Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator stagniert
Konjunktur quält sich mühsam aus der Talsohle

Der aktuelle Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator deutet auf einen allmählichen, aber nur mühsamen Weg aus der Konjunkturtalsohle in Euroland hin.

Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator deutet auf einen allmählichen, aber nur mühsamen Weg aus der Konjunkturtalsohle in Euroland hin. Im September blieb der Indikatorwert gegenüber dem Vormonat zwar unverändert, jedoch sind die Indikatorwerte ab April aufgrund der schwachen Inlandsproduktzahlen für das zweite Quartal um 0,2 Prozentpunkte nach unten korrigiert worden. Damit zeichnet sich für das Gesamtjahr 2003 jetzt ein reales BIP- Wachstum von 1% ab, das ist nur wenig mehr als im Vorjahr mit 0,8%.

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Mitte August hatte Eurostat, das Statistische Amt der EG in Luxemburg, eine Schnellschätzung für das BIP im zweiten Quartal herausgegeben, wonach die Euro-Wirtschaft gegenüber dem ersten Vierteljahr lediglich stagniert hat. Auch der vom Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator prognostizierte mittelfristige Wachstumstrend, gemessen an der gleitenden Jahresrate des BIP, ist während des ersten Halbjahres unverändert bei 1,1% geblieben. Er dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte sogar noch etwas verringern (auf 0,9% im dritten und 1% im vierten Quartal).

Ob damit die Talsohle erreicht ist, kann derzeit noch nicht abgesehen werden. Aktuelle Umfrageergebnisse für das Industrie- und Verbrauchervertrauen liegen wegen des Ferienmonats August nicht vor. Die zuletzt für Juli von der EU veröffentlichten Stimmungsindikatoren waren eher zwiespältig: Leicht abnehmender Pessimismus bei den Konsumenten, aber erneute Eintrübung des Industrievertrauens. Auch die jüngsten Zahlen zur Industrieproduktion in Euroland (-0,1% im Juni) signalisieren noch keine Trendwende. So bleibt vorerst nur das Prinzip Hoffnung. Zwar gibt es erste zarte Erholungssignale in der größten Euro-Volkswirtschaft Deutschland, aber diese könnten sich durchaus ähnlich wie im vergangenen Jahr auch als bloße Luftblasen erweisen. Das Wort Aufschwung kommt einem angesichts der anhaltenden Wachstumsschwäche ohnehin kaum noch über die Lippen. Ohne eine wiedererstarkende Konjunkturlokomotive USA dürfte jedenfalls auch im kommenden Jahr in Euroland nichts gehen.

  • Die aktuelle Entwicklung der Einzelwerte:

  • Für das

    Industrievertrauen

    im Euroraum (Gewicht 15%) gibt es ferienbedingt keine aktuellen Werte. Zuletzt war es nochmals von –13 Punkten auf –15 Punkte im Juli abgekippt. Dieser Wert geht auch als vorläufige Schätzung in den aktuellen Indikator ein, der insoweit nur vorläufig ist.
  • Für das

    Konsumentenvertrauen

    (Gewicht 15%) werden ebenfalls erst im kommenden Monat wieder aktuelle Umfrageergebnisse vorliegen. Zuletzt war eine leichte Stimmungsverbesserung von –19 auf –18 Punkte im Juli verzeichnet worden, die für die Berechnung des aktuellen Indikatorwertes vorläufig auch für August übernommen wurde.
  • Die

    Industrieproduktion

    (Gewicht 25%) ist nach dem starken Einbruch vom Mai (-0,9%) auch im Juni nochmals leicht um 0,1% gesunken. Hauptursache dafür war der stark Rückgang in Deutschland (-0,6%), der durch die Produktionszunahmen u.a. in Frankreich (+1,2%) und den Niederlanden (+3,1%) nicht ganz ausgeglichen werden konnte. Rückläufig war vor alle die Produktion von Investitionsgütern (-1,3%), was konjunkturell kein gutes Zeichen ist.
  • Die

    Geldmenge M1

    (Gewicht 30%) lag im Juli weiterhin zweistellig über ihrem entsprechenden Vorjahresstand (11,6% nach 11,3% im Vormonat). Sie wächst damit weiterhin deutlich schneller als die weiter abgegrenzte Geldmenge M3 (+8,5%), was auf eine nach wie vor starke Neigung zu kurzfristigen Geldanlagen schließen läßt. Die in jüngster Zeit wieder leicht anziehenden Kapitalmarktzinsen und die steigenden Aktienkurse könnten demnächst allerdings längerfristige Anlageformen wieder attraktiver machen. Sowohl konjunkturell als auch stabilitätspolitisch wäre der Abbau des Liquiditätsüberhangs eine willkommene Entwicklung.
  • Die

    Inflationsrate

    im Euroraum (Gewicht 15%) ist im Juli auf 1,9% nach 2,0% im Vormonat gefallen. Vor allem Bekleidung und Schuh sind zuletzt preiswerter geworden, möglicherweise weil die Verbraucher bei dem heißen Sommerwetter keineLust auf Einkaufsbummel hatten. Ersten Schätzungen von Eurostat zufolge ist die Inflationsrate im August wieder auf 2,1% angestiegen. Sie bewegt sich damit insgesamt weiter auf nahezu idealem Niveau, wenngleich es nach wie vor große Unterschiede zwischen den einzelnen Euroländern gibt.
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