Barometer zeigt erstmals seit sechs Monaten nach unten
Handelsblatt-Frühindikator: Deutsche Konjunkturerholung stockt

Die Konjunkturerholung in Deutschland droht in der zweiten Jahreshälfte zum Stillstand zu kommen. Das signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator. Das Barometer ist im September zum ersten Mal seit sechs Monaten deutlich gesunken: auf 0,6 von 0,8 Prozent im August.

pbs/HB DÜSSELDORF. Wachsender Pessimismus von Unternehmern und Finanzanalysten aber auch eine Verschlechterung der harten Konjunkturdaten haben den Indikator belastet. „Wir sehen ein bestenfalls verhaltenes Wachstum ohne Eigendynamik“, kommentiert Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor aus Münster die Entwicklung. Van Suntum hat den Handelsblatt-Frühindikator entwickelt und berechnet ihn monatlich.

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Vor allem in der Bauwirtschaft gibt es keine Anzeichen für einen Aufschwung. Im Einzelhandel sind die Signale gemischt. Nicht ganz so schlecht ist die Lage noch im verarbeitenden Gewerbe. Wachstumsimpulse kommen aber ausschließlich aus dem Ausland.

Wie hoch die Abhängigkeit vom Export ist, haben die Wachstumszahlen für das zweiten Quartal gezeigt: Die Bruttoanlageinvestitionen zogen das Wachstum sogar um 0,2 Prozent nach unten. Die gleitende Jahresrate des Bruttoinlandsprodukts – die dem Indikator als Referenzgröße gilt – stieg im zweiten Quartal dennoch auf 0,8 Prozent von 0,2 Prozent im ersten Quartal. Sie bildet das Wachstum in den vier vergangenen Quartalen gegenüber den vorherigen vier Quartalen ab. Der Handelsblatt-Frühindikator hatte ein Wachstum von 0,7 Prozent in gleitender Jahresrate für das zweite Quartal prognostiziert und damit das tatsächliche Wachstum minimal unterschätzt. Die selbstlernende Funktion des Barometers hat die Indikatorwerte ab April dementsprechend nach oben korrigiert.

Für den weiteren Jahresverlauf lässt der Frühindikator schon wieder eine Abschwächung der Dynamik erwarten. Die Wachstumsprognose des Barometers liege deutlich unter den Prognosen der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, sagt van Suntum. Deren Voraussagen für dieses Jahr bewegen sich zwischen 1,5 Prozent Wachstum, wie vom Hamburgischen Weltwirtschaftsarchiv prognostiziert, und 2,1 Prozent, die das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt hat. Allerdings spiegelten die einzelnen Komponenten des Indikators den „Arbeitstageeffekt“ nur unzureichend wider, sagt van Suntum. In diesem Jahr gibt es fünf Arbeitstage mehr als im vergangenen Jahr. Die Bundesbank schätzt, dass das deutsche Wachstum deswegen um rund 0,5 Prozent höher ausfallen wird.

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