Handelsblatt-Barclays-Indikator
Konjunktur-Absturz nicht in Sicht

Die deutsche Konjunktur dürfte zum Jahresende nur eine kurze Schwächephase erleben. Die Aussichten für 2008 sind nach dem Handelsblatt-Barclays-Indikator gut. Damit deutet bislang nichts darauf hin, dass die Finanzmarktkrise nennenswerte realwirtschaftliche Folgen haben wird.

doh/sce BRÜSSEL/FRANKFURT. Das zeigt der Handelsblatt-Barclays-Indikator, den die britische Investmentbank monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Nach einem schwachen vierten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft 2008 dann um zwei bis 2,25 Prozent zulegen. Auch die Mehrheit der Bankökonomen rechnet mit einem starken Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr. Nur der Sachverständigenrat ist mit einer Wachstumsprognose von 1,9 Prozent pessimistischer.

EU-Währungskommissar Joaquin Almunia sprach bei der Vorlage seines Herbstgutachtens von „weiterhin soliden ökonomischen Grunddaten in Europa“. Allerdings revidierte die Kommission wie zuvor andere Organisationen ihre Wachstumsprognose leicht nach unten. Almunia rechnet für die EU nach 2,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr mit 2,4 Prozent in 2008 und 2009. Damit fällt die Prognose um 0,3 Punkte geringer aus als vor sechs Monaten.

Im Euroraum wird die Wirtschaft nach 2,6 in 2007 nur noch um 2,2 Prozent in 2008 und um 2,1 Prozent in 2009 wachsen. „Wir müssen heute größere Unsicherheiten registrieren als noch vor sechs Monaten“, kommentierte der EU-Kommissar die jüngsten Zahlen.

Für Deutschland signalisiert der Barclays-Indikator für die Monate Juli bis September einen unerwartet kräftigen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,8 Prozent; bislang war ein Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,7 Prozent erwartet worden. Für das vierte Quartal sagt der Konjunkturindikator dann nur noch ein BIP-Anstieg von 0,35 Prozent vorher.

Die Wirtschaft des gesamten Euro-Raums wuchs den Barclays-Berechnungen zufolge im dritten Quartal noch kräftiger als in Deutschland: um 0,85 Prozent im Vorquartalsvergleich. Die ersten amtlichen Daten für den Währungsraum und auch für Deutschland werden diese Woche bekannt gegeben.

Ausschlaggebend für die Stärke im zu Ende gegangenen Quartal ist aus Sicht der Experten von Barclays Capital in Deutschland unter anderem der Einzelhandel, der sich nach einem schwachen August im September „stärker als erwartet" entwickelt habe, kommentierte Nick Matthews, Volkswirt der Bank. Insgesamt sei der private Konsum im dritten Quartal angekurbelt worden. Auch das produzierende Gewerbe, mit Ausnahme des Bausektors, hat sich in den zurückliegenden Monaten robuster entwickelt als von Volkswirten erwartet. Im September war der Sektor um 0,3 Prozent im Vormonatsvergleich gewachsen, im August um knapp zwei Prozent und damit mehr als zunächst gemeldet.

„Die Industrieproduktion erweist sich einmal mehr als Hauptantriebskraft der deutschen Wirtschaft“, sagt der Barclays-Experte Matthews. Der für die Konjunktur bedeutsame Sektor legte im dritten Vierteljahr um 2,1 Prozent verglichen mit dem Vorquartal zu. Das war der größte Zuwachs seit dem Schlussquartal des Jahres 2003, als der Bereich um 2,4 Prozent gestiegen war. Dass der Handelsblatt-Barclays-Indikator für das Schlussquartal mit 0,35 Prozent deutlich schlechter ausfällt als im dritten Quartal, begründen die Konjunkturexperten in London unter anderem mit geschwächten Stimmungsindikatoren. So war der Ifo-Geschäftsklima-Index im Oktober das sechste Mal in Folge gesunken. Informationen des verarbeitenden Gewerbes deuteten einen erheblichen Rückgang der Auftragseingänge an.

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