Gute Kauflaune
GfK-Konsumklima trotz Krise stabil

Das GfK-Barometer für das Konsumklima verharrt im Moment bei 5,9 Punkten. Allerdings sehen viele Bürger die Konjunktur skeptischer – und sparen weniger. Damit fließt mehr Geld in den privaten Verbrauch.
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BerlinDie deutschen Verbraucher lassen sich von Eurokrise und Konjunkturschwäche die Kauflaune kaum verderben. Das für September berechnete GfK-Konsumklima-Barometer bleibt wie von Experten erwartet stabil bei 5,9 Punkten, wie die Nürnberger Marktforscher der GfK am Dienstag mitteilten. Die Neigung zum Kauf teurer Güter wie Möbel oder Autos war im August trotz zunehmender Furcht vor einer Konjunkturflaute weitgehend intakt. Da die Bürger in Zeiten der Eurokrise nicht mehr so eifrig sparen, wandert mehr Geld in den privaten Verbrauch.

"Das Konsumklima zeigt sich derzeit stabil", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl im Gespräch mit Reuters TV. Dies sei aber "in erster Linie" der rückläufigen Sparneigung zu verdanken, die positiv auf das Konsumklima wirkt. Recht pessimistisch blicken die Verbraucher auch in die nahe Zukunft: Bereits zum dritten Mal in Folge erhielt die Erwartung der deutschen Konsumenten an die Wirtschaftsentwicklung einen deutliche Dämpfer. Das Barometer verlor im August 13,3 Punkte und fiel auf minus 18,9 Zähler. "Die Rezession in einigen Ländern der Eurozone lässt die deutschen Konsumenten zunehmend befürchten, dass sich auch die Bundesrepublik anstecken könnte", sagte Bürkl.

Im August hatte sich bereits das Ifo-Geschäftsklima den vierten Monat in Folge eingetrübt und hatte signalisiert, dass die Unternehmen mit einer Flaute rechnen. Analysten sehen vor allem einen starken Kontrast zu dem Ifo-Geschäftsklima und dem GfK-Konsumklima. "Im Geschäftsklima hat sich vor allem im Einzelhandel die Stimmung deutlich eingetrübt. Die Haushalte spüren die Krise eigentlich nicht", schreibt Stefan Schilbe von der HSBC Trinkaus. "Der Arbeitsmarkt ist robust, die Reallöhne steigen auch. Deshalb sollten vom Konsum positive Impulse ausgehen. Das dürfte aber nicht ausreichen, um sinkende Investitionen und schwächere Exporte zu kompensieren."

Das sieht Andreas Rees von Unicredit ähnlich, kommt aber zu einer anderen Schlussfolgerung. "Der Konsum wird die deutsche Wirtschaft auch in der zweiten Jahreshälfte stützten," bilanziert Rees.

Einkommenserwartungen noch immer auf überaus hohem Niveau

“Die Furcht der deutschen Konsumenten vor einer spürbaren Abschwächung der Konjunktur ist auch im August weiter gestiegen”, erklärte GfK. “Die im Vergleich zu den Vorjahren guten Tarifabschlüsse in Verbindung mit einer sehr stabilen Arbeitsmarktlage sind aber weiter eine wesentliche Stütze der Einkommenserwartung.”

Die wachsende Konjunkturskepsis dürfte laut GfK-Umfrage mit dafür verantwortlich sein, dass auch die Einkommenserwartungen der Konsumenten nachgaben. Das Minus von 4,7 Punkten ist bereits der zweite Rückgang in Folge. Mit 31,6 Zählern weist das Barometer nach Ansicht der Konsumforscher jedoch nach wie vor ein "überaus gutes Niveau" auf. Dies gilt auch für die Anschaffungsneigung. Das Barometer sank gleichwohl nach drei leichten Anstiegen in Folge im August um 2,7 Zähler.

Der stabile Arbeitsmarkt und die vergleichsweise hohen Tarifabschlüsse sind nach Einschätzung der GfK-Forscher eine gute Basis, um größere Anschaffungen zu tätigen. "Hinzu kommt, dass aufgrund der gegenwärtigen Finanz- und Eurokrise noch immer beträchtliche Vorbehalte bestehen, Geld bei Banken anzulegen. Die Furcht vor einem Stabilitätsverlust der Währung ist groß", betonte Bürkl. Gefahr für das Konsumklima drohe auch von der Preisfront - vor allem wegen des teuren Benzins: "Sollte sich dieser Trend fortsetzen, auch die Strompreise sollen ja in den nächsten Monaten deutlich steigen, dann ist das sicherlich auch eine Gefahr für die Kaufkraft der Verbraucher."

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Wenn die Deutschen sich dazu herablassen, etwas von ihrem Reichtum in "etwas Schönes" zu stecken, wird das mit der Krise aber nichts.

    19% bekommt Vater Staat direkt. 81% des vorher brach liegenden Geldes bekommt der Händler, der es weiter gibt an jemanden, der es weitergibt, um es weiter zu geben usw..... .
    Letzendlich wird die Angst vor dem Wertverlust des Geldes und vor der Krise dafür sorgen, dass es überhaupt nicht zu einer größeren Krise kommt. So sorgen die ganzen Weltuntergangspropheten selbst dafür, dass ihre eigene Prophezeiung nie eintritt.

    Die aktuelle Situation:
    Italien - stark sinkende Neuverschuldung, steigende Produktivität
    Irland - sinkende Neuverschuldung, stark steigende Produktivität
    Portugal - sinkende Neuverschuldung, steigende Produktivität
    Spanien - sinkende Neuverschuldung, steigende Produktivität
    Griechenland - sinkende Neuverschuldung, steigende Produktivität

    Unter dem Strich muss man respektvoll anerkennen, dass die Krisenstaaten viel schneller den Weg in die richtige Richtung gefunden haben, als selbst Optimisten erwartet haben.
    Die Euro-Länder sind auf Kurs in sicheres Fahrwasser, was man von den USA und GB nicht sagen kann.

  • Ich habe das aber gerade anders gelesen. Nämlich, dass die Leute weniger Geld ausgeben.
    Was stimmt denn nun?

  • Wofür sollen die Deutschen denn noch sparen?

    Für die Rettung Europas durch die Übernahme von Schulden anderer?

    Lieber jetzt alles in Sachwerte anlegen, bevor der EURO gegen Null tendiert und er dann doch letztendlich zwangsliquidiert wird durch die Schulden-Rettungspolitik der EZB und deren Befürworter im eigenen Land.

    Die EURO-Rettungspolitik ist eine unverantwortliche Wertevernichtung par Excellence.

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