Handelsblatt-Frühindikator steigt zum zweiten Mal in Folge
Neues Jahr bringt Konjunktur-Erholung

Die Trendwende scheint geschafft: Ab Anfang des kommenden Jahres dürfte die deutsche Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen – dafür spricht der Handelsblatt-Frühindikator.

HB DÜSSELDORF. Das Barometer ist im Oktober zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Es läuft der deutschen Konjunktur etwa drei Monate voraus und signalisiert: Im Januar wird die Wirtschaft in gleitender Jahresrate um 0,3 % wachsen, nachdem sie im Dezember noch stagnieren dürfte. „Die Zeichen stehen auf Erholung“, sagt Ulrich van Suntum. Der Ökonomie-Professor an der Uni Münster hat das Barometer konzipiert und berechnet es monatlich.

In nur zwei Monaten haben sich die Konjunktur-Perspektiven damit deutlich aufgehellt: Im September war das Barometer zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder gestiegen – inzwischen liegt es 0,7 Punkte über dem Tiefpunkt von August. Ein so starkes Plus innerhalb von zwei Monaten gab es zuletzt im Frühjahr 2001. Einen weiteren Lichtblick gibt es auch für die neuen Bundesländer: Das Handelsblatt Ostbarometer, das bereits im September deutlich gestiegen war, schaffte zum ersten Mal seit einem halben Jahr den Sprung in den positiven Bereich.

Trotz der guten Nachrichten warnt van Suntum aber vor zu viel Euphorie: „Der konjunkturelle Tiefpunkt dürfte erst zur Jahreswende durchschritten werden.“ Der Indikator untergräbt damit Hoffnungen, die Wirtschaft komme noch 2003 wieder stärker in Fahrt: „Nach dem schwachen zweiten Quartal lässt er für die zweite Jahreshälfte kaum nennenswerte Dynamik erwarten.“ Im Jahresdurchschnitt dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 % schrumpfen, signalisiert der Indikator.

Aber immerhin: Die Hoffnung auf Besserung im kommenden Jahr steht auf relativ breiten Füßen. Denn nicht nur die Stimmungsindikatoren von ZEW und Ifo haben sich verbessert. Mit den Auftragseingängen in der Industrie und im Baugewerbe erholten sich auch zwei der drei „harten“ Daten, die in den Indikator einfließen. „Die Gefahr einer neuerlichen bloßen Stimmungsblase ist geringer geworden“, sagt van Suntum mit Blick auf Parallelen zum ersten Halbjahr 2002. Monatelang wuchs damals der Konjunktur-Optimismus, ohne dass sich die tatsächliche Lage besserte – die Zuversicht entpuppte sich schließlich als deutlich überzogen.

Ein gewisses Restrisiko bleibt allerdings auch jetzt noch: „In trockenen Tüchern ist die Konjunkturwende erst, wenn sich auch die Produktion nachhaltig belebt“, betont van Suntum. Im Juli war die Industrieproduktion zwar zum ersten Mal seit einem halben Jahr deutlich im Plus – aber vor allem dank eines Sondereffekts: Wegen des späten Ferienbeginns wurde im Juli deutlich mehr gearbeitet als üblich. Im August war es dann genau umgekehrt – Ökonomen erwarten daher ein deuliches Minus bei der Produktion im August.

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