Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator stagniert
Euro-Zone droht Konjunktur-Rückschlag

Die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum bleiben bis in den Herbst hinein schlecht. Dies zeigt der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator.

HB DÜSSELDORF. Der Indikator stagnierte im Juni bei 1,2 % – und lässt damit keine Anzeichen für eine Trendwende erkennen.

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Im Gegenteil: Mit Ausnahme der weiter rückläufigen Inflationsrate haben sich zuletzt alle in das Prognose-Instrument eingehenden Einzeldaten verschlechtert. „Damit wächst sogar die Gefahr eines neuerlichen Konjunktur-Rückschlages“, sagt der in Münster lehrende Ökonomie-Professor Ulrich van Suntum, der die Handelsblatt-Indikatoren entwickelt hat und sie betreut. Der Eurokonjunktur-Indikator des Handelsblatts wurde 1999 erstmals veröffentlicht.

Schon im ersten Quartal hat die Wirtschaft im Euro-Raum nur noch stagniert. Umgerechnet auf die gleitende Jahresrate nahm das Bruttoinlandsprodukt der zwölf Mitgliedsländer als Referenzgröße für den Handelsblatt-Indikator nur minimal von 0,8 % auf 0,9 % zu. Sie lag damit etwas unter der Prognose des Eurokonjunktur-Indikators von 1,1 % für das erste Quartal. Die aktuellen Werte des Indikators wurden wegen des eingebauten „Selbstlerneffekts“ entsprechend leicht nach unten korrigiert. Sie deuten nun auch für das zweite und dritte Quartal nur noch auf ein schwächeres Wachstum von jeweils 1,2 % im Vorjahresvergleich hin.

Sollte sich der aktuelle Negativtrend der in den Indikator eingehenden Einzelgrößen in den kommenden Monaten fortsetzen, könnte für das Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr 2003 „sogar die Eins vor dem Komma noch in Gefahr geraten“, warnt van Suntum.

Skeptisch stimmt vor allem die anhaltende Lethargie von Unternehmen und Konsumenten im Euro-Raum. Trotz entspannter weltpolitischer Lage, sinkenden Ölpreisen und wieder anziehenden Aktienkursen kommt bisher kein neuer Optimismus auf. „Die Verbraucher sehen allenthalben neue Belastungen auf sich zukommen“, sagt van Suntum. Viele machen sich auch Sorgen um ihre Arbeitsplätze und die Altersvorsorge, wie die Umfragen der Europäischen Union belegen.

Aber auch die Stimmung bei den Industrieunternehmen hat sich seit Jahresbeginn kontinuierlich weiter verschlechtert. Vor allem die Auftragslage für Exporte wird von Monat zu Monat in Folge des steigenden Euro-Kurses schlechter beurteilt. Auch im Binnenmarkt lässt sich der Absatz vielfach nur noch mit hohen Preiszugeständnissen einigermaßen stabilisieren.

Deutschland spielt bei alldem eine unrühmliche Führungsrolle. Die Industrieproduktion war zuletzt schwach – und in keinem anderen Land hat sich das Verbrauchervertrauen so stark eingetrübt wie hier. Zudem war die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone auch beim Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit – 0,2 % das Schlusslicht unter den großen Ländern. Nur in den Niederlanden – einer deutlich kleineren Volkswirtschaft – war der Rückgang (– 0,3 %) noch stärker.

Tommasco Padoa-Schioppa, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), räumte am Wochenende in einem Interview mit „La Stampa“ ein, dass die EZB noch nicht völlig verstanden habe, was mit dem Wachstum falsch laufe. Die Euro-Zone sei nicht in einer Rezession und es gebe auch keine Befürchtungen hinsichtlich des Eintretens in eine Deflationsspirale. Ob die jüngste Zinssenkung dem Wachstum auf die Sprünge helfen wird, halten viele Volkswirte angesichts des bereits niedrigen Zinsniveaus und de starken Anstiegs der Geldmenge für zweifelhaft.

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