Barometer stagniert den dritten Monat in Folge
Trübe Aussichten für die Euro-Zone

Mit einem Aufschwung ist vorerst nicht zu rechnen. Das signalisiert der überarbeitete Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator, der im März den dritten Monat in Folge stagniert hat. „Es fehlt an jeder Dynamik“, sagt Ulrich van Suntum. Der Ökonomie-Professor an der Universität Münster hat das Barometer entwickelt und berechnet es jeden Monat neu. „Man wird schon froh sein können, wenn die im ersten Halbjahr leicht ansteigende Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte nicht wieder kippt“, sagt van Suntum.

HB DÜSSELDORF. Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator läuft der konjunkturellen Entwicklung rund drei Monate voraus und signalisiert nun für Juni ein Wachstum von 1,2 % in gleitender Jahresrate. Im Vergleich zum Vorjahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres um jeweils 1,2 % wachsen. Im Schlussquartal vergangenen Jahres hatte das BIP um 1,3 % zugelegt.

>>Tabellen

Die jüngst veröffentlichen neuen Wirtschaftsdaten haben sich fast ausnahmslos verschlechtert. Die Stimmung von Konsumenten und Investoren ist nochmals abgesackt. Das geht aus der aktuellen Befragung der EU-Kommission hervor. Hinzu kommt, dass die Industrieproduktion im Dezember regelrecht abgestürzt ist. Allein der Rückgang der Inflationsrate wirkte stabilisierend. Besserung ist nicht in Sicht. Denn weiterhin hängt der drohende Irak-Krieg wie ein Damoklesschwert über der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Aber: „Selbst wenn die Irak-Krise einigermaßen glimpflich verlaufen sollte, dürfte es schwer werden, im Gesamtjahr noch wesentlich über ein Wachstum von 1,5 % hinauszukommen“, sagt van Suntum. „Nicht zuletzt wird es für den weiteren Konjunkturverlauf darauf ankommen, dass Deutschland als bei weitem größtes Mitglied in der Euro-Zone endlich seine wirtschaftspolitischen Hausaufgaben macht“, sagt van Suntum an die Adresse der deutschen Regierung.

Hinzu kommen weitere Risiken: Die Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte auf dem Weltmarkt. Die US-Investmentbank Merrill Lynch sieht kaum noch Wachstums-Chancen für die Euro-Zone und hat erst kürzlich ihre Wachstumsprognose auf 0,8 von zuvor 1,2 % in diesem Jahr und auf 1,8 von 2,4 % im kommenden Jahr gesenkt. Damit würde sich das Wachstum gegenüber dem vergangenen Jahr nicht beschleunigen, denn schon 2002 ist das BIP um 0,8 % im Gesamtjahr gewachsen.

Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator besteht aus fünf Einzelkomponenten.Die aktuellen Entwicklungen:

  • Der I ndex des Industrievertrauens (Gewicht: 15 %) ist im Februar erneut eingebrochen und liegt nun bei –11 nach zuvor –10 Punkten im Januar. Das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage der EU-Kommission bei Unternehmern in der Euro-Zone. Grund für den Rückgang sind niedrigere Auftragseingänge sowie veschlechterte Erwartungen zur Produktion.
  • Der Index des Konsumentenvertrauens (Gewicht: 15 %) ist im Februar ebenfalls gesunken: auf –19 von –18 Punkten. Die von der EU-Kommission befragten Verbraucher haben Angst vor Arbeitslosigkeit und rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Die Stimmung ist nun so schlecht wie seit Juli 1996 nicht mehr.
  • Die Industrieproduktion (Gewicht: 25 %) hat im Dezember geradezu erdrutschartig um saisonbereinigt 1,5 % gegenüber dem Vormonat nachgegeben. Das war der stärkste Rückgang seit 16 Monaten. Damit ist der zwischenzeitlich etwas freundlichere mittelfristige Trend bei der Industrieproduktion – der in den Eurokonjunktur-Indikator eingeht – gekippt.
  • Die Geldmenge M1 (Gewicht: 30 %) ist im Januar vorläufigen Daten zufolge um 9,4 % gegenüber dem Vorjahresstand gewachsen. Zum Jahresende hatte sie noch fast 10 % über dem Vorjahreswert gelegen. Sie umfasst Bargeld und tägliche fällige Guthaben bei Banken. Um saisonale Einflüsse bereinigt hat sich der Zuwachs gegenüber dem Vorjahresmonat auf 1 von 0,6 % beschleunigt. Für die Konjunktur ist das eine gute Voraussetzung für mehr Wachstum – mittelfristig erwächst daraus aber ein erhebliches Inflationspotenzial.
  • Die In flationsrate (Gewicht: 15 %) gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im Januar um 2,2 % über dem Vorjahresstand. Noch im Dezember waren die Preise um 2,3 % auf Jahressicht gestiegen. Die somit leicht rückläufige Inflationsrate stärkt die Kaufkraft von Unternehmern und Konsumenten. Dieser Trend könnte aber angesichts der starken Geldmengenausweitung und steigender Ölpreise auslaufen.
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%