Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator auf Seitwärtskurs
Eurokonjunktur geht ohne Dynamik ins dritte Quartal

Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator lässt für das dritte Quartal ein Wachstum von 1,8% in gleitender Jahresrate erwarten, nach prognostizierten 1,9% im ersten und ebenfalls 1,8% im zweiten Quartal.

DÜSSELDORF. Auch im vergangenen Jahr war die Wirtschaft der Eurozone um 1,8% gewachsen. Sowohl die EU-Kommission als auch der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarten für 2005 ein leichtes Absinken dieser Rate auf 1,6%. Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator lässt derzeit also noch Hoffnung, dass es etwas besser laufen könnte. Allerdings liegt seine Differenz zu den Vorhersagen von EU und IWF im Rahmen der normalen Prognoseunschärfe. Zudem bezieht sich sein aktueller Wert von 1,8% noch nicht auf das Gesamtjahr, sondern gibt den voraussichtlichen Wachstumstrend zur Jahresmitte an .

Die jüngsten Konjunkturdaten liefern ein uneinheitliches Bild. Einerseits haben sich Produktion und Auftragseingänge in den letzten Monaten trendmäßig stabilisiert. Die Industrieproduktion ist im Dezember und Januar jeweils um 0,5% gestiegen, und die Auftragseingänge sind nach dem deutlichen Nachfrageschub im Dezember zu Jahresbeginn weniger stark zurückgegangen, als man hätte befürchten können. Im Trend weist die Nachfrage im sogenannten Auftragsorientierten Verarbeitenden Gewerbe der Eurozone damit wie schon seit fünf Monaten weiterhin nach oben. Auch von der Geldmengenentwicklung her stehen die Zeichen weiter auf Expansion, vor allem was die in der Geldmenge M1 erfassten, liquiditätsnahen Anlagenformen betrifft. Hier hat die Zuwachsrate von zuletzt fast 10% schon wieder eher beängstigende Ausmaße angenommen.

Offensichtlich erwarten die Anleger für die Zukunft wieder steigende Inflationsraten und versuchen durch eher kurzfristige Geldanlagen, ihr Pulver trocken zu halten. Für die Konjunktur ist das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist Liquidität im Überfluss vorhanden, andererseits muss man angesichts der steigenden Inflationsrisiken wohl spätestens im Herbst mit Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank rechnen.

Das ist alles andere als ein gemütliches Szenario, denn die konjunkturelle Situation ist schon jetzt mehr als labil. Trotz der zuletzt eher günstigen Nachfrageentwicklung hat sich das Industrievertrauen im März zum vierten mal in Folge eingetrübt, und das sogar recht kräftig. Die Stimmung ist inzwischen so schlecht wie zuletzt im Dezember 2003. Erstmals seit neun Monaten ist auch das Konsumentenvertrauen wieder zurückgegangen. Unverändert hohe Arbeitslosigkeit von knapp 9% in der Eurozone bei sinkenden Wachstumsraten, steigende Energiepreise und hoher Eurokurs - das ist ein Cocktail, der auch wenig geeignet ist, Optimismus aufkommen zu lassen.

>>Handelsblatt Eurokonjuktur-Indikator

Die aktuelle Indikatorvorhersage für das dritte Quartal ist noch vorläufig, das sie erst auf der Datenlage des Monats April basiert. Sollte sich die Stimmungslage in den kommenden Monaten weiter zuziehen, würde das sehr ernste Sorgen für die Eurokonjunktur bedeuten. Eine sich weiter abschwächende Weltkonjunktur träfe Euroland besonders hart, und zwar nicht nur wegen des hohen Wechselkurses. Da die strukturellen Hausaufgaben noch immer nicht gemacht wurden, bedeutet leider nach wie vor jeder Schnupfen der Weltkonjunktur für Europa meistens eine ausgewachsene Bronchitis.

Die Ergebnisse des Indikators im einzelnen (Gewichte in Klammern) :

  • Das Industrievertrauen

    im Euroraum (Gewicht: 5%) hat sich saisonbereinigt im März weiter von –6 auf –8 Punkte verschlechtert. Sowohl die Auftragseingänge als auch die Produktionserwartungen wurden ungünstiger eingeschätzt als im Vormonat, nicht zuletzt auch in Deutschland. Das deckt sich mit den jüngsten Daten für den Ordereingang.
  • Das Konsumentenvertrauen

    (Gewicht: 24%) ist im März nach fünfmonatiger Stagnation in Folge erstmals wieder schwächer geworden. Der aktuelle Rückgang von saisonbereinigt –13 auf –14 Punkte beruht vor allem auf einer ungünstigeren Einschätzung der eigenen finanziellen Situation. Zudem wollen die Konsumenten in näherer Zukunft noch stärker sparen.
  • Die Industrieproduktion

    (Gewicht: 29%) ist im Januar wie schon im Dezember um 0,5% angestiegen. Sie liegt damit allerdings nur um 2,2% über Vorjahresniveau, da in den letzten neun Monaten bei starken monatlichen Schwankungen unter dem Strich kaum ein Zuwachs erzielt worden ist.
  • Die Zuwachsrate der Geldmenge M

    1 (Gewicht: 23%) ist im Februar weiter von 9,3% auf 9,9% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat angestiegen. Dagegen hat sich die Zuwachsrate der weiter abgegrenzten Geldmenge M3 von 6,6% auf 6,4% leicht ermäßigt.
  • Die Auftragseingänge der Industrie

    (Gewicht: 19%) sind im Januar um 5,8% gesunken, was aber im wesentlichen eine technische Gegenreaktion auf den starken Anstieg von 8,2% im Dezember war. Das zeigt sich vor allem im Fahrzeugbau, der im Dezember stark von Großaufträgen profitiert hatte und im Januar praktisch wieder auf das Odervolumen vom November zurückgefallen ist. Insgesamt lag die Nachfrage im auftragsorientierten Verarbeitenden Gewerbe der Eurozone zuletzt um 8,5% über ihrem entsprechenden Vorjahresniveau.
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