Handelsblatt-Barclays-Indikator
Konjunktur findet zu alter Stärke zurück

Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft: Der Handelsblatt-Barclays-Indikator sagt zwar für das vergangene Quartal ein schwaches Wachstum für Deutschland voraus – das dritte Vierteljahr wird aber deutlich besser.

DÜSSELDORF. Nach einem schwachen zweiten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft im dritten Vierteljahr wieder einen Gang zulegen. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator prognostiziert für das zweite Quartal einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von nur 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Für das dritte Quartal sagt der Indikator mit 0,7 Prozent ein viel kräftigeres Wachstum vorher. Zu Jahresbeginn hatte die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent zugelegt.

Die Konjunkturexperten von Barclays Capital hatten bereits im Juli vorhergesagt, dass das schwache Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal nur temporär sein dürfte. Damals hatten sie noch mit einer deutlicheren Abschwächung auf nur 0,2 Prozent gerechnet. Dass der Indikator für das zweite Quartal gegenüber Juli nun leicht anstieg, erklärt Europa-Chefvolkswirt, Julian Callow ,damit, dass die Statistiker zwischenzeitlich die Produktionsdaten für die Monate April und Mai deutlich nach oben revidiert haben.

Als Ursachen für die schwache Wirtschaftsentwicklung in den Monaten April bis Juni zählen die Experten von Barclays Capital mehrere Faktoren auf: Erstens eine große Anzahl zusätzlicher Feiertage, die zudem so genannte Brückentage nach sich gezogen hätten. Zweitens beträchtliche Rückgänge im Bausektor, die auf Grund des zuvor milden und für die Bauindustrie erfolgreichen Winters durch statistische Sondereffekte entstanden seien. Und drittens einen Rückgang der öffentlichen Konsumausgaben.

Die Feiertage und die Normalisierung im Bausektor haben aus Sicht der Londoner Ökonomen die Produktion des produzierenden Gewerbes erheblich gedrückt. Nachdem sie im ersten Vierteljahr 2007 um knapp zwei Prozent noch kräftig gestiegen war, erhöhte sie sich im anschließenden Quartal gerade einmal um 0,1 Prozent. „Wir erwarten aber, dass diese Verlangsamung nur temporär ist“, sagt Callow. Dafür sprächen vor allem das gestiegene Geschäftsklima in diesem Sektor und die zuletzt starken Auftragseingänge der Industrie.

Die wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren hatten sich zuletzt widersprüchlich entwickelt: Während die Industrie im Juni insbesondere auf Grund von Großaufträgen unerwartet viele Order verbucht hatte, war die Produktion im gleichen Monat rückläufig. Die Herstellung im produzierenden Gewerbe sank im Juni preis- und saisonbereinigt um 0,4 Prozent. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium gestern mit. Im Mai war sie noch um 1,9 Prozent im Vormonatsvergleich gestiegen. Einzig die Energieerzeugung stieg im Juni im Vormonatsvergleich um 2,2 Prozent. Die Erzeugung im Bauhauptgewerbe sank deutlich um 2,1 Prozent, die Industrieproduktion schwächte sich leicht um 0,5 Prozent ab.

Bereits nach dem Rückgang des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe geäußerte Sorgen, dass sich der seit 2003 andauernde Industrieboom seinem Ende nähert, halten etwa die Bankökonomen der WestLB für überzogen und argumentieren mit den kräftigen Auftragseingängen. Seit Jahresbeginn hätten sie „beträchtlich“, um knapp zwölf Prozent, zugelegt.

Auch bedingt durch die Erwartung, dass sich das dritte Vierteljahr stark entwickeln wird, rechnen die Volkswirte der Investmentbank Barclays Capital für das Gesamtjahr mit einem Anstieg des BIP um 2,6 Prozent. Mit 2,7 Prozent wird das Wirtschaftswachstum in der gesamten Euro-Zone im Gesamtjahr nach der Barclays-Prognose einen Tick höher liegen. Ihr Euro-Indikator für das vergangene zweite Quartal liegt mit 0,45 Prozent ebenso wie der für Deutschland am unteren Rand dessen, was Bankvolkswirte Umfragen zufolge prognostizieren. Erste amtliche Zahlen für Deutschland legt das Statistische Bundesamt für das zurückliegende Quartal am kommenden Dienstag vor.

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