Abschwung
Tempo beschleunigt sich noch

Der Sinkflug der deutschen Wirtschaft setzt sich zu Beginn dieses Jahres mit einem noch höherem Tempo fort. Das signalisiert der Handelsblatt-Barclays-Indikator, den die britische Investmentbank monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet.
  • 0

FRANKFURT. Der Indikator prognostiziert jetzt einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im laufenden ersten Quartal um 2,5 Prozent verglichen mit dem Vorquartal. Damit wurde die bisherige Wachstumsprognose erheblich nach unten korrigiert: Das Barometer hatte zuletzt einen Rückgang um ein Prozent vorhergesagt.

Behält der Handelsblatt-Barclays-Indikator recht, hat sich die Lage zum Jahresbeginn gegenüber dem Schlussquartal 2008 noch einmal verschlechtert. Von Oktober bis Dezember war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hierzulande real um 2,1 Prozent geschrumpft - das war der bislang größte Rückgang gegenüber einem Vorquartal im wiedervereinigten Deutschland. Ausschlaggebend dafür war vor allem die starke Verringerung des Außenbeitrags.

Im gesamten Jahr 2008 war der Exportüberschuss erstmals seit dem Jahr 2003 gesunken: Nachdem er 2007 noch das Rekordniveau von 195,3 Milliarden Euro erreicht hatte, lag er im vergangenen Jahr bei 176,2 Milliarden Euro. Das teilte das Statistische Bundesamt gestern mit. Derzeit deutet alles darauf hin, dass der Export - der im Aufschwung der Motor der deutschen Wirtschaft war - auch in diesem Jahr ein Bremsklotz bleiben dürfte.

"Die deutsche Wirtschaft hat den denkbar schlechtesten Start hingelegt", kommentierten die Ökonomen von Barclays Capital. So war beispielsweise die Erzeugung im produzierenden Gewerbe im Januar gegenüber dem Vormonat preis- und saisonbereinigt um 7,5 Prozent eingebrochen. Die Hauptursache für diese Schwäche sehen die Barclays-Ökonomen in der Industrieproduktion, die "kollabiert" sei: Der Sektor musste im Januar Produktionseinbußen von 8,4 Prozent hinnehmen.

Dass die hiesigen Unternehmen auch in den kommenden Monaten wohl kaum mehr als zuletzt zu tun haben dürften, deuten die Auftragseingänge der Industrie an: Sie waren vorläufigen Angaben zufolge im Januar ebenfalls wiederum deutlich zurückgegangen. Insbesondere die rückläufigen Auslandsbestellungen bremsen den Sektor.

Wie sich die gesamte deutsche Wirtschaft im ersten Quartal tatsächlich entwickelt hat, gibt das Statistische Bundesamt Mitte Mai in einer Schnellmeldung bekannt. Details folgen am Monatsende.

Kommentare zu " Abschwung: Tempo beschleunigt sich noch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%