Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator steigt auf höchsten Stand seit Mitte 2001: Euro-Wirtschaft gewinnt an Fahrt

Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator steigt auf höchsten Stand seit Mitte 2001
Euro-Wirtschaft gewinnt an Fahrt

Der Höhenflug des Euros ist derzeit keine unmittelbare Bedrohung für die Konjunktur in der Euro-Zone – dafür spricht der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator im Februar. Das Barometer, das der Entwicklung der Gesamtwirtschaft rund drei Monate voraus läuft, signalisiert: Trotz der deutlichen Aufwertung der Gemeinschaftswährung in den vergangenen Monaten kommt die Wirtschaft im Euro-Raum im ersten Quartal 2004 wieder stärker in Schwung – und im Laufe des zweiten Quartals dürfte sich die Aufwärtsentwicklung weiter fortsetzen.

ost/HB DÜSSELDORF. „Die Konjunktur-Erholung festigt sich“, kommentiert Ulrich van Suntum, Ökonomie- Professor an der Universität Münster, der den Indikator konzipiert hat und ihn monatlich berechnet.

Der Indikator zeigt, dass die Konjunktur-Aussichten im Euro-Raum derzeit so gut sind wie schon lange nicht mehr: Im Februar kletterte er auf den höchsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren. Gegenüber Januar stieg er um 0,2 Punkte auf 1,7 % – die lange Seitwärtsbewegung des Jahres 2003 ist damit Vergangenheit, inzwischen liegt das Barometer auch deutlich über dem Stand unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Auch der unerwartete Schwächeanfall, den der Index im Dezember erlitten hat – damals war er nach revidierten Daten um 0,2 Punkte auf 1,4 % gefallen – hat sich nur als vorübergehende Verschnaufpause erwiesen.

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Doch trotz aller guten Nachrichten ändert sich bislang nichts an dem Bild einer vorerst nur mühsamen Aufwärtsentwicklung: Das Wachstum, das der Indikator für das erste Quartal prognostiziert, ist mit 1,1 % in gleitender Jahresrate zwar fast doppelt so hoch wie im Vorquartal 2003 (0,6 %) – im Vergleich zu den Boomjahren 1999 und 2000 ist die Aufwärtsentwicklung aber nach wie vor nur moderat. Damals legte das reale Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum von Quartal zu Quartal mit gleitenden Jahresraten von deutlich über 2 % zu. „In Anbetracht des hohen Euro-Kurses kann sich Euro-Land mit den prognostizierten Werten zwar durchaus sehen lassen, allerdings wachsen die Bäume vorerst nicht in den Himmel“, betont van Suntum.

Zudem wird der Konjunktur-Ausblick noch immer durch mehrere Risiko-Faktoren belastet. Zum einen befürchten zahlreiche Volkswirte, dass die Euro-Aufwertung ab der zweiten Jahreshälfte größere Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum hinterlassen könnte – schließlich wirken Wechselkurseffekte erfahrungsgemäß erst mit einer Zeitverzögerung von mehreren Monaten. Und ab der zweiten Jahreshälfte könnte sich zudem das rasante Wachstum der Weltwirtschaft, das derzeit die negativen Folgen der Euro-Aufwertung mehr als ausgleicht, verlangsamen – vor allem, weil ab dem Sommer in den USA die stimulierenden Effekte der Steuersenkungen auslaufen.

Ab der Jahresmitte könnte die Wirtschaft in der Euro-Zone wieder stärker auf die heimische Nachfrage angewiesen sein – und für die sieht es nach wie vor nicht sonderlich gut aus. Denn bislang ist die langsame Konjunktur-Erholung an der Stimmung der Konsumenten fast vollständig vorbeigegangen: Das Verbrauchervertrauen hat sich in den letzten sechs Monaten nur um magere zwei Punkte erholt. Damit sind die Verbraucher sogar pessimistischer als kurz nach dem 11. September 2001. In den meisten Ländern der Euro-Zone hat sich die Stimmung der Verbraucher zuletzt sogar wieder etwas verdüstert. „Der weiterhin schwache Konsum ist die Achillesferse der Konjunktur“, warnt van Suntum.

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