Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator sinkt auf 1,5%
Eurokonjunktur: Negative Entwicklung auf breiter Front

Die Konjunkturaussichten für die Eurozone werden immer düsterer. Das signalisiert der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator, der für das dritte Quartal jetzt nur noch ein Wachstum von 1,5% in gleitender Jahresrate (nach prognostizierten 1,7% im zweiten Quartal) erwarten lässt.

DÜSSELDORF. Die vorläufige Vorhersage des Indikators vom Mai für das dritte Quartal hatte mit 1,8% noch sehr viel freundlicher ausgesehen. Neben revidierten Zahlen für das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt, das dem Indikator als Referenzgröße dient, haben vor allem die enttäuschenden jüngsten Konjunkturdaten zu dem deutlichen Indikatorrückgang beigetragen. Mit Ausnahme der Geldmengenzuwachsrate sind alle Einzelgrößen zuletzt teils deutlich rückläufig gewesen.

Geradezu erschreckend ist die Stimmungsverschlechterung, welche die jüngsten Umfragen für den Euroraum ausweisen. Neben dem Verbrauchervertrauen liegt inzwischen auch das Industrievertrauen wieder unter seinem langfristigen Mittelwert. Insgesamt ist die Stimmung so schlecht wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Allein der Bausektor trotzt bisher noch dem allgemeinen Trend nach unten.

Auch die „harten“ Daten für Produktion und Auftragseingang in der Industrie weisen weiterhin nach unten. Saisonbereinigt ist die Industrieproduktion in den letzten sechs Monaten um insgesamt 1,1% gesunken, die Auftragseingänge haben im gleichen Zeitraum um 1% nachgegeben. Das sind zwar keine dramatischen Zahlen, aber sie deuten doch darauf hin, dass der Höhepunkt der Konjunktur – sofern man davon angesichts des schwachen Wachstums überhaupt sprechen kann – Ende 2004 überschritten worden ist.

Dieses Bild vermittelt auch die gleitende Jahresrate des BIP in Euroland. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres – und damit im Gesamtjahr 2004 – hatte das Wachstum in dieser Abgrenzung noch bei 1,7% gelegen. Dieser Wert wurde auch im ersten Quartal 2005 wieder erreicht, allerdings nur ganz knapp. Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator hatte hier sogar mit 1,8% noch einmal eine geringfügig bessere Entwicklung vorausgesehen. Für das dritte Quartal aber lässt er einen deutlichen Knick nach unten auf dann nur noch 1,5% in gleitender Jahresrate erwarten. Im Gesamtjahr zeichnet sich derzeit ein Wachstum von bestenfalls 1,4% im Euroraum ab. Sollte sich der Negativtrend in Produktion und Industrienachfrage in den kommenden Monaten weiter fortsetzen, könnte es auch noch weniger werden. Für die dringend nötige Erholung am Arbeitsmarkt wäre 2005 damit zu einem weiteren verlorenen Jahr geworden.

Das eigentlich beunruhigende ist aber weniger diese ernüchternde Wachstumsprognose als vielmehr der sich dahinter verbergende, negative Trend. Derzeit sind leider kaum handfeste Hoffnungszeichen zu erkennen, dass er sich in absehbarer Zeit wieder umkehren könnte.

>>Tabelle

Die aktuellen Einzelgrößen (Gewichte in Klammern)

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Das Industrievertrauen im Euroraum (Gewicht: 5%) hat sich saisonbereinigt im Mai zum sechsten mal in Folge von –9 auf –13 Punkte verschlechtert. Sowohl die Produktionserwartungen als auch die Auftragslage haben sich in der Einschätzung der Unternehmen zuletzt verschlechtert. Das gilt auch für die Auslandsnachfrage, die sich in den letzten Monaten sogar besonders stark eingetrübt hat.

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Das Konsumentenvertrauen (Gewicht: 24%) konnte seine zwischenzeitliche Erholung vom April nicht bestätigen und ging im Mai sogar wieder beschleunigt von –13 auf –15 Punkte zurück. Damit ist es auf den schlechtesten Wert seit exakt einem Jahr zurückgefallen. Neben der Einschätzung der eigenen finanziellen Lage hat sich vor allem auch die Beurteilung der allgemeinen Wirtschaftslage zuletzt stark von –14 auf –17 Punkte verschlechtert.

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Die Industrieproduktion (Gewicht: 29%) hat im Februar saisonbereinigt erneut leicht um 0,2% nachgegeben und lag damit wieder knapp unter ihrem entsprechenden Vorjahresstand. Die Einbußen gehen vor allem auf das Konto der Ge- und Verbrauchsgüter, während Energie und Investitionsgüter noch positive Vorzeichen sowohl im Vorjahresvergleich als auch gegenüber dem Vorquartal aufweisen.

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Die Zuwachsrate der Geldmenge M1 (Gewicht: 23%) blieb im April mit 9,3% exakt so hoch wie im Vormonat. Im Dreimonatsdurchschnitt Februar bis März lag das Geldmengenwachstum mit 9,6% sogar noch einen Tick höher. Nicht ganz so dynamisch hat sich die weiter abgegrenzte Geldmenge M3 entwickelt, die mit zuletzt 6,7% aber ebenfalls weit über der EZB-Zielmarke von 4,5% lag.

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Die Auftragseingänge der Industrie (Gewicht: 19%) sind im März ein weiteres mal gesunken, wobei das Minus mit 0,5% aber wesentlich moderater ausfiel als in den beiden Vormonaten. Nennenswert über Vorjahresniveau liegen jetzt nur noch der Fahrzeugbau (+3,9%) und die Chemische Industrie (+3%), während das Textil- und Bekleidungsgewerbe mit einem Rückstand von 13,9% das Schlusslicht markiert. Insgesamt unterschritt das Nachfrageniveau des auftragsorientierten Verarbeitenden Gewerbes sein entsprechendes Vorjahresniveau zuletzt um 0,7%.

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