Handelsblatt-Index
Die Inflation steigt nur kurz über zwei Prozent

Die Inflation in der Euro-Zone bleibt laut Handelsblatt-RBS Inflation Live Index bis 2012 im Rahmen des Zentralbankziels. Die Verbraucherpreise werden im kommenden Jahr um durchschnittlich knapp zwei Prozent zulegen und 2012 wieder langsamer steigen.
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DÜSSELDORF. Die Inflation wird auf mittlere Sicht kein Problem für die Euro-Zone werden. Die Verbraucherpreise werden im kommenden Jahr um durchschnittlich knapp zwei Prozent zulegen und 2012 wieder langsamer steigen. Das geht aus dem Handelsblatt-RBS Inflation Live Index hervor, einem von der Royal Bank of Scotland (RBS) entwickelten Prognose-Instrument. Das bedeutet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) keinen Druck hat, die Leitzinsen bald zu erhöhen.

Auch andere Konjunkturforscher sehen trotz der jüngsten leichten Beschleunigung der Inflation keine Gefahr, dass der Preisauftrieb wie vor drei Jahren plötzlich Tempo aufnimmt. Von Mitte 2007 bis Anfang 2008 hatte sich die Inflationsrate in der Euro-Zone, getrieben von einem gewaltigen Anstieg der Rohstoffpreise, von rund zwei auf vier Prozent verdoppelt. Danach war sie als Folge der Wirtschaftskrise eingebrochen – 2009 sanken die Preise sogar monatelang.

RBS-Ökonom Nick Matthews geht davon aus, dass die Inflationsrate schon im laufenden Monat erstmals seit der Krise wieder über zwei Prozent steigt. Im ersten Quartal 2011 werde sie im Durchschnitt 2,3 Prozent betragen. Schon im folgenden Quartal werde sie aber auf 1,8 Prozent zurückfallen und sich dort stabilisieren. „Es gibt aber ganz klar die Möglichkeit, dass wir auch eine durchschnittliche Rate von über zwei Prozent bekommen“, sagt er.

Als Risiko für die Preisstabilität identifiziert er vor allem den Anstieg der Rohstoffpreise. Der Ölpreis liege 40 Prozent höher als vor einem Jahr, die Lebensmittelpreise um 35 Prozent und die Preise für Industriemetalle um 32 Prozent. Auch höhere Lohnabschlüsse könnten die Preise treiben, sagt er.

Langfristig, also auf Sicht von fünf Jahren und mehr, sehen Experten ohnehin die Gefahr, dass die Preise stärker steigen. „Wir warnen seit langem davor, dass sich die Inflation im Euro-Raum langfristig auf einen Wert deutlich oberhalb des EZB-Ziels von knapp zwei Prozent einpendeln wird“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Schließlich haben die Notenbanken den Markt mit billigem Geld geflutet.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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  • Die inflationszahlen sind durch die Politik geschönt/gefälscht. bill Clinton hat die hedonische berechnung eingeführt, welche von den meisten Staaten übernommen wurde. Jeder interessierte kann ja mal unter "hedonische inflationsberechnung" googeln.

    Komischerwiese sind die inflationszahlen in den letzten Jahren eigentlich immer unter 2,0 Prozent gewesen. Man schaue sich nur mal die Ölpreisentwicklung an. im Jahr 2002 kostete das barrel Rohöl ca. 20 Dollar, heute liegt der Preis bei über 90 Dollar ? bei anderen Rohstoffen ist es ähnlich.

    Dadurch, dass die Politik mit Taschenspielertricks die inflation niedrig ausweisen kann (eine unerhöhte Dreistigkeit gegenüber dem bürger) müssen Arbeitgeber und öffentliche Arbeitgeber als inflationsausgleich nun viel niedrigere Löhne zahlen als bei einer höheren inflationsrate. Das ist der eigentliche Grund für diese Gaunerei.

    Wird die offizielle inflation z.b. mit 1,7 Prozent ausgewiesen und die Arbeitgeber zahlen nun 2,0 Prozent Lohnerhöhung, will man nun dem bürger weismachen, er habe ja nun 0,3 Prozent mehr im Geldbeutel. Auch ein umstrittener Warenkorb tut hier sein übriges. ist im Warenkorb nun z.b. Rindfleisch enthalten und der Preis für Rindfleisch steigt sehr stark an, wird folgendermaßen argumentiert. Wenn der Rindfleischpreis stark ansteigt wird der Verbraucher darauf reagieren und nun vermehrt billiges Schweinefleisch kaufen. Das teure Rindfleisch fliegt aus dem Warenkorb und wird durch billiges Schweinefleisch ersetzt.
    irendwann haben wir dann nur noch Reis, Nudeln und Kartoffeln im Warenkorb :-)).
    Dazu gehören noch Elektronikartikel im Warenkorb, bei denen sich die hedonische berechnung überaus stark auswirkt. Gerade durch die hedonische berechnung der Elektronikartikel kann man die inflationszahlen in sehr starkem Maße senken.
    Auch Flugreisen etc. befinden sich im Warenkorb.

    Aber niemand kauft ja jeden Monat eine Waschmaschine, einen Fernseher etc. Auch werden die meisten bürger nicht jeden Monat eine Flugreise unternehmen.

    Die wahre inflation liegt laut unabhängigen Gutachtern regelmäßig im bereich von ca. 6 %, wenn man die alte und nicht die hedonsiche berechnung zu Grunde legt.

    Ein Tachenspielertrick der Politik, damit niedrige Löhne bezahlt werden können. Die Politik tut das als gefühlte inflation ab und kontert mit ihren gefälschten Statistiken. Der bürger weiß ganz genau, dass er seit Jahren weniger im Geldbeutel hat.

    Der bürger wird betrogen und belogen, aber niemand regt sich auf. Es wird für uns bürger noch alles viel schlimmer kommen. Waten wir mal die vielen Landtagswahlen ab. Danach wird man uns einen Katalog der Grausamkeiten präsentieren. Es wird ähnlich sein wie in irland, Griechenland, Portugal oder Spanien. Es wird überall drastisch gekürzt werden und die Steuern und Abgaben werden erhöht.

    Der Staat muss ja sparen, weil man die vielen Milliarden wieder konsolidieren muss, die man zur Rettung von banken und Pleitestaaten aufgebracht hat. Den bürger wird man vor der Wahl wieder beschwichtigen und die Situation schönreden. Das Schlimme ist, dass der bürger immr wieder auf die Aussagen der Politiker hereinfällt und sich nach der Wahl verwundert die Augen reibt, wenn er zur Kasse gebeten wird. Der bürger lernt offensichtlich nicht dazu, was schade ist.

    Es wird doch alles gefälscht. Arbeitslosenzahlen, hier wird so viel herausgerechnet, damit man suggerieren kann, welch tolle Wunder die Politik vollbringt.

    Griechenland hat seine Zahlen gefälscht, irlands banken und auch andere banken haben ihre Zahlen gefälscht etc.

    Das nennt man dort jedoch nicht bilanzfälschung und betrug sonder kreative buchführung.

  • Die Verflechtung zwischen Großbanken und Politik lässt die vorgelegte berechnung genauso wie die "offiziellen" Verbraucherpreisindizes als verdächtig optimistisch erscheinen.

    Die Motivation besteht vermultich darin, von den drohenden Wirkungen der jüngsten enormen Preissteigerungen nahezu aller Rohstoffe auf die Endgüter abzulenken (baumwolle, Getreide, Soya, Rohöl, iNdustriemetalle) die durch Nahe-Nullzins- und sonst zügellose und spekulationsfördernde Geldpolitik bei der Federal Reserve in USA und hier bei der EZb verursacht wird.

    Die Niedrigzinspolitik der EZb hat hauptscächlich den Zweck, den banken billige Kredite zur Aufbesserung ihrer beschädigten bilanzen zur Verfügungen zu stellen, was erfahrungsgemäß Jahrzehnte dauern kann (s. Japan). Der Sparer wird dabei weiterhin mit einer negativen Realverzinsung über den Tisch gezogen.

    in den USA gibt es unabhängige indizes, die zeigen, dass der offizielle CPi (consumer price index) genauso wie die Arbeitslosenzahlen massiv geschönt wird: siehe Zb www.shadowstats.com. Der offizielle CPi wird künstlich niedrig gehalten um die Kosten von inflationsindexierten Anleihen zu verbilligen und inflationsgekoppelte Zahlungen aus den sozialkassen zu minimieren.

  • bei der berechnung der inflationsrate kommt es darauf an was man erreichen will. Wenn man Energie, Kraftstoffe, Mietnebenkosten, Lebensmittel herausrechnet und bei Elektrogeräten Preisveränderungen weg lässt, kann man schon eine Veränderung unter 2 % erreichen. Auf diese berechnungen ist geschissen.

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