Handelsbilanz
Überraschendes Defizit im Außenhandel der Euro-Zone

Der starke Euro und die Konjunkturabschwächung ausgehend von den USA hinterlässt in der Handelsbilanz der Euro-Zone zunehmend Spuren. Unbereinigt wie saisonbereinigt weist sie im Dezember erstmals seit Monaten ein Defizit auf.

ari DÜSSELDORF. Vor allem saisonbereinigt hat sich das Umkippen im Außenhandel der Euro-Zone mit der übrigen Welt bereits seit einigen Monaten abgezeichnet. Der positive Saldo von Ausfuhren und Einfuhren war seit dem Sommer vergangenen Jahres kontinuierlich kleiner geworden. Dass dem Plus von knapp zwei Mrd. Euro im November aber im Dezember gleich ein Minus von 2,1 Mrd. Euro folgen würde, war von Analysten nicht erwartet worden. Nach den von dem Statistikamt Eurostat ausgewiesenen Zahlen handelt es sich saisonbereinigt um das erste Handelsbilanzdefizit seit August 2006. Dabei fiel der Rückgang bei den Exporten um 2,5 Prozent wesentlich stärker aus als in den Vormonaten. Gleichzeitig stiegen die im November noch rückläufigen Einfuhren aber um 0,7 Prozent.

Auch ohne Ausschaltung der typischen saisonalen Schwankungen wartete der Außenhandel mit einem Negativsaldo auf. Erstmals seit Februar 2007 waren am Jahresende damit die Importe wertmäßig wieder höher als die Exporte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stagnierten die Ausfuhren, während sechs Prozent mehr eingeführt wurde. Im November waren die Exporte dagegen noch um vier Prozent gestiegen, die Importe hatte damals prozentual im gleichen Ausmaß zugelegt wie im Dezember. Während im November damit noch ein Handelsbilanzüberschuss von aufwärtsrevidiert drei Mrd. Euro erzielt werden konnte – was aber schon weniger war als ein Jahr zuvor –, rutschte der Saldo im Dezember in die roten Zahlen. Das Defizit belief sich laut Eurostat auf 4,2 Mrd. Euro gegenüber einem Plus von 2,4 Mrd. Euro im Dezember 2006.

Nach den saisonbereinigten Zahlen hat sich die Handelsbilanz vor allem in Spanien, Italien und Frankreich verschlechtert. Außerdem fielen beispielsweise die Überschüsse in Deutschland und Finnland im Dezember um jeweils 400 Mill. Euro niedriger aus als noch im November.

Der weltweite Aufschwung in der ersten Jahreshälfte vor dem Beginn der Finanzmarktturbulenzen in Folge der Immobilienflaute und Subprime-Krise in den USA hatte die Exporttätigkeit in der Euro-Zone so stark beflügelt, dass sich schon früh für das Gesamtjahr nach dem Minus im Vorjahr wieder ein Überschuss abzeichnete. Der schwache Dezember verhinderte aber letztlich, dass sich der Handelsbilanzüberschuss der Euro-Zone im Gesamtjahr wie noch im November oberhalb der Marke von 30 Mrd. Euro halten konnte. Eurostat meldete für 2007 ein Plus von 28,3 Mrd. Euro nach 9,3 Mrd. Defizit im Jahr 2006. Die Exporte stiegen im Durchschnitt des vergangenen Jahres um acht Prozent auf 1497,6 Mrd. Euro, die Importe um sechs Prozent auf 1469,3 Mrd. Euro.

Einschließlich der nicht der Euro-Zone angehörenden EU-Länder nahmen die Ausfuhren um sieben und die Einfuhren um fünf Prozent zu. Das Handelsbilanzdefizit der EU, das vor allem auf das traditionell hohe Minus im britischen Außenhandel zurückzuführen ist, verminderte sich von 192,1 Mrd. im Jahr 2006 auf 185,7 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Diese Entwicklung war weniger positiv als im Außenhandel der Euro-Zone, weil sich die Defizite vor allem in Großbritannien, Rumänien, Bulgarien und Polen vergrößerten, während Schweden und Dänemark – zumindest nach den bis November vorliegenden Zahlen – kleiner ausfielen als ein Jahr zuvor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%