Großbritannien
Britische Industrie schränkt Produktion kräftig ein

Die britische Industrie hat im Schlussquartal 2008 ihre Produktion so stark eingeschränkt wie seit 1974 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte deswegen im Herbst noch stärker zurückgegangen sein als bisher angenommen.

HB LONDON. Die Firmen des Produzierenden Gewerbes fuhren ihren Ausstoß um 4,5 Prozent zurück, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. Allein von November zu Dezember sank die Produktion um 1,7 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr war das Minus mit 9,4 Prozent so groß wie seit 18 Jahren nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte deswegen im Herbst noch stärker zurückgegangen sein als bisher angenommen, schrieben die Statistiker weiter. Auch die deutsche Industrie steckt tief in der Krise. Das Produzierende Gewerbe stellte hier zum Jahresschluss 4,6 Prozent weniger her als im Vormonat, das ist der stärkste Einbruch seit Beginn der Statistik 1991.

Experten hatten nicht mit derart schlechten Zahlen gerechnet. „Das Jahresende war eine grässliche Zeit für das Produzierende Gewerbe“, sagte Societe-Generale-Analyst Brian Hilliard. „Das beste, was wir hoffen können, ist eine Stabilisierung bei der Jahresrate, aber auf einem sehr niedrigen Niveau.“

Besonders stark von der Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen wurde die Industrie, die ihre Produktion seit November um 2,2 Prozent und seit Dezember 2007 um 10,2 Prozent zurückfuhr. Im gesamten Quartal lag das Minus bei 5,1 Prozent und war damit so groß wie seit 1974 nicht mehr. Damals hatte ein Streik im Kohlebergbau die Energie verknappt. Dies zwang die britische Regierung dazu, eine Drei-Tage-Arbeitswoche einzuführen.

Die Rezession fordert zudem immer mehr Opfer unter den britischen Firmen. In England und Wales meldeten im vergangenen Jahr 15.535 Unternehmen Insolvenz an, das sind knapp ein Viertel mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 1994 nicht mehr. „Es wird nur noch schlimmer werden“, sagte Restrukturierungsexperte Scott Pinfield von Alvarez & Marsal. „Mit ganz wenigen Ausnahmen wird kein Sektor den Auswirkungen dieses Abschwungs entkommen.“

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