Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator sinkt im April: Schmalspur-Wachstum in Euro-Land

Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator sinkt im April
Schmalspur-Wachstum in Euro-Land

Die Wirtschaft in der Euro-Zone steckt in einer Vertrauenskrise: Konsumenten haben Angst vor steigender Arbeitslosigkeit, und auch die Unternehmer werden immer pessimistischer. Nur Liquidität ist ausreichend vorhanden.

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HB DÜSSELDORF. Nach fünf Monaten Stagnation ist im April Bewegung in den Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator gekommen. Leider in die falsche Richtung: Der Indikator ist gesunken – wenn auch nur marginal von 1,2 auf 1,1 % in gleitender Jahresrate (Definition siehe rechts). Damit signalisiert das Barometer nun für die Euro-Zone nur noch ein „Schmalspurwachstum“ von etwa 1 % in diesem Jahr. Das ist die Interpretation von Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Münster, der den Indikator entwickelt hat und ihn monatlich berechnet. Die EU-Kommission geht in ihrer aktuellen Frühjahrsprognose von einem Wachstum in gleicher Größenordnung aus. „Das ist zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig“, sagt der Ökonom. Der Arbeitsmarkt dürfte davon zumindest nicht den nötigen Schwung bekommen.

In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um etwa 1,2 % über dem entsprechenden Vorjahresstand liegen. Das wäre zumindest etwas mehr als das 2002 im gleichen Zeitraum erzielte Plus von 0,8 %. „Von Wachstumsdynamik kann dennoch beim besten Willen keine Rede sein“, sagt van Suntum.

Grund für den Rückgang des Indikators ist die Vertrauenskrise in den Ländern der Euro-Zone: Die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern hat sich im März erneut verschlechtert. Bei Konsumenten geht die Angst vor Arbeitslosigkeit und vor einer Verschlechterung der persönlichen finanziellen Verhältnisse um. Unternehmer klagten über sinkende Aufträge. Die jüngsten verfügbaren harten Konjunkturdaten zur Industrieproduktion zeigen, dass die Produktion im Januar zwar gegenüber Februar gestiegen ist. Allerdings reichte der Anstieg nicht aus, um den Rückgang von Februar auszugleichen. Vor allem die deutsche Volkswirtschaft belastet Euro-Land. „Solange sie mut- und kraftlos vor sich hindümpelt, kann auch der Euro-Raum kaum richtig auf die Füße kommen“, meint van Suntum.

Expansiv wirkte sich auf die Wirtschaftsentwicklung zuletzt allein die gestiegene Geldmenge M1 aus – in ihr werden Bargeld sowie täglich fällige Guthaben bei Banken erfasst. „Fehlende Liquidität ist sicher nicht das Problem der Konjunktur in Euro-Land“, sagt van Suntum. „Was fehlt, ist das Vertrauen in die Zukunft.“ Das würde sich auch nicht verbessern, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erneut senken würde, meint der Ökonom. Statt dessen führe die „überreichliche“ Versorgung mit Geld dazu, dass „man sich allmählich wieder ernsthafte Sorgen um die Geldwertstabilität machen muss.“

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