Handelsblatt-Barclays-Indikator
Industrie legt kleine Verschnaufpause ein

Nach ihrem Rückgang im Oktober ist die Industrieproduktion wieder auf Wachstumskurs. Davon geht die Investmentbank Barclays Capital mit Blick auf die entsprechenden Wirtschaftsindikatoren aus. Gleichzeitig prognostizieren die Analysten des Geldhauses eine deutliche Veränderung bei der Zusammensetzung des BIP-Wachstums in den kommenden Quartalen.
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FRANKFURT. Barclays Capital berechnet jeden Monat für das Handelsblatt den Handelsblatt-Barclays-BIP-Indikator. Dieser zeigt für das vierte Quartal ein voraussichtliches Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,7 Prozent und für das Folgequartal von 0,6 Prozent an.

Ihren Optimismus für den Rest des Jahres beziehen Barclays Capital vor allem aus Umfrageergebnissen. So sei der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie im November auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen, und auch der Ifo-Geschäftsklimaindex habe kräftig zugelegt. „Aber auch die neusten harten Daten deuten auf fortgesetzte Dynamik hin“, sagte Barclays-Analyst James Ashley. So habe die deutsche Stahlproduktion zuletzt kräftig zugelegt.

Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte, ist die Produktion im verarbeitenden Gewerbe im Oktober um 1,6 Prozent gesunken, nachdem sie im Vormonat um 3,7 Prozent zugelegt hatte. Bisher war die Industrie und hier insbesondere die Exportwirtschaft das alleinige Zugpferd der konjunkturellen Erholung.

Einige Bankvolkswirte sahen sich durch den für sie unerwarteten Produktionsrückgang veranlasst, ihre Wachstumsprognosen zu überprüfen. „Bisher hatten wir eine leichte Wachstumsabschwächung von 0,7 Prozent im dritten auf 0,5 Prozent im vierten Quartal prognostiziert, das sieht jetzt etwas optimistisch aus“, meinte Elga Bartsch, Europa-Chefvolkswirtin von Morgan Stanley. Auch Arnd Schäfer von der West LB rechnet im vierten Quartal nur mit 0,5 Prozent Wachstum und im Gesamtjahr 2010 mit 1,3 Prozent. Demgegenüber prognostiziert Barclays auf Grundlage der jüngsten Indikatorwerte ein Wachstum 2010 von 2,4 Prozent. Ashley wurde von der schwachen Industrieproduktion nicht überrascht, da er entgegen der Mehrheitsprognose der Bankvolkswirte einen Rückgang vorausgesagt hatte.

Auf der anderen Seite gibt es auch Volkswirte, die der deutschen Wirtschaft ein noch stärkeres Wachstum im vierten Quartal zutrauen. Ein monatlicher Rückgang bedeute wenig, meinte Dirk Schumacher von der Investmentbank Goldman Sachs in Frankfurt. Er traut der Wirtschaft ein Wachstum von einem Prozent im Schlussquartal zu.

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