Endlich handfeste Erholungssignale für Deutschlands Konjunktur
Handelsblatt-Frühindikator signalisiert Trendwende

Der Handelsblatt-Frühindikator ist im September erstmals seit sechs Monaten wieder angestiegen. Mit 0,1 Prozent nach minus 0,4 Prozent hat sich der Indikator sprunghaft verbessert und signalisiert damit endlich die seit langem erhoffte Trendwende der deutschen Konjunktur.

HB DÜSSELDORF. Zuletzt haben sich alle in den Indikator eingehenden Einzelwerte deutlich erholt, insbesondere auch die harten Konjunkturdaten der Auftragseingangsstatistik. Somit beruhen die Konjunkturhoffnungen jetzt nicht mehr allein auf bloßen Stimmungswerten wie dem Ifo- und dem ZEW-Index, die sich ebenfalls weiter verbessert haben. Auch das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die Neuen Länder hat sich im September von -1,5 % auf -0,2 % deutlich erholt, hauptsächlich wegen zuletzt wieder anziehender Bauproduktion im Osten.

Eine gewisse Vorsicht erscheint allerdings immer noch angebracht – ein paar Nachfrageschwalben machen schließlich noch keinen Konjunktursommer. Für das laufende Jahr kommt die Trendwende ohnehin zu spät: Nach den enttäuschenden Inlandsproduktzahlen für das zweite Quartal lässt der Handelsblatt-Frühindikator trotz der jüngsten Erholungssignale nur eine rote Null (-0,2 % ) für das gesamtdeutsche Wachstum 2003 erwarten. Danach könnte der Konjunkturzug aber endlich in Bewegung kommen, zumal sich auch das weltwirtschaftliche Umfeld inzwischen aufzuhellen beginnt.

Frühindikator West:

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Konjunkturbarometer Ost:

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Wichtigster Pluspunkt der aktuellen Konjunkturentwicklung ist der Wiederanstieg der Industrienachfrage, auch wenn er sich auf Westdeutschland und hier vor allem auf die Investitionsgüterindustrie beschränkte. Der Schub kam dabei ausschließlich vom Export, die Inlandsnachfrage dümpelt dagegen weiter vor sich hin. Hoffnung macht aber das die weitere Verbesserung des Ifo-Geschäftsklimas im Verarbeitenden Gewerbe, zumal es allmählich neben den Zukunftserwartungen auch die aktuelle Geschäftslage zu erfassen beginnt. Zuletzt sind auch die Exporterwartungen wieder positiver geworden, nicht zuletzt wohl infolge des sinkenden Eurokurses und der besseren Konjunkturnachrichten aus den USA. Damit steht die Konjunkturampel derzeit zumindest auf Gelb – ob danach Grün oder doch noch einmal Rot-Gelb kommt, kann allerdings noch nicht sicher gesagt werden.

Schwer berechenbar bleibt nach wie vor das Verhalten der Verbraucher. Die anhaltende Verunsicherung durch die Politik – Entlastung per vorgezogener Steuerreform hie, Belastung durch die Gesundheitsreform da – schlägt sich auch in entsprechend wechselhaften Konjunktursignalen wider. So wechseln die Einzelhandelsumsätze derzeit praktisch jeden Monat ihre Richtung, und das ifo-Geschäftsklima für den Einzelhandel hat sich nach mehrmonatiger Erholung zuletzt plötzlich wieder stark eingetrübt. Hier liegt es vor allem an der Politik, endlich wieder verlässliche Zukunftsperspektiven und damit die Grundlage für neue Konsumfreude zu schaffen. Wer bestellt schon ein neues Auto, wenn der Arbeitsplatz unsicher ist und die sicher geglaubte gesetzliche Rente plötzlich wackelt?

Immerhin: Insgesamt zeigt sich endlich ein deutlicher Lichtstreifen am grauen deutschen Konjunkturhimmel, auch wenn das Wachstum in diesem Jahr kaum noch in Schwung kommen dürfte. Der Handelsblatt-Frühindikator prognostiziert für das dritte und vierte Quartal jeweils einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal in der Größenordnung von einem halben bis einem Prozent. Umgerechnet in gleitende Jahresraten bedeutet das ein Minus von 0,1 bzw. 0,2 % in den beiden verbleibenden Quartalen (nach +0,3 % im zweiten Vierteljahr) und somit auch einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Gesamtjahr von –0,2 %. Rein technisch wäre damit das Rezessionskriterium erfüllt. Man sollte angesichts der im Unschärfebereich jeder Prognose liegenden Minimalwachstumsraten allerdings besser von einer weiter anhaltenden Stagnation sprechen. Wichtig ist letztlich nicht, ob am Schluss des Jahres eine schwarze oder eine rote Null steht. Solange man das Wachstum in Deutschland mit der Lupe suchen muss, kann ohnehin keine Besserung am Arbeitsmarkt erwartet werden. Wichtig wäre deshalb endlich das Aufkommen von so etwas wie Konjunkturdynamik. Die ersten Anzeichen dafür sind jetzt zu sehen, aber noch nicht mehr. Was letztlich daraus wird, hängt nicht zuletzt vom Fortgang der politischen Reformagenda ab.

Die aktuelle Entwicklung der Einzelwerte:

  • Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe

    (Gewicht 42 %) sind im Juni um 2,4 % gegenüber dem Vormonat gestiegen, haben damit allerdings den Rückgang vom Vormonat nur gerade so eben wieder wettgemacht. Stärker gefragt waren vor allem Investitions- undVorleistungsgüter (+4,6 % bzw + 1,2 %), wobei der Nachfrageanstieg ausschließlich aus dem Exportgeschäft kam. Die Konsumgüternachfrage ging dagegen mit -2,4 % abermals zurück.
  • Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe

    (Gewicht 18%) hat sich mit +2,3 % im Juni erstmals seit einem halben Jahr wieder merklich erholt. Leistungsträger war dabei vor allem der Wohnungsbau mit +4,6 %, wo sich vermutlich Vorzieheffekte wegen der auslaufenden Eigenheimzulage bemerkbar machen. Das unverändert schlechte ifo-Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe deutet noch nicht auf eine Trendwende hin.
  • Die Einzelhandelsumsätze

    (Gewicht 11 %) setzen ihre Achterbahn weiter fort. Nachdem sie im Vormonat gesunken waren, stiegen sie im Juli wieder um 1,8 % an, um im August (der noch nicht in den aktuellen Indikatorwert eingeht) wiederum um exakt den gleichen Prozentsatz abzusacken. Insgesamt ist das zweite Quartal nur marginal besser verlaufen als das erste Vierteljahr, und der heiße Sommer scheint den Verbrauchern auch danach wenig Lust auf Einkaufsbummel gemacht zu haben.
  • Die ifo-Geschäftserwartungen

    im gesamtdeutschen Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 8 %) stiegen auch im August weiter an und waren mit 5,4 Punkten (nach -0,1 Punkten im Vormonat) erstmals wieder im Saldo positiv. Auch die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage hat sich weiter von -20,7 auf -18,6 Punkte verbessert, bleibt damit im Saldo aber immer noch sehr unbefriedigend. Noch sind die Geschäftserwartungen in den neuen Ländern mit -1,6 Punkten pessimistischer als im Westen (+6,8 Punkte), aber der Trend zeigt in beiden Teilen Deutschlands inzwischen eindeutig nach oben.
  • Die ZEW-Konjunkturerwartungen

    für Deutschland (Gewicht 21 %) haben sich im August mit 52,5 Punkten (nach 41,9 Punkten im Juli) zum achten mal in Folge verbessert. Das ZEW interpretiert dies als „Vertrauensvorschuss auf die erhoffte Konjunkturerholung im nächsten Jahr“ . Wichtig ist, dass sich zuletzt auch die Einschätzung der aktuellen Konjunkturlage durch die befragten ca. 300 Finanzmarktexperten verbessert hat, wenngleich nur um 3,2 Punkte und ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau (-95,8 Punkte).

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