Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator steigt im Oktober spürbar an
Neue Hoffnung für die Euro-Zone

Ein Ende der Konjunktur-Flaute in der Euro-Zone wird wahrscheinlicher. Der Handelsblatt-Eurokonjunktur- Indikator, der dem Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone etwa drei Monate voraus läuft, ist im Oktober so stark gestiegen wie seit Jahresbeginn nicht mehr. Es spricht damit für eine allmähliche Belebung der Wirtschaft ab der Jahreswende – wenn an den Devisenmärkten nichts Unvorhergesehenes passiert und eine deutliche Aufwertung des Euros ausbleibt.

ost/HB DÜSSELDORF. Im Oktober kletterte der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator auf den höchsten Stand seit März. Zudem wurde der Wert für September leicht nach oben korrigiert. Damit ist der Indikator zum dritten Mal in Folge gestiegen. Zuvor war er ein halbes Jahr lang auf niedrigem Niveau stagniert.

„Die Konjunktur in der Euro-Zone ist unverkennbar auf Erholungskurs gegangen“, kommentiert Ulrich van Suntum – der Ökonomie-Professor der Universität Münster hat den Indikator konzipiert und berechnet ihn monatlich. Van Suntum warnt allerdings zugleich vor zu hohen Erwartungen: „Das Wort Aufschwung will nach der langen Tristesse noch nicht so recht über die Lippen kommen.“

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Aber immerhin: Der Indikator signalisiert, dass sich das Wirtschaftswachstum ab Anfang nächsten Jahres wieder etwas belebt. Im Januar dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt in gleitender Jahresrate um 1,4 % wachsen. Für das dritte Quartal sagt der Indikator dagegen noch einmal einen leichten Rückgang des Wachstumstrends von 1,0 auf 0,8 % in gleitender Jahresrate voraus. Im letzten Jahresviertel dürfte die Konjunktur dagegen mit einem Plus von 0,9 % schon wieder etwas besser laufen. „Beim Zuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal könnte dann sogar schon wieder eine Eins vor dem Komma stehen“, sagt van Suntum.

Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator stützt damit die bei Volkswirten verbreitete Hoffnung auf eine allmähliche Belebung der Konjunktur in der Euro-Zone ab dem Jahresende. So prognostiziert die EU-Kommission beispielsweise, dass sich das Wirtschaftswachstum ab dem vierten Quartal wieder beschleunigt.

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, gibt sich ebenfalls optimistisch: „Es gibt mehrere ermutigende Signale, dass es in der zweiten Hälfte dieses Jahres eine Erholung geben wird und dass sich die wirtschaftliche Aktivität 2004 noch verstärken wird.“ Die Notenbanker seien zuversichtlich, dass „die Erholung jetzt auf dem Weg ist“. Volkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank noch einige Zeit an ihrem historisch niedrigen Leitzins von 2 % festhält, wenn die Wirtschaft in der Euro-Zone wie von der EZB erwartet nur langsam in Schwung kommt.

Als zentrales Risiko für die Konjunktur-Erholung sehen Volkswirte eine mögliche deutliche Aufwertung des Euros. Die Gemeinschaftswährung ist seit Ende August knapp 10 % gegenüber dem US-Dollar gestiegen und liegt inzwischen nahe dem Allzeit-Hoch von 1,1933 US-Dollar. „Die Dollar-Unsicherheit erschwert den Ausblick für die Euro-Zone“, betont Holger Sandte, Volkswirt bei der WestLB. Sollte die der Euro in den nächsten Wochen und Monaten auf 1,30 US-Dollar steigen, „würde die Ausfuhr und die gesamte Konjunktur erheblich belastet“. Selbst eine weitere Zinssenkung der EZB könne diesen Effekt dann nicht kompensieren. Allerdings: Einen solch drastischen Kursrutsch der US-Währung hält Sandte für unwahrscheinlich.

  • Das Industrievertrauen im Euro-Raum (Gewicht im Indikator: 15 %) hat sich sowohl im August als auch im September deutlich verbessert. Mit –9 Punkten liegt es auf dem höchsten Stand seit Oktober letzten Jahres. Besonders stark war der Stimmungsumschwung in Deutschland mit einem Plus von –21 auf –14 Punkte in den vergangenen beiden Monaten.
  • Das Konsumentenvertrauen (Gewicht: 15 %) verharrte im September auf seinem Vormonatswert von –17 Punkten. Die Verbraucher sehen ihre eigene finanzielle Situation immer noch sehr skeptisch, vertrauen aber zunehmend auf eine Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage. Der vor einem halben Jahr erreichte Tiefpunkt von -21 Punkten scheint endgültig überwunden. Seitdem zeigt der Trend wieder nach oben.
  • Die Industrieproduktion (Gewicht 25 %) hat sich nach dem bescheidenen Anstieg im Vormonat von 0,1 % im Juli um weitere 0,6 % erholt. Nachdem sie seit zwei Jahren mehr oder weniger nur stagniert hat, ist dies ein neuer Anlauf zu einer besseren Entwicklung. Noch sind die Produktionszahlen in den zwölf Euroländern allerdings sehr unterschiedlich und unstetig.
  • Die Geldmenge M1 (Gewicht: 30 %) ist im August mit 12,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat nochmals schneller gewachsen als im Vormonat. Gegenüber Juli legte sie saisonbereinigt um 1,1 % zu. Auch die Geldmenge M3 liegt mit 8,6 % unvermindert weit über ihrem entsprechenden Vorjahresniveau.
  • Die Inflationsrate (Gewicht: 15 %) ist im August mit 2,1 % gegenüber dem Juli-Wert von 1,9 % wieder angezogen. Für September schätzt die europäische Statistikbehörde Eurostat die Geldentwertung ebenfalls auf 2,1 %. Eine deutliche Beschleunigung zeichnet sich für die nähere Zukunft nicht ab, zumal der starke Euro-Kurs die Importpreise dämpft.

Definition: Der Indikator soll frühzeitig Wendepunkte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung anzeigen und läuft ihr etwa drei Monate voraus. Referenzgröße ist die gleitende Jahresrate des realen Bruttoinlandsprodukts. Das ist die Veränderung in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen.

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