Gute Aussichten
IWF sieht neuen Bauboom am Golf

Lichtblick für deutsche Bauunternehmen: Auch im kommenden Jahr wird der Nahe Osten verstärkt in Infrastrukturmaßnahmen investieren. Auch Exportunternehmen können sich freuen: Der IWF rechnet mit wachsenden Importen.

DUBAI. Der Nahe Osten steht im kommenden Jahr vor einer neuen Welle von öffentlichen Bauaufträgen. „Die antizyklische Haushaltspolitik auf der Arabischen Halbinsel wird anhalten: Das Geld fließt vor allem in große staatliche Infrastrukturvorhaben“, sagte der Nahost-Chef des IWF, Masood Ahmed, gestern bei der Vorlage seines Konjunkturausblicks in Dubai. Vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate stünden oben auf der Liste. Ausgelöst werde der Investitionsschub durch wachsende Budgetüberschüsse infolge steigender Ölpreise. Für 2010 rechnet der IWF mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 77 Dollar pro Barrel nach 62 Dollar pro Barrel 2009.

Nach den starken Preisausschlägen im vergangenen Jahr kalkulieren die arabischen Öl-Staaten nun wesentlich vorsichtiger. So legt Saudi-Arabien im laufenden Haushalt einen Ölpreis von weniger als 40 Dollar pro Barrel zugrunde, die Emirate gehen von 45 Dollar pro Barrel aus. Je höher der tatsächliche Ölpreis über dieser Messlatte liegt, desto mehr Geld sprudelt in die Staatskasse.

„Die Finanzkrise hat die Öl-Exporteure stark getroffen“, betonte IWF-Direktor Ahmed. „Die Rohstoffpreise gingen in den Keller, die Weltwirtschaft wurde von einer Rezession erfasst, und die Kapitalströme trockneten aus.“ Infolgedessen schrumpfe das Wachstum auf der Arabischen Halbinsel 2009 auf magere 0,7 Prozent. Während jedoch der Ölsektor um 5,2 Prozent eingebrochen sei, habe der Nicht-Öl-Bereich um 3,2 Prozent zugelegt, so Ahmed. Ursache ist das massive „deficit spending“ der Staaten am Persischen Golf, die eine Serie von Investitionen in Kraftwerke, Straßen, Schulen und Krankenhäuser aufgelegt haben. So sind in den Emiraten Projekte über 916 Mrd. Dollar in Planung oder bereits im Bau, Saudi-Arabien kommt auf 578 Mrd. Dollar. „Die Öl-Exporteure haben zwischen 2004 und 2008 rund 1,3 Billionen Dollar an Öl-Einnahmen angehäuft“, heißt es in einem Report des Beratungsunternehmens Deloitte. „Von den Regierungsausgaben profitieren zwangsläufig eine Reihe von Vertragsfirmen und Sub-Unternehmern.“

Die expansive Haushaltspolitik der Golfstaaten führt allerdings kurzfristig zu einem Knick in der Leistungsbilanz. So schätzt der IWF, dass das Plus 2009 insgesamt auf 56 Mrd. Dollar abschmilzt nach 282 Mrd. Dollar 2008. Die Emirate sowie Oman fahren demnach sogar ein leichtes Minus ein. Für 2010 sieht der Fonds allerdings wieder größeren Spielraum. Demnach schwellen die Leistungsbilanzüberschüsse auf 149 Mrd. Dollar an, allein die Öl-Supermacht Saudi-Arabien habe per Saldo 51 Mrd. Dollar in der Kasse. Der anziehende Ölpreis heizt nach Ansicht des IWF auch das Wachstum an. Demnach kommt die arabische Halbinsel 2010 auf ein Plus von 5,2 Prozent. An der Spitze steht Katar mit einem Zuwachs von 18,5 Prozent. Auslöser für den Schub ist der Ausbau der Gasförderung sowie der Kapazitäten für Flüssiggas. Katar ist der größte Flüssiggasexporteur der Welt.

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