Frühindikator September
Die Perspektiven hellen sich auf

Die Perspektiven für die deutsche Konjunktur haben sich aufgehellt. Weil zuletzt fast ausschließlich positive Konjunkturdaten veröffentlicht wurden, ist der Handelsblatt-Frühindikator gestiegen. Er prognostiziert nun für das laufende Jahr eine Wachstumsrate von 0,7 Prozent. Im August lag die Prognose noch 0,2 Prozentpunkte niedriger.

pbp/HB DÜSSELDORF. „Endlich gibt es klare Signale für eine Konjunkturwende“, sagt Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Münster. Er hat den Indikator entwickelt und berechnet ihn monatlich. Die gestern veröffentlichten Daten für die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe bestätigten van Suntums Prognose: Die Bestellungen stiegen preis- und saisonbereinigt um 3,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das war der dritte Anstieg in Folge. Die aktuellen Werte sind allerdings noch nicht in den Frühindikator eingeflossen.

Van Suntum zufolge braucht es trotz der positiven Signale noch etwas Geduld: Die Talsohle werde voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres erreicht – Anfang 2006 werde es mit der Konjunktur dann wieder aufwärts gehen. Die Wachstumsprognose des Frühindikators für dieses Jahr liegt nun auf dem Niveau der Vorhersage der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem gemeinsamen Herbstgutachten. Die Bundesregierung rechnet dagegen mit einem Wachstum von einem Prozent.

Die Wachstumsdynamik in Ostdeutschland wird in diesem Jahr der Prognose des Handelsblatt-Frühindikators zufolge nur geringfügig hinter der in Westdeutschland zurückbleiben: Das Barometer signalisiert einen Zuwachs um 0,6 Prozent.

Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im gesamten deutschen Bundesgebiet um 1,6 Prozent gewachsen. Die Dynamik war allerdings durch die größere Anzahl von Arbeitstagen überzeichnet. Zudem hatte das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte bereits deutlich nachgelassen. Einen weiteren Schwächeanfall erlitt die deutsche Konjunktur im Frühjahr dieses Jahres.

Der Handelsblatt-Frühindikator ist gestiegen, weil sich drei der fünf Komponenten deutlich verbessert haben. Vor allem die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Sommer weiter aufgehellt – obwohl der Ölpreis auf ein Rekordhoch gestiegen ist: Die vom Münchener Ifo-Institut im August befragten Unternehmer haben ihre Geschäftsperspektiven erneut deutlich optimistischer beurteilt. Allerdings schätzten sie zugleich die aktuelle Lage schlechter ein.

„Vermutlich ist ein guter Teil des Stimmungsanstiegs der Hoffnung auf eine neue Regierung zuzurechnen“, vermutet van Suntum. Auch die vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzmarktanalysten blicken zuversichtlicher in die Zukunft. ZEW-Präsident Wolfgang Franz machte dafür die stabile Weltkonjunktur und die gute Auftragslage der Unternehmer verantwortlich.

Endlich haben die Unternehmer offenbar auch wieder mehr Mut, zu investieren: Im zweiten Quartal sind die Ausrüstungsinvestitionen um 0,6 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr gestiegen, hatte das Statistische Bundesamt berichtet.

Die Aussichten für die deutsche Konjunktur werden aber weiterhin durch die Zurückhaltung der Verbraucher getrübt. Bisher gibt es kein verlässliches Signal für eine Erholung: Die stark schwankenden Einzelhandelsumsätze sind zuletzt wieder gesunken. Zwar hat sich das von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung monatlich ermittelte Konsumklima im August zum ersten Mal seit April aufgehellt. Das Barometer gilt aber unter Volkswirten als nicht zuverlässig.

Die Einzelwerte im Handelsblatt-Frühindikator:

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: zwölf Prozent) haben im Juni mit einem Plus von 2,3 Prozent zum zweiten mal in Folge kräftig zugelegt.

Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht: 24 Prozent) ist im Juni leicht um 0,9 Prozent gestiegen gegenüber Mai. Im zweiten Quartal insgesamt war die Nachfrage um fünf Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Das ist der erste Anstieg im Vorjahresvergleich seit sechs Quartalen.

Die Einzelhandelsumsätze (Gewicht: elf Prozent) sind im Juni um ein Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Auch im Juli, der noch nicht in den aktuellen Handelsblatt-Frühindikator eingeht, blieben die Einzelhandelsumsätze mit 0,4 Prozent auf praktisch unverändert niedrigem Niveau.

Die Ifo-Geschäftserwartungen im gesamtdeutschen verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: 13 Prozent) haben sich im August erneut stark verbessert. Der entsprechende Index stieg von 2,4 auf 5,0 Punkte.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen (Gewicht: 40 Prozent) sind im August den dritten Monat in Folge gestiegen –deutlich von 37 auf 50 Punkte.

Definition: Der Indikator soll frühzeitig Wendepunkte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung anzeigen und läuft ihr etwa drei Monate voraus. Referenzgröße ist die gleitende Jahresrate des realen Bruttoinlandsprodukts. Das ist die Veränderung in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen.

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