Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator in Seitwärtsbewegung: Irak-Krise lähmt alle Auftriebskräfte

Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator in Seitwärtsbewegung
Irak-Krise lähmt alle Auftriebskräfte

Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator hat auch im Februar seine seit vier Monaten anhaltende Seitwärtsbewegung fortgesetzt. Mit 2 Prozent blieb er auf dem (leicht nach oben korrigierten) Stand vom Januar und signalisiert damit durchaus eine gewisse Aufwärtstendenz im Euroraum.

So hat vor allem die Industrieproduktion zuletzt kräftig zugelegt und damit ihren schon seit letztem Sommer eingeschlagenen Erholungskurs bestätigt. Allerdings stammen hier die derzeit aktuellsten Daten noch vom November, und von überschäumender Dynamik kann ohnehin keine Rede sein. So liegt der in den Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator eingehende, von einzelnen Monatsschwankungen bereinigte Wachstumstrend der Industrieproduktion im Euroraum noch immer unter seinem langfristigen Mittelwert von rund 0,6 %. Die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe ist im vierten Quartal sogar wieder leicht zurückgegangen. Mit knapp über 81 % lag sie nach zwischenzeitlicher Erholung damit wieder exakt auf dem Stand vom Jahresanfang 2002.

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Das größte Problem der Eurokonjunktur liegt derzeit in der tiefen Verunsicherung der Investoren, mehr noch aber der Verbraucher. Neben den ohnehin vorhandenen Belastungsfaktoren wie Börsencrash und vor sich hindümpelnder Weltkonjunktur legt sich zunehmend der drohende Irak-Krieg wie ein schwerer Schatten über alle Konjunkturhoffnungen. Das von der EU monatlich ermittelte Industrievertrauen hat seinen ohnehin labilen Erholungskurs im Januar erneut unterbrochen und ist erstmals seit sechs Monaten wieder zurückgefallen. Trotz inzwischen wieder besser gefüllter Auftragsbücher schrauben die Unternehmen ihre Produktionserwartungen zurück. Das läßt sich eigentlich nur dadurch erklären, daß sie sich große Sorgen um die Zukunft machen.

Noch viel stärker ist die Verunsicherung bei den Verbrauchern. Das Konsumentenvertrauen im Euroraum hat seinen steilen Absturz auch im Januar ungebremst fortgesetzt und liegt inzwischen auf dem tiefsten Stand seit gut sechs Jahren. Dabei ist es weniger ihre persönliche Situation als vielmehr die allgemeine Wirtschaftsentwicklung, die den Leuten jede Lust am Konsumieren nimmt. Kaum jemand glaubt derzeit noch an eine Konjunkturerholung in absehbarer Zeit, statt dessen hat die Angst vor wieder steigender Arbeitslosigkeit weiter zugenommen.

Vor diesem Hintergrund steht auch die Europäische Zentralbank mit ihrem Instrumentarium ziemlich hilflos da. Es nützt wenig, daß die Geldmenge M1 inzwischen mit fast zweistelliger Zuwachsrate steigt, wenn das Geld vorwiegend geparkt wird und nicht den Weg in den Wirtschaftskreislauf findet. Spiegelbild der überreichlich vorhandenen Liquidität sind die weiter sinkenden Zinsen, die aber trotzdem kaum jemanden zum Investieren verleiten. Auch der große Abstand zwischen Kapitalmarktzins und Geldzinsen, in normalen Zeiten ein durchaus positives Konjunktursignal, läuft derzeit weitgehend ins Leere.

Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum ist im dritten Quartal 2002 in saisonbereinigter Rechnung um 0,3% gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Der Handelsblatt-Euroindikator läßt durchaus Hoffnung auf eine leichte Belebung bis zur Jahresmitte. In diesem Fall könnte auch die von Eurostat erwartete Wachstumsrate von 1,8% im laufenden Jahr noch erreicht werden. Alle Konjunkturprognosen stehen oder fallen jedoch derzeit mit der weiteren Entwicklung in Nahost.

Die aktuellen Einzelgrößen (Gewichte in Klammern):

  • Das Industrievertrauen (Gewicht: 33,6 %) hat auf seinem mühsamen Erholungskurs im Januar einen neuerlichen Rückschlag erlitten und ist von –9 Punkten im Vormonat wieder auf –10 Punkte zurückgefallen. Damit ist die Stimmung der Unternehmen aber immer noch wesentlich günstiger als vor Jahresfrist (-15 Punkte). Zudem war die Entwicklung in den zwölf Euroländern recht unterschiedlich: Zunehmendem Pessimismus in Deutschland und Spanien stand z.B. zuletzt ein Vertrauensanstieg in Italien gegenüber.
  • Das Konsumentenvertrauen (Gewicht: 8,9 %) sackte im Dezember weiter auf den tiefsten Wert seit Mai 1997. Selbst nach den Anschlägen vom 11. September war die Stimmung mit damals –13 Punkten nicht so schlecht. Ausschlaggebend für den neuerlichen Rückgang war diesmal die dramatische Stimmungsverschlechterung in Frankreich, den Niederlanden und Belgien. In Deutschland blieb das Verbrauchervertrauen trotz geringfügiger Verbesserung auf dem niedrigen Niveau von –19 Punkten.
  • Die Industrieproduktion (Gewicht: 21,0 %) ist im Novemeber überraschend stark um 1 % gegenüber dem Vormonat angestiegen. Neben Deutschland (+2,4 %) haben dazu Frankreich (+1,2 %) und Griechenland (+4,6 %) maßgeblich beigetragen. Die positive Entwicklung eines einzelnen Monats sollte allerdings nicht überbewertet werden, da starke Schwankungen gerade bei dieser Einzelgröße an der Tagesordnung sind und auch Witterungseinflüsse und Sonderfaktoren oft eine große Rolle spielen.
  • Die Geldmenge M1 (Gewicht: 19,9 %) ist im Dezember saisonbereinigt zwar nicht mehr ganz so stark angestiegen wie im Vormonat, liegt aber gleichwohl mittlerweile um fast 10 % über ihrem entsprechenden Vorjahresstand. Dagegen hat sich das Wachstum der weiter abgegrenzten Geldmenge M3 zuletzt leicht auf 6,8 % zurückgebildet. Diese Entwicklung paßt zu der These, daß sich hinter der starken Geldmengenaufblähung vor allem der Aufbau hoher liquider Mittel in Wartestellung auf bessere Zeiten verbirgt..
  • Die Inflationsrate, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex für die 12 Euroländer (Gewicht: 3,9 %), ist im Dezember mit 2,3 % wieder auf ihren Stand vom Oktober angestiegen. Steigende Ölpreise und die überreichliche Geldversorgung könnten sie durchaus im weiteren Jahresverlauf weiter ansteigen lassen.
  • Die Zinsdifferenz (Gewicht: 12,7 %) hat sich im Januar leicht von 1,5 Prozentpunkten auf 1,4 Punkte zurückgebildet. Vorläufigen Daten ist die Durchschnittsrendite 10jähriger Staatsanleihen weiter von 4,41 % im Vormonat auf rd. 4,2 % gefallen. Auch der Dreimonatszins Euribor hat sich weiter von 2,94 % auf schätzungsweise 2,83 % verringert.
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