Frühindikator Oktober
Konjunkturwende in Sicht

Die aktuellen Wirtschaftsdaten lassen eine Konjunkturwende in Deutschland zur Jahreswende immer wahrscheinlicher werden. Das signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator. Das Barometer prognostiziert für das erste Quartal 2006 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in gleitender Jahresrate von 0,9 Prozent. Die gleitende Jahresrate gibt die Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen an.

DÜSSELDORF. Für das Gesamtjahr 2005 prognostiziert der Frühindikator unverändert ein Wachstum von 0,7 Prozent. Günstiger sind die Perspektiven für Ostdeutschland: Die Wirtschaftsleistung dürfte in den neuen Ländern 2005 um 0,8 Prozent steigen. Für das erste Quartal 2006 signalisiert der Indikator ein Wachstum von 1,3 Prozent. „Maßgeblich dafür war zum einen der zuletzt außergewöhnlich hohe Nachfragezuwachs im ostdeutschen verarbeitenden Gewerbe von sage und schreibe saisonbereinigt 17,1 Prozent im Juli“, argumentiert Ökonom Ulrich van Suntum. Der Münsteraner Professor hat den Handelsblatt-Frühindikator entwickelt und berechnet ihn monatlich. Im gesamtdeutschen Raum seien die Auftragseingänge sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Bauhauptgewerbe deutlich gestiegen.

„Mit Jubelarien sollte man trotzdem noch sehr vorsichtig sein“, meint van Suntum. Das zeige ein Blick in die Details. Der „ Nachfrageschub“ im verarbeitenden Gewerbe von 4,1 Prozent im Juli sei ausschließlich aus dem Ausland gekommen. Großaufträge hatten für die Investitionsgüterindustrie eine entscheidende Rolle gespielt. Die Inlandsnachfrage nach Investitionsgütern sei dagegen zuletzt wieder fast auf das Durchschnittsniveau des zweiten Quartals gesunken.

Für van Suntum sind dies Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft „nach wie vor am seidenen Faden der Weltkonjunktur“ hängt. Die sei ihrerseits auf Grund der hohen Energiepreise und steigender Inflationsgefahren alles andere als gefestigt ist, warnt der Ökonom zugleich. Eigene Konjunkturimpulse gingen von Deutschland immer noch nicht aus. Das betreffe auch die inländische Konsumnachfrage, die noch keinerlei Belebungszeichen erkennen lasse. So stagnierten die Einzelhandelsumsätze im Juli etwa auf niedrigem Niveau.

Die jüngste Entwicklung der wichtigsten deutschen Stimmungsindikatoren scheint auf den ersten Blick kaum zu den aktuellen „harten“ Konjunkturdaten zu passen. Das gilt sowohl für den Ifo-Index, eine monatliche Umfrage unter Unternehmern, als auch für den ZEW-Index, eine Umfrage unter Finanzmarktexperten. In beiden Umfragen haben sich nach zuletzt dreimaligen, starken Anstiegen in Folge die Erwartungen im September wieder deutlich verschlechtert. Dennoch sollte man den „aktuellen Knick bei den Erwartungen“ nicht allzu ernst nehmen, meint Ökonom van Suntum. Seiner Ansicht nach dürfte die Enttäuschung über den Wahlausgang eine entscheidende Rolle gespielt haben,weil nach der Wahl erhobene Erwartungen jeweils schlechter ausgefallen seien bereits vor der Wahl erhobene Antworten. Zudem seien die Ifo-Exporterwartungen anders als die Ifo-Geschäftserwartungen des gesamtdeutschen verarbeitenden Gewerbes weiter gestiegen. Auch die aktuelle Geschäftslage hat sich sowohl aus Sicht der befragten Unternehmer als auch nach Einschätzung der befragten Finanzmarktexperten zuletzt weiter verbessert.

Seite 1:

Konjunkturwende in Sicht

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%