Frühjahrsprognose scheint eher optimistisch
Handelsblatt-Frühindikator erholt sich leicht

Der Handelsblatt-Frühindikator hat sich im Mai wieder leicht erholt. Der Anstieg um 0,2 Punkte auf jetzt 1,0% ist aber vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Vormonatswert um ebenfalls 0,2 Punkte nach unten korrigiert wurde. Damit lässt der Indikator auch für das zweite Quartal nur ein Wachstum von etwa 1,2% in gleitender Jahresrate erwarten, nach 0,8% im ersten Quartal.

HB DÜSSELDORF. Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in ihrem aktuellen Frühjahrsgutachten ihre Prognose für das laufende Jahr bereits von 1,7% auf 1,5% heruntergeschraubt. Selbst diese Marke muss aber angesichts der aktuellen Datenlage noch als optimistisch bezeichnet werden. Wenn überhaupt, dann wird sie ohnehin nur aufgrund der in diesem Jahr größeren Zahl von Arbeitstagen zustande kommen. Dieser Effekt macht allein schon rund einen halben Prozentpunkt zum Wachstum gegenüber dem Vorjahr aus. Von konjunktureller Dynamik kann somit beim besten Willen derzeit keine Rede sein.

Gesamtdeutscher Frühindikator: >>Tabellen

Konjunkturbarometer Ost: >>Tabellen

Ein paar kleine Lichtblicke hat es allerdings zuletzt doch gegeben. So hat sich der ifo-Geschäftsklimaindex für das gesamtdeutsche Verarbeitende Gewerbe nachzweimonatigem Abstieg im April wieder leicht erholt, allerdings nur aufgrund einer etwas besseren Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Die Geschäftserwartungen der Industrie, die in den Handelsblattfrühindikator eingehen, haben sich dagegen im dritten Monat in Folge weiter verschlechtert. Damit folgten sie der negativen Vorgabe der ZEW-Konjunkturerwartungen, die sich im April ebenfalls weiter eintrübten, und dies schon im vierten Monat nacheinander.

Zum Teil spiegelt sich in dieser Entwicklung sicher die Korrektur überzogener Hoffnungen wider. Es wäre aber leichtfertig, den schwindenden Konjunkturoptimismus deswegen nicht ernst zu nehmen. Zum einen kann die schlechter werdende Stimmung sich sehr leicht selbst bestätigen, wenn nämlich die gerade erst leicht erholte Investitionsbereitschaft wieder nachlassen sollte. Und zum anderen gibt es durchaus handfeste Gründe für die zunehmende Skepsis, die im Frühjahrsgutachten auch angesprochen werden. So ist die anhaltende Konsumflaute alles andere als eine bloße Laune der Verbraucher. Sie spiegelt vielmehr die wachsende Sorge um die persönliche Alterssicherung und auch die Reaktion auf immer neue Einkommenskürzungen und Abgabenbelastungen wider. Auch die Weltwirtschaft ist nicht ohne Risiken, die derzeit vor allem von den hohen Rohstoffpreisen, mittelfristig aber auch von dem hohen Budget- und Leistungsbilanzdefizit der USA ausgehen. Und schließlich ist angesichts bevorstehender Wahlen auch der Reformeifer der Politik spürbar erlahmt, was das Vertrauen in die Zukunft insbesondere bei den Unternehmen nicht gerade stärkt.

Immerhin, die Auftragseingänge in Industrie und Bauwirtschaft haben sich erst einmal wieder gefangen, und insbesondere die Inlandsinvestitionen haben zuletzt merklich zugelegt. Das will zwar wegen der starken, teilweise auch witterungsbedingten Schwankungen noch nicht allzu viel besagen. Die Gefahr eines neuerlichen Abschwungs ist aber wohl derzeit gering. Sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass die deutsche Wirtschaft vorerst im Schlepptau der weltwirtschaftlichen Erholung bleibt, ohne dieser selbst Impulse geben zu können.

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