Handelsblatt-Frühindikator stagniert: Wirtschaft bangt um Konjunktur-Erholung

Handelsblatt-Frühindikator stagniert
Wirtschaft bangt um Konjunktur-Erholung

In Deutschland mehren sich die Zeichen, dass der Aufschwung schon bald an Dynamik verliert. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt befürchtet, die Wirtschaft könnte in diesem Jahr weniger wachsen als von der Bundesregierung vorhergesagt. Der prognostizierte Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,5 bis 2 Prozent „ist bei weitem noch nicht gesichert“, sagte er. Auch der Handelsblatt-Frühindikator für März signalisiert, dass die Konjunkturerholung in Deutschland ins Stocken geraten könnte.

cü/dc/pbs/som DÜSSELDORF. Einen Tag nach der Hamburger Bürgerschaftswahl warnten führende Wirtschaftsvertreter Bundeskanzler Gerhard Schröder vor einer Aufweichung seines Reformkurses. Sollte die Regierung „jetzt auf Drängen der Gewerkschaften die Reformen teilweise zurückdrehen, werden viele Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen verschieben“, sagte Industriepräsident Michael Rogowski dem Handelsblatt.

Hundt erklärte, er mache sich „große Sorgen“, wie die vorhergesagten Wachstumsraten erreicht werden könnten. „Wir brauchen kurzfristig eine Agenda 2004“, forderte er. Noch in diesem Jahr müsse es weitere Reformen der Sozialversicherungen geben. Rogowski betonte, Unklarheiten über den Kurs der Bundesregierung hätten „Auswirkungen auf Wachstum und Arbeitsplätze. Eine Rolle rückwärts können wir uns nicht leisten.“

Obwohl Bundeskanzler Gerhard Schröder gestern versicherte, er werde seinen Reformkurs unbeirrt fortsetzen, zeigte sich auch Handwerkspräsident Dieter Philipp skeptisch. Die deutliche Wahlniederlage der SPD in Hamburg „wird in der Partei wohl eher den Ruf nach einem Tritt auf die Bremse verstärken“, sagte er dem Handelsblatt. Im Interesse von mehr Wirtschaftswachstum rief Philipp die Bundesregierung dazu auf, die Steuer- und Abgabenlast zu senken: „Die Politik muss endlich stärker die Entwicklung der Binnenkonjunktur in den Blick nehmen. Sie darf uns die Lage nicht länger mit Hilfe der Außenwirtschaft und hoher Exportziffern schönmalen.“

Der Münsteraner Volkswirtschafts-Professor Ulrich van Suntum warnte ebenfalls vor einem schnellen Abflauen des moderaten Aufschwungs. „Das Zittern um den Aufschwung hat wieder begonnen“, sagte er mit Blick auf den Handelsblatt-Frühindikator, der nach einem monatelangen Anstieg im März lediglich stagnierte. Obwohl der Indikator auf dem höchsten Stand seit Juni 2001 verharrt und die Geschäfte der deutschen Industrie im Februar spürbar zugelegt haben, schließt van Suntum einen neuen Rückschlag nicht aus. Für das vergangene Jahr hatte die Bundesregierung einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1 % prognostiziert, tatsächlich schrumpfte sie um 0,2 %. Die führenden deutschen Wirtschaftsfor- schungsinstitute erwarten bislang für dieses Jahr 1,4 bis 1,8 % Wachstum und liegen damit in etwa im Rahmen der Regierungsprognose. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hingegen geht davon aus, dass Bundesregierung und Institute ihre Prognosen „in Richtung 1  %“ zurücknehmen müssen.

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