Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator im Mai stabilisiert – Privater Konsum immer noch Schwachpunkt
Industriekonjunktur in der Euro-Zone festigt sich

Die Wirtschaftslage im Euro-Raum erholt sich langsam, aber sicher. Das ist die Botschaft des aktuelle Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikators. Er verharrte im Mai auf seinem Vormonatsstand von 1,5 %. Damit hat sich die im April aufgekommene Befürchtung, die Konjunktur könnte sich erneut abschwächen, vorerst nicht bestätigt. Im April war der Eurokonjunktur-Indikator erstmals seit Ende 2003 gesunken.

ari/HB DÜSSELDORF. Eine Wachstumsbeschleunigung ist aber für die Sommermonate nicht in Sicht, obwohl die aktuellen Konjunkturdaten in der Euro-Zone sogar wieder etwas besser geworden sind. Denn nach der Entwicklung des Handelsblatt-Indikators (>>Tabellen) im April und Mai – er läuft der Konjunktur etwa drei Monate voraus – wird sich das Wachstum im dritten Quartal wieder etwas verlangsamen.

Für das zweite Quartal prognostiziert der Indikator dagegen, dass sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in gleitender Jahresrate kräftig von 0,6 % auf 1,7 % deutlich beschleunigen wird. Das wäre das stärkste Wachstum seit Ende 2001. Dazu beitragen dürfte vor allem die Industrie. Sie steigert die Produktion und schöpft wieder mehr Vertrauen. Auch die Auftragseingänge – vor allem in den investitionsnahen Branchen Metallindustrie und Maschinenbau – haben zugelegt. Das lässt darauf hoffen, dass die Produktion in den nächsten Monaten weiter anzieht.

Am Jahresende und damit im Jahresdurchschnitt könnte das Wachstum in der Euro-Zone bei den im Frühjahrsgutachten prognostizierten 1,6 % landen, meint Ulrich van Suntum, Ökonomie–Professor an der Universität Münster. Er hat die Handelsblatt-Indikatoren entwickelt und betreut sie fortlaufend. Die Konjunkturerholung hat sich seiner Ansicht nach mittlerweile so weit gefestigt, dass ein neuerlicher Rückschlag unwahrscheinlich geworden ist. Allerdings: „Viel Musik ist in der europäischen Konjunktur noch nicht drin“, sagt van Suntum.

Das größte Problem sind nach wie vor die konsumunwilligen Verbraucher. Auch im April ist das Konsumentenvertrauen, das in den Handelsblatt-Indikator einfließt, nicht gestiegen, es blieb auf unverändert niedrigem Niveau. Die Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und speziell die Beschäftigungserwartungen haben sich zuletzt sogar wieder verschlechtert. Das ist ein Rückschlag, denn in den Monaten zuvor hatten sie langsam begonnen sich zu erholen.

Neue Gefahren für den privaten Konsum drohen vom Preisanstieg. Im März zog die Inflationsrate leicht auf 1,7 % an, im April dürfte sie ersten Schätzungen zufolge auf 2,0 % geklettert sein. Ein wesentlicher Grund für die Beschleunigung ist der steigende Ölpreis. Jean- Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), räumte Anfang der Woche nach einem Treffen der G-10-Notenbank- Gouverneure ein, die Entwicklung der Energiepreise müsse mit Blick auf die Konjunktur genau beobachtet werden. Eine akute Gefahr für das stetige Wachstum der Weltwirtschaft durch den Anstieg der Rohstoff- und Ölpreise sahen die Notenbanker aber nicht.

In der vergangenen Woche hatte Trichet nicht ausgeschlossen, dass die Ölverteuerung die Inflationsrate in der Euro-Zone zeitweise über 2 % heben könnte. Preisstabilität sieht die EZB, wenn die Inflationsrate knapp unter dieser Marke liegt. In Anbetracht der jüngsten Konjunkturentwicklung dürfte sich, so van Suntum, für die EZB in den kommenden Monate eher die Frage einer Straffung denn die einer Lockerung der Geldpolitik stellen.

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