Groß- und Außenhandel
Exportverband optimistisch und betrübt zugleich

Die deutsche Wirtschaft ist im Aufwind. Die Binnennachfrage zieht an und auch der Exportmotor brummt. Der Groß- und Außenhandel verzeichnete im ersten Halbjahr 2006 ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum. Doch der Branchenverband BGA warnt vor zu viel Euphorie.

HB BERLIN. Der Groß- und Außenhandel hat im ersten Halbjahr 2006 ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum verzeichnet. Preisbereinigt sei ein Zuwachs von 4,6 Prozent erzielt worden, sagte der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner, am Dienstag in Berlin. Insgesamt werde für 2006 eine Steigerung von 3,6 Prozent erwartet. Börner begründete die positive Entwicklung mit der ansteigenden Binnennachfrage. Im vergangenen Jahr lag der Umsatzzuwachs bei 2,2 Prozent.

Nach langer Zeit seien erstmals auch die Beschäftigtenzahlen wieder gestiegen, sagte der BGA-Präsident. In den ersten sechs Monaten 2006 seien 3600 neue Stellen im Großhandel geschaffen worden. 2400 davon seien sozialversicherungspflichtig. 65 Prozent der Unternehmen wollten Auszubildende einstellen. Dies entspreche 79 000 Ausbildungsplätzen, wenn jedes Unternehmen nur einen Auszubildenden einstelle. „Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Ausbildungsplätze um 1,6 Prozent gestiegen.“

Nach gestern veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist die deutsche Wirtschaft im Frühjahr kräftig gewachsen. Das Amt meldete eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Zugleich korrigierten die Statistiker die BIP-Zahlen für die ersten drei Monate 2006 deutlich von 0,4 auf 0,7 Prozent nach oben. Die Wachstumsimpulse kamen von April bis Juni „hauptsächlich aus dem Inland“, hieß es. Im Gesamtjahr soll die deutsche Wirtschaft nach bisherigen Schätzungen mit 2,0 Prozent so stark zulegen wie seit Jahren nicht mehr.

Der BGA rechnet 2006 insgesamt mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 Prozent. Im März war der Verband noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent ausgegangen, hatte eine Revision nach oben aber bereits in den vergangenen Monaten angedeutet. Ein Wachstum von 1,8 Prozent im laufenden Jahr sei „ein Aufschwung auf niedrigem Niveau“, sagte Börner. Er geht davon aus, dass dieser bereits 2007 wieder enden wird: „Wir erwarten nur noch einen BIP-Zuwachs von maximal 1,2 Prozent.“

Deutlich schlechteres Exportwachstum 2007

Für das kommende Jahr geht der BGA zudem von einer deutlichen Abschwächung des Exportwachstums aus. Für 2007 rechne er mit einem Plus von deutlich unter 10 Prozent, sagte Börner. Im laufenden Jahr dürfte das Exportwachstum „deutlich 10 Prozent“ erreichen. Er begründete die gedämpfteren Aussichten mit einer sich abkühlenden Weltkonjunktur: Die Wirtschaft werde weltweit „mit restriktiveren Rahmenbedingungen zurechtkommen müssen“.

So erwartet Börner noch im laufenden Jahr eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) und dann weitere Zinsschritte im kommenden Jahr. Er geht davon aus, dass das Zinsniveau Ende 2007 um 1 Prozent höher liegen wird als gegenwärtig. Derzeit liegt der Refinanzierungssatz der EZB bei 3 Prozent.

Beim Ölpreis rechnet Börner zwar mit einer „kurzfristigen Reaktion nach unten“. Im kommenden Jahr werde der Ölpreis jedoch auf einem hohen Niveau liegen - „mit steigender Tendenz, auch mit Blick auf die folgenden Jahre“.

“Die kräftigsten Dämpfer für die deutsche Konjunktur 2007 sind jedoch hausgemacht und kommen von der Finanzpolitik“, sagte der BGA-Präsident. Konjunkturdämpfend werde sich die Mehrwertsteuererhöhung auswirken. Kritik übte Börner auch an der geplanten Unternehmenssteuerreform. „Es ist ökonomisch nicht nachvollziehbar, wenn man in einem Land mit anhaltend niedrigen Wachstumsraten Investitionen verteuert“, sagte Börner mit Blick auf die diskutierte Besteuerung von Kosten wie Zinsen, Mieten und Leasingraten im Zuge der Unternehmenssteuerreform.

Erst zusätzliche Investitionen und Arbeitsplätze könnten dieses Wachstumspotenzial erhöhen. Neben wirtschaftlicher Dynamik seien strukturelle Korrekturen notwendig. „Hier hat die große Koalition erhebliche Aufgaben noch vor sich.“

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