Eurokonjunktur noch ohne große Dynamik
Eurokonjunktur-Indikator leicht erholt

Es geht aufwärts, aber die Bäume wachsen noch lange nicht in den Himmel. Das ist die Botschaft des Handelsblatt-Eurokonjunkturindikators, der im August weiter von 1,6 % auf 1,7 % angestiegen ist. Positiv wirkte sich dabei vor allem die starke Zunahme der Industrieproduktion aus, die nun schon seit vier Monaten in Folge aufwärts weist.

HB DÜSSELDORF. Trotzdem fehlt es der Eurokonjunktur noch immer zu sehr an Eigendynamik, als dass man von einem gesicherten Aufschwung sprechen könnte. Auch die Unternehmen und die Konsumenten sind noch nicht wirklich in Aufbruchstimmung. Das Industrievertrauen hat sich ebenso wie das Verbrauchervertrauen zuletzt nicht weiter aufgehellt. Vor allem die Konsumenten blicken nach wie vor skeptisch in die Zukunft und halten ihre Euros vorsichtshalber zusammen.

Somit hängt die Eurozone nach wie vor stark von der weiteren Entwicklung der Weltkonjunktur ab. Der Aufschwung ist insoweit nur geborgt. Der zwischenzeitlich auf 45 Dollar pro Barrel gestiegene Ölpreis und der wieder schwächer gewordene Dollar bedeuten zusätzliche Risiken für die Konjunktur. Um so wichtiger ist es insbesondere für die großen Euroländer Deutschland, Italien und Frankreich, die lange überfälligen Reformen voranzutreiben und ihre Staatsfinanzen zu konsolidieren. Nur so kann Euroland in Zukunft selbst wieder stärker zum weltwirtschaftlichen Wachstum beitragen.

>>Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator

Von der Geldpolitik gehen immer noch expansive Impulse auf die Eurokonjunktur aus, sie werden aber allmählich schwächer. Das liegt zum einen daran, dass die Zuwachsrate der Geldmenge M1 sich weiter auf dem Rückzug befindet. Im Juni lag sie nur noch bei 9,2 %, da sind knapp zwei Prozentpunkte weniger als vor Jahresfrist. Zum anderen lag die Inflationsrate im Juni mit 2,4 % einen halben Prozentpunkt höher als vor einem Jahr. Das bedeutet unter dem Strich zwar immer noch reichlichen Liquiditätsspielraum für ein höheres Wachstum. Sollte sich die Geldentwertung allerdings in den kommenden Monaten beschleunigen und die Europäische Zentralbank zu Zinserhöhungen zwingen, könnte es schnell eng werden. Noch ist dieses Szenario allerdings nicht aktuell; im Juli verharrte der Preisanstieg ersten Schätzungen zufolge weiterhin bei 2,4 %.

Derzeit lässt der Handelsblatt-Eurokonjunktur ein Wachstum in gleitender Jahresrate von etwa 1,2 % für das zweite Quartal erwarten, nach 0,6 % im ersten Quartal. Im dritten Quartal dürfte das Wachstum dann auf etwa 1,5 % steigen. Das entspricht etwa dem derzeit von der OECD vorausgesagten Wachstum von 1,6 % im Gesamtjahr 2004. Verglichen mit dem mageren Ergebnis von 0,5 % im vergangenen Jahr wäre das ein Fortschritt. Im Vergleich zur OECD-Prognose für das Wachstum der Weltkonjunktur von 3,4% wird aber auch deutlich, wie groß der Rückstand der Eurozone noch immer ist.

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