Aufschwung mit vielen Fragezeichen
Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator stagniert

Die Konjunkturaussichten für den Euroraum weisen nur auf ein moderates Wachstum im laufenden Jahr hin. Das ist die Botschaft des Handelsblatt-Eurokonjunkturindikators, der im September auf 1,5 Prozent verharrte. In der gleichen Höhe liegt auch der Wachstumstrend in gleitender Jahresrate, den das Barometer für das dritte und vierte Quartal sowie auch für das Gesamtjahr 2004 derzeit erwarten lässt. Damit befindet sich der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator derzeit am unteren Rand des Prognosespektrums für die Eurozone.

HB DÜSSELDORF. Das Wachstum im zweiten Quartal von 1,1 % in gleitender Jahresrate hatte der Indikator mit seiner Voraussage von 1,2 % geringfügig überschätzt. Die Indikatorwerte ab April sind aufgrund der in den Indikator eingebauten Selbstlernfunktion deshalb leicht nach unten revidiert worden. Gleichzeitig wurde die Berechnungsmethodik der Quartalsprognose leicht modifiziert und derjenigen des Handelsblatt-Frühindikators für Deutschland angeglichen. Die jeweilige Quartalsvorhersage des Indikators ergibt sich jetzt direkt aus dem Durchschnitt der drei Monatswerte des vorhergehenden Quartals. Damit könne die laufenden Monatswerte des Indikators nunmehr unmittelbar als Prognosen der gleitenden Jahresrate des realen BIP jeweils drei Monate später interpretiert werden.

>>Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator in Tabellenform

Der jüngste Indikatorwert für September ist insofern nur vorläufig, als es ferienbedingt keine aktuellen Umfragewerte für das Industrie- und das Verbrauchervertrauen im Euroraum gibt. Diese werden von der EU-Kommission erst im kommenden Monat nachgeliefert. Zuletzt hatten beide Stimmungsindizes stagniert, wobei sich aber vor allem das Industrievertrauen seit Juli des vergangenen Jahres deutlich erholt gezeigt hatte.

Im übrigen halten sich Licht und Schatten im Euroraum derzeit etwa die Waage. Es geht nicht richtig vorwärts, aber ein plötzliches Abbrechen der Konjunkturbelebung ist auch nicht zu erwarten. Damit bleibt die aktuelle Konjunkturlage etwa so durchwachsen wie das Sommerwetter. Enttäuschend war zuletzt die Produktionsentwicklung mit einem dicken Minus von 0,4 % gegenüber dem Vormonat im Juni. Nach zuvor viermonatigem Anstieg in Folge ist das zwar kein Beinbruch, aber immerhin ein Dämpfer für allzu optimistische Erwartungen im zweiten Halbjahr. Dies um so mehr, als auch die Auftragseingänge im Juni um 6,5 % gegenüber dem Vormonat gesunken sind. Auch hier war die Entwicklung in den vorangegangenen vier Monaten aufwärt gerichtet gewesen. Vor allem die stark rückläufige Fahrzeugnachfrage sorgte nun im Juni für eine Trendwende. Es liegt nahe, hier einen Zusammenhang mit den hohen Ölpreisen zu sehen, die auch im Urteil der Europäischen Zentralbank ein Konjunkturrisiko darstellen.

Immer noch reichlich ist die Liquiditätsausstattung im Euroraum. Zuletzt ist die besonders liquiditätsnahe Geldmenge M1 sogar wieder beschleunigt gestiegen. Die EZB räumt in ihrem jüngsten Monatsbericht ein, dass die Rückführung des starken Geldmengenüberhangs länger als gewöhnlich dauert und sieht darin durchaus gewisse Inflationsrisiken. Im Juli blieb die Inflationsrate mit 2,3 % zum dritten mal in Folge über der 2-Prozent-Marke, wo sie ersten Schätzungen zufolge auch im August weiter verharrt haben dürfte. Wichtiger als diese aktuelle Entwicklung ist allerdings, wo die in den letzten Jahren angehäufte Überschussliquidität letztlich bleiben wird. Die EZB sieht hier vor allem für den Fall einer weiteren Konjunkturbelebung die Gefahr zunehmender Inflationsrisiken. Das sie dennoch in der vergangenen Woche ihre Leitzinsen nicht erhöht hat, spricht vor diesem Hintergrund nicht für ein übermäßiges Vertrauen in die Wachstumsstärke des Euroraums.

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