Hälfte der Mitglieder spricht sich für eine Zinssenkung aus, knappes Viertel empfiehlt eine Erhöhung
EZB-Schattenrat ist geteilter Meinung

An den Finanzmärkten wird bereits wieder darüber spekuliert, wann die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins erhöhen wird. Im Gegensatz dazu fordern viele namhafte Ökonomen eine weitere Leitzinssenkung. Auf der jüngsten Sitzung des EZB-Schattenrat traten neun der 18 Mitglieder dafür ein, der EZB eine Zinssenkung am Donnerstag zu empfehlen.

FRANKFURT/M. Die nötige absolute Mehrheit für eine Zinsänderungsempfehlung des Gremiums verfehlten die Befürworter einer geldpolitischen Lockerung damit denkbar knapp. Der EZB-Schattenrat, ist ein mit Unterstützung von Handelsblatt und Wall Street Journal Europe gegründetes Expertengremium, dem renommierte europäische Volkswirte aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten angehören. Der Schattenrat debattiert regelmäßig vor EZB-Zinsentscheidungen über die Geldpolitik und spricht eine Empfehlung aus.

Den neun Zinssenkungsbefürwortern standen vier Mitglieder gegenüber, die für eine umgehende Zinserhöhung eintraten. Die Polarisierung der Expertenmeinungen ist ungewöhnlich. Erstmals seit Gründung des Schattenrats im November 2002 gab es gegenläufige Leitzinsempfehlungen in so großer Zahl.

„Die weltwirtschaftliche Dynamik, von der Europa bisher nur unterdurchschnittlich profitiert hat, nimmt nicht mehr weiter zu“, sagte John Llewellyn, Chefvolkswirt der Londoner Investmentbank Lehman Brothers. „Die Wirtschaft des Euro-Raums lahmt nach wie vor und ein richtiger Aufschwung ist noch nicht absehbar“, begründet auch der Chefvolkswirt der Hypo- Vereinsbank, Martin Hüfner, seine Empfehlung an die EZB, den Leitzins von 2,0 auf 1,5 % zu senken. Der Leiter der Umfragen-Abteilung des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Gernot Nerb, verwies vor allem darauf, dass die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen recht bescheiden seien.

Die Erwartungen der Schattenratsmitglieder für das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum trübten sich nochmals leicht ein. In diesem Jahr rechnen sie im Durchschnitt noch mit 1,6 %, nach 1,7 % vor einem Monat. Gleichzeitig wurden die Inflationserwartungen für 2004 und 2005 leicht auf durchschnittlich 1,8 beziehungsweise 1,7 % angehoben.

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