Handelsblatt-Frühindikator
Verbesserte Perspektive

Das Wirtschaftsbarometer signalisiert eine Wachstumsbelebung nach dem Jahreswechsel.

doh DÜSSELDORF. Nach der Jahreswende wird sich die deutsche Wirtschaft deutlich beleben. Das signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator. Er sagt im Dezember für das erste Vierteljahr 2006 einen Anstieg des Wirtschaftswachstums auf 1,5 Prozent in gleitender Jahresrate voraus – das ist eine deutliche Steigerung der vorläufigen Prognose von November um 0,4 Prozentpunkte. Die gleitende Jahresrate gibt die Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen an.

Ein schnelleres Wachstum als bisher braucht die deutsche Wirtschaft auch, damit der von den Instituten im Herbstgutachten prognostizierte BIP-Anstieg von 1,2 Prozent im Gesamtjahr 2006 erreicht wird. Berücksichtigt man noch nicht einkalkulierte Vorzieheffekte aus der für 2007 geplanten Mehrwertsteuererhöhung, dürfte das Wachstum noch höher ausfallen.

„Vor allem die anhaltend gute Entwicklung der Industrieaufträge hat zu der aktuellen Aufhellung der Konjunkturperspektiven beigetragen“, kommentiert Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster. Er hat das Barometer entwickelt und berechnet es monatlich. Vor allem die Inlandsnachfrage nach Investitionsgütern habe inzwischen deutlich angezogen: Mit 0,3 Prozentpunkten war der Beitrag der Ausrüstungsinvestitionen zum BIP-Wachstum im dritten Quartal 2005 ebenso hoch wie der des Außenbeitrags. „Das ist eine absolut gesunde Entwicklung, denn Inlandsinvestitionen bedeuten mehr Nachfrage und mehr Arbeitsplätze zugleich“, so van Suntum.

Ein weiteres positives Signal sieht der Konjunkturexperte in Stimmungsumfragen: „Die deutlich besser gewordene Stimmung in der Wirtschaft hat diesmal, anders als bei ihrer Scheinblüte Ende 2003, durchaus eine reale Basis“, sagt er. Selbst die Bauwirtschaft befinde sich seit der Jahresmitte „eindeutig im Aufwind“. Dass sowohl die Ifo-Geschäftserwartungen in der Industrie als auch der ZEW-Indikator im November leicht nachgegeben haben, hält van Suntum für „weitgehend unbeachtlich“. Ausschlaggebend sei das Niveau der beiden Umfragen: Die Erwartungen lagen im Saldo jeweils über den langjährigen Durchschnittswerten.

Für das zu Ende gehende Jahr 2005 haben die Institute wie auch der Sachverständigenrat 0,8 Prozent Wachstum vorausgesagt. Der Handelsblatt-Frühindikator lässt jetzt sogar einen BIP-Anstieg um 0,9 Prozent erwarten – das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im November prognostiziert. Auch für Ostdeutschland sind die Aussichten günstig. Das Handelsblatt-Ostbarometer sagt im Dezember 0,8 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,6 Prozent im ersten Quartal 2006 voraus. Dazu trug auch ein deutlich verbessertes Ifo-Geschäftsklima in der ostdeutschen Bauwirtschaft bei.

Die Einzelkomponenten des Handelsblatt-Frühindikators

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht zwölf Prozent) sind im September um drei Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Die Investitionsgüternachfrage übertraf ihren den Stand des Vorquartals sogar um 6,2 Prozent. Das lag vor allem an inländischen Bestellungen, die im September wiederum um 1,3 Prozent zugelegt haben.

Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht 24 Prozent) ist nach dem deutlichen Anstieg im August im September leicht um drei Prozent zurückgegangen. Das Ergebnis des Vorquartals wurde dennoch um 7,1 Prozent überschritten. Vor allem der Tiefbau war zuletzt der Wachstumsmotor, der gesamte Wohnungsbau dagegen stagnierte im September.

Die Einzelhandelsumsätze (Gewicht elf Prozent) sind im September um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen. Damit konnten sie ihren zwischenzeitlichen Anstieg vom August nicht bestätigen. Auch im gesamten dritten Quartal verzeichnete der Einzelhandel erneut nur eine knappe Stagnation gegenüber dem Vorquartal.

Die Ifo-Geschäftserwartungen im gesamtdeutschen verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 13 Prozent) sind im November leicht von 8,9 auf 7,8 Punkte gesunken.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland (Gewicht 40 Prozent) sind im September von 39,4 auf 38,7 Zähler im Vormonatsvergleich gesunken. Dabei wurde die Lage besser als im Vormonat beurteilt.

Definition: Der Indikator soll frühzeitig Wendepunkte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung anzeigen und läuft ihr etwa drei Monate voraus. Referenzgröße ist die gleitende Jahresrate des realen Bruttoinlandsprodukts. Das ist die Veränderung in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen.

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