Frühindikator Juli
Der Aufschwung fällt dieses Jahr aus

Die von führenden deutschen Ökonomen für die zweite Jahreshälfte vorausgesagte Konjunkturerholung dürfte ausfallen. Das signalisiert der erneute Rückgang des Handelsblatt-Frühindikators.

pbs DÜSSELDORF. Das Barometer ist im Juli gesunken und zeigt jetzt ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nur noch 0,5 Prozent in gleitender Jahresrate an. Für das dritte Quartal signalisiert das Barometer noch einen BIP-Anstieg von 0,7 Prozent. Die gleitende Jahresrate ist die Veränderung des BIP in den vorangegangenen vier Quartalen gegenüber den vorherigen vier Quartalen und am Jahresende identisch mit dem Wachstum im Kalenderjahr.

Auch im Gesamtjahr 2005 wird die deutsche Wirtschaftsleistung der – allerdings noch vorläufigen Prognose des Frühindikators zufolge – also nur um 0,5 Prozent steigen. Damit unterschreitet der Indikator deutlich die Prognosen der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Sie gehen in ihrem gemeinsamen Frühjahrsgutachten von 0,7 Prozent Wachstum aus. Die Bundesregierung rechnet sogar noch mit einem Prozent Zuwachs.

>>Tabellen West
>>Tabellen Ost

Der Konjunkturausblick für die neuen Bundesländer hat sich ebenfalls weiter verschlechtert. Das Ostbarometer prognostiziert für das Gesamtjahr nur ein Wachstum von 0,2 Prozent.

„Zwar könnten die aller Voraussicht nach vorgezogenen Neuwahlen für einen zusätzlichen Stimmungsschub sorgen“, räumt Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Münster, ein. Van Suntum hat den Indikator 1992 entwickelt und berechnet ihn monatlich. Allerdings: „Es braucht mehr als gute Stimmung, um den Wachstumsmotor wieder in Gang zu bringen. In diesem Jahr dürfte daraus ohnehin nicht mehr viel werden.“ Frühestens im kommenden Jahr sei ein Aufschwung zu erwarten. Aber: Schon seit vier Jahren sagen die Prognostiker den Aufschwung für das jeweils folgende Jahr voraus – getan hat sich nichts.

Wenig Hoffnung machte die jüngste Umfrage der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) unter 2 000 Verbrauchern: Das Konsumklima hat sich jüngst weiter verschlechtert. Die Aussichten auf eine Neuwahl hat die Verbraucher offenbar weiter verunsichert. Allerdings fließt dieser Index nicht in die Berechnung des Handelsblatt- Frühindikators ein. Auch van Suntum mahnt: „Wenn nicht sofort nach der Wahl beherzt Reformen angefasst werden, ist das Vertrauenskapital schnell wieder verspielt.“

Die Prognose des Indikators für das dritte Quartal wurde leicht von 0,6 auf 0,7 Prozent korrigiert. Ursache dafür ist, dass der Einzelhandel im ersten Quartal mehr umgesetzt hat, als zunächst gemeldet. Trotzdem hat die Umsatzentwicklung im Vergleich zum vierten Quartal 2004 bloß stagniert. „Man muss mit der Lupe suchen, um Anzeichen für eine Wende zum Besseren zu finden“, sagt van Suntum.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%