Handelsbilanz
„Wir sind jetzt runter von der Intensivstation“

Die deutschen Exporte sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni im Vergleich zum Vormonat um sieben Prozent gestiegen. Der Vorjahresvergleich fällt indes kläglich aus. Kein Wunder also, dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag die deutsche Wirtschaft trotz Besserung noch auf dem Krankenbett sieht.
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HB BERLIN. Die Unternehmen verkauften sieben Prozent mehr ins Ausland als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. "Das ist der stärkste Anstieg seit September 2006", sagte eine Statistiker. Experten hatten lediglich mit einem kalender- und saisonbereinigten Plus von 1,1 Prozent gerechnet. Auch die Aussichten sind gut, nachdem die exportabhängige Industrie zuletzt mit 8,3 Prozent einen sprunghaften Anstieg der Auslandsaufträge meldete.

Wie stark der Exportweltmeister trotz des Aufwärtstrends noch immer unter der globalen Rezession leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis. Insgesamt wurden Waren im Wert von 68,5 Milliarden Euro exportiert - das waren 22,3 Prozent weniger als im Juni 2008. Im ersten Halbjahr setzten die Unternehmen 23,2 Prozent weniger im Ausland um.

Wichtigster Absatzmarkt für deutsche Produkte ist mit Abstand die EU, wohin im Juni Waren im Wert von 43,8 Milliarden Euro verkauft wurden. Im Vergleich zum Juni 2008 war das ein Rückgang von 22,1 Prozent.

Der Exportverband BGA erwartet für 2009 einen Umsatzrückgang von etwa 18 Prozent. Es wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Bestehen der Bundesrepublik. Für 2010 rechnet BGA-Präsident Anton Börner wieder mit einem ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent.

Die Einfuhren stiegen im Juni um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Insgesamt wurden Waren im Wert von 56,3 Milliarden Euro importiert. Das waren 17,2 Prozent weniger als im Juni 2008.

Die Leistungsbilanz schloss im Juni nach vorläufigen Ergebnissen mit einem Überschuss von 13,3 Milliarden Euro ab. Ökonomen hatten mit 8,0 Milliarden Euro gerechnet. Im Mai hatte der Überschuss noch bei 4,2 Milliarden Euro gelegen. Auch hier war auf Jahressicht ein kräftiger Rückgang zu verzeichnen. Im Juni 2008 hatte der Überschuss der Leistungsbilanz noch bei 19,5 Milliarden Euro gelegen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die Exportwirtschaft auf dem Weg der Besserung. „Wir sind jetzt runter von der Intensivstation, liegen aber noch auf dem Krankenbett“, sagte DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke angesichts der Exportbilanz. Die weltweiten Konjunkturprogramme und die Zinssenkungen der Notenbanken trügen erheblich zur Genesung bei. Allerdings sei das Niveau noch immer niedrig, sagte Nitschke: „Die Krise hat uns um drei Jahre zurückgeworfen“. Das Ausfuhrvolumen liege derzeit etwa auf dem Niveau von 2005/2006. „Wir sehen jetzt eine schrittweise Erholung.“

Diese schreite vor allem in den Euro-Ländern voran, dem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt der deutschen Unternehmen. Hier hatte es zu Jahresbeginn die stärksten Einbrüche gegeben. „Die Schockstarre löst sich nun“, sagte Nitschke. „Die leeren Lager werden wieder gefüllt.“ Auch in den aufstrebenden Schwellenländern China, Indien und Brasilien steige die Nachfrage.

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