft gehören zu den Gründen, aus denen die US-Notenbank im kommenden Jahr wohl die Zinsen anheben wird. Andere BIP-Faktoren, wie die Lagerbestände und die öffentlichen Ausgaben, werden die im letzten Quartal feststellbare Stärke wohl nicht beibehalten. Zum Jahresende hin wird sich das Wachstumstempo voraussichtlich verlangsamen.

„Nach fünf Jahren schwachen Wachstums wird die Wirtschaft endlich aus der Reha entlassen“, schrieb Ethan Harris, Co- Leiter Weltwirtschaftsanalyse bei der Bank of America in New York, in einer Studie vor der Veröffentlichung der Daten. „Stellen Sie sich darauf ein, dass die Fed ihre Geldpolitik nur behutsam und in bescheidenem Ausmaß straffen wird.“

Ein weiterer Datensatz vom Dienstag deutet darauf hin, dass vergleichbare Zuwachsraten in naher Zukunft nicht zu erwarten sind. Die Bestellungen für langlebige Güter gingen im November unerwartet zurück, wie das Handelsministerium mitteilte. Die Nachfrage nach Rechnern, Metallen und Elektrogeräten stagnierte im vergangenen Monat bzw. ging vor dem Hintergrund einer sich abkühlenden Weltkonjunktur sogar zurück.

Zum BIP-Anstieg trug ein schrumpfendes Handelsbilanzdefizit rund 0,8 Prozent bei, wie die Daten vom Dienstag zeigten. Auch das dürfte sich zum Jahreswechsel nicht wiederholen, unter anderem, weil die steigenden Verbraucherausgaben die Einfuhren in die Höhe treiben.

Agentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Größtes Wachstum seit zehn Jahren: US-Konjunktur startet nach langer „Reha“ durch"

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  • Was ist denn die Basis dieser Konjunktur? Welche amerikanische Produkte verkaufen sich denn so gut? Unter den 10 größten Waffenexporteuren der Welt waren mehr als die Hälfte aus USA. Sind also nur Waffen und bunte Revolutionen die Exportschlager der USA, oder gibt es noch etwas anderes? Google und Apple können es nicht sein, die behalten ihre Kohle und zahlen keine Steuer.

  • Genau, mit Euros Ami-Aktien kaufen ca. 10% bis jetzt geschnappt plus Kursgewinn.. Draghi und der Euro sind die Größten.

  • "Wen stört es, wenn Land xyz mit dem 10fachen seines BIP verschuldet ist?"

    Nun mir fallen schon mal 3 mögliche Gründe ein, die dieses Pyramidenspiel beenden und das dim errichtetet Kartenhaus mit der Gravitation bekannt machen könnten:

    a) dass die in den Anleihen geparkten Ersparnisse, zunehmend konsumwirksam benötigt werden und somit ein zunehmendes Überangebot an Geld eine stagnierendes Angebot nachfragewirksam gegenübersteht (-> Japan in einigen Jahren)

    b) dass die Verzerrung der Marktkräfte zu einer Förderung des bestehenden und einer Unterdrückung von kreativer Zerstörung und Neuem und damit zu einer zunehmenden Zombiewirtschaft (->Japan) führt, die gegenüber von Volkswirtschaften die wettbewerblicher aufgestellt sind (China?) ins Hintertreffen gerät. Zum Billiglohnland und Absatzmarkt ausländischer Mächte zu werden, finden anspruchsvollere Zeitgenossen eine wenig spannende Perspektive und dürfte auch zu sozialen Verwerfungen führen.

    c) die Menschen die noch hart real arbeiten und nicht vom leistungslosen Wallstreet-Umverteilungswohlstand profitieren fragen werden, warum nur die Wallstreet-Bonzen davon profitieren sollten. Wenn es kein Problem ist, ob ein Staat mit dem 10, 100 oder 1000-fachen seines BIP verschuldet ist, warum dann arbeiten? Soll Helicopter-Ben doch endlich das Geld wie versprochen abwerfen, so dass alle was davon haben.

    Naja wegen Einstein glaube ich, dass a) oder b) eher eintreten...

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