Handel schrumpft im vierten Jahr in Folge
Für die Einzelhändler sieht`s trübe aus

Die anhaltende Kaufzurückhaltung, gestiegene Energiepreise und die drohende Mehrwertsteuererhöhung lassen die Hoffnungen der deutschen Einzelhändler auf eine baldige Wende sinken. Für das gesamte Jahr korrigierte der Handelsverband HDE am Mittwoch seine Umsatzprognose leicht nach unten auf minus ein Prozent.

HB DÜSSELDORF. Damit würde die Branche zum vierten Mal in Folge schrumpften. Gewisse Chancen für 2006 rechnet sich der Handel durch die Fußball-WM in Deutschland aus.

Die Branche bleibe ein krisengeschüttelter Wirtschaftszweig, viele Betriebe kämpften hart ums Überleben, zog der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, ein Fazit aus der neuesten Konjunkturumfrage des Verbandes. Mit Sorgen blickt Franzen auch auf das kommende Weihnachtsgeschäft. Es müsse davon ausgegangen werden, dass es in diesem Jahr angesichts des gesunkenen Einkommens durch Kürzungen beim 13. Monatsgehalts erneut rückläufig sein werde.

„Es herrscht ein extrem intensiver Wettbewerb, der auf die Margen drückt und die Gewinne zusammenschmelzen lässt“, beschrieb Franzen die derzeitige Lage vieler Einzelhändler. Heute sei die wirtschaftliche Lage noch etwas schlechter als im vergangenen Jahr. Fast die Hälfte aller befragten Unternehmer verzeichneten im ersten Halbjahr Umsatzeinbußen.

Eine leichte Entspannung deutet sich unterdessen bei Beschäftigung und Insolvenzzahlen an. Hatten die Betriebe 2004 noch 33 000 Arbeitsplätze gestrichen, sollen in diesem Jahr zwischen 15 000 und 20 000 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen. Insgesamt sind im deutschen Einzelhandel zur Zeit 2,7 Millionen Menschen beschäftigt. Etwa 4000 Unternehmen (2004: 4500) werden nach weiteren HDE- Schätzungen 2005 voraussichtlich Insolvenz anmelden.

Erneut wandte sich der HDE ganz entschieden eine mögliche Anhebung der Mehrwertsteuer, wie sie seit einigen Monaten diskutiert und von der künftigen Regierung beschlossen werden könnte. Eine Anhebung würde dazu führen, dass sich die Kunden weiter mit Käufen zurückhielten, sagte Franzen. Zugleich warnte er davor, eine solche Steuererhöhung schon kurzfristig zum 1. Januar in Kraft treten zu lassen.

„Das wäre ein unerhöhter, schmerzlicher Schlag für die Branche“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel. Die Unternehmen könnten eine Anhebung schon allein logistisch und organisatorisch nicht bewältigen. „Wir brauchen mindestens 6 Monate Vorlauf, sonst sind wir doppelt gekniffen“.

Auf eine Prognose zur Geschäftsentwicklung 2006 wollte sich der HDE-Präsident nicht festlegen. Angesichts des noch nicht vorliegenden Regierungsprogramms gäbe es zu viele Unwägbarkeiten. Dennoch biete das kommende Jahr dem Handel mit der Fußball-WM Chancen. Im Schnitt bezifferten die Einzelhändler das WM-bedingte Umsatzplus auf 0,5 bis 1,0 Prozent ihres Jahresumsatzes. Den WM-Effekt veranschlagte der HDE auf ein Volumen von 2,2 Milliarden Euro.

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